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Big Boy: Ponygirl

Große Klappe, nichts dahinter
Wertung: 2/10
Genre: Industrial Rock
Spielzeit: 39:34
Release: 30.10.2009
Label: The Private Room

"If you can't make it, fake it!" - ein schönes Sprichwort, das in etwa besagt, dass der schöne Schein mindestens genau so gut sein kann, wie echte Fähigkeiten. Eng damit zusammenhängend: das besonders im Showgeschäft sehr beliebte Prinzip der Selbstinszenierung, das auch Big Boy recht gut verinnerlicht haben. Keine echten Namen in der Bandbiografie, pseudoarrogantes, selbstgefälliges Gehabe und Geistererscheinungen (in Big Boys Fall Freddie Mercury), die Befehle geben wie "Gründe die böseste, heftigste Rock'n'Roll-Band der Welt!" - angeführt von ihrem schwedisch-deutschen Mastermind (Big Boy in Person eben) macht die Band jede Menge Wind um sich selbst und ihren Frontmann und legt mit "Ponygirl" nach ihrem 2007 veröffentlichten Debüt "Hail The Big Boy" ihren Zweitling vor. Den Albumtitel hat man sich aus der BDSM-Szene geliehen, was schon einiges über die Ästhetik, die hier gepflegt wird, aussagt.

Als Intro bekommt man als Hörer daher auch erst einmal von Computerstimmen (Microsoft Sam?) vorgetragene Beschimpfungen zu hören, bevor "Terror Era" die Platte eigentlich ganz ordentlich eröffnet. Klanglich bewegen sich Big Boy irgendwo zwischen Deathstars, Rammstein und Marilyn Manson, wobei besonders letztgenannter im Gesang deutlich herauszuhören ist. So bricht sich der Opener mit dicken Grooves, Industrial-Sprenklern und annähernd fies rübergebrachten Vocals eine ganz hübsche Bahn.

Mit dem Titeltrack "Ponygirl" fällt das Niveau dann allerdings etwas ab: musikalisch unspannend und textlich deutlich auf platte Provokation ausgelegt, ergötzt sich der Song am lustvollen Spiel mit Zuckerbrot und Peitsche, vermutlich, um den braven Spießbürger ein bisschen zu schocken – in welchem Jahrhundert leben wir noch gleich? Schon jetzt beginnt zudem Big Boys Timbre leicht zu nerven – der Gute ist nun einmal kein Marilyn Manson, auch wenn er die Silben noch so angewidert herauswürgt.

Die folgenden Tracks führen den Anspruch dann stetig weiter abwärts, wobei "My Own Rules" mit seinen Billig-Synthies, eingebettet in völlig konturlose Gitarrenriffs, besonders sauer aufstößt. Überhaupt mangelt es über weite Längen an so etwas wie Struktur und Abgrenzung einzelner Songparts. Big Boys geringer Stimmumfang hilft da auch nicht wirklich weiter; bei "Heroin Heroine" verliert sich das bisschen Melodie, das irgendwo vorhanden sein könnte, in den chaotischen Wirrungen aus Synthies und Gitarren, die ihre Aufgabe, passende Harmonien zu kreieren, grandios verfehlen. Den Extrakick erhält das grausige Machwerk dann noch durch die lyrische Unleistung – nicht zum letzten Mal auf "Ponygirl" übrigens, denn im Großen und Ganzen ist außer platten, halbprovokanten Parolen, billigen Wortspielen ("Terror Era" und "Heroin Heroine" seien nur beispielhaft erwähnt) und Abzählreimen wie in "I Hate Myself" nicht viel zu holen.

Big Boy werfen aber nicht nur auf handwerklicher Ebene unangenehme Fragen auf; die generelle musikalische Ausrichtung ist auch gar nicht mal so leicht festzustellen. Eigentlich gut für eine Band, wenn man ihren Stil nicht so recht einordnen kann, wobei es sich in diesem Fall etwas anders verhält: Auf der einen Seite bewusst die brachialen Brutalos raushängen lassen und auf der anderen eine Poprocknummer wie "Love Is Almost Perfect" oder eine Ballade wie "You Said", die durch das oben schon erwähnte gesangliche Unvermögen so mies gerät, dass man besser nicht genauer darauf eingeht, aufzunehmen, ist nicht künstlerisch wertvoll, sondern irritiert und beweist, dass Big Boys Stil eben kein eigener ist, sondern ein mittelmäßiger bis schlechter Abklatsch aller möglichen Einflüsse.

Bevor die Platte mit einem Remix von "Love Is Almost Perfect" endet, wartet mit "Diese Welt" noch das einzige deutschsprachige Stück auf mittlerweile gar nicht mehr freudige Ohren. Wer immer noch über den vermeintlich schlechten Text der aktuellen Rammstein-Single "Pussy" jammert, sollte sich diesen höchst gesellschaftskritischen und philosophischen Song mal zu Gemüte führen. Kostprobe? "Sind nur wir hier gegen diese Welt? Ist es das was uns an ihr nicht gefällt?" Dann doch lieber Bratwurst und Sauerkraut, oder?

Trauriges Fazit: Ein recht hörbarer Opener, ein bisschen Mittelmaß und viele unerträgliche Songs, die man ob der Abwesenheit von Lücken zwischen guten Tracks nicht einmal mildernd als Füllmaterial bezeichnen kann. "If you can't make it, fake ist" – um ein solches Album zu kaschieren, braucht man ein verdammt gutes Image. Aber nicht einmal das haben Big Boy.

...und dann findet sich doch noch eine interessante Facette an "Ponygirl", wenn auch nicht musikalischer Natur: Wer die Platte erwerben möchte kann dies im Internet über einen komplett werbefinanzierten – und damit kostenlosen - Vertriebsweg tun. Somit ist wenigstens ein Fehlkauf ausgeschlossen.

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