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Better Tomorrow: Home Is Where Your Heart Is

Zur Mitte hin stark, ansonsten eher seicht
Wertung: 6.5/10
Genre: Alternative Rock
Spielzeit: 37:52
Release: 24.06.2011
Label: SAOL/H’Art/Zebralution

Better Tomorrow sind jung und knackig, das hört man. Sich Namen zu geben wie „The Face“, „The Law“, „The Engine“ und „The General“ ist vielleicht nicht teeniekompatibel, die Musik des deutschen Quartetts hingegen schon. Fruchtig-frisch kommen die meisten Songs von „Home Is Where Your Heart Is“ aus den Boxen, ein bisschen zu sehr vielleicht – in Gedanken sieht man zahnspangentragende Mädels mit Zöpfchen und kurzen Röckchen in der ersten Reihe eines Konzerts der Jungs auf und ab hüpfen und laut schreien „Ich will ein Kind von dir!“

Automatisch kommt denjenigen, die mit der modernen Rockszene ein bisschen vertrauter sind, das 30 Seconds To Mars-Video „Closer To The Edge“ in den Sinn – ein Zusammenschnitt vieler Live- und Backstageaufnahmen, bei denen einen jedesmal eine Gänsehaut überrennt. Nicht etwa, weil der Song so berührend wäre – es gruselt einen eher vor den Massen an vornehmlich weiblichen Menschen, die sich da gegen die Barriere zum Bühnengraben pressen. Die Assoziation kommt natürlich nicht von ungefähr: BT-Sänger (und, natürlich, Gitarrist – es scheint ja auf der Welt kaum noch Sänger zu geben, die einfach nur singen) Sebastian „The Face“, unterstützt von ebenfalls Gitarrist und Sänger Martin „The Law“, klingt stellenweise erstaunlich nach Jared Leto, vor allem, wenn es ans Schreien geht. Ansonsten pendeln die beiden stimmlich zwischen 30 Seconds To Mars und Lostprophets und genau da kann man die Musik der Combo auch allgemein anordnen: Etwas für Highschool-Kids oder jung gebliebene Collegestudenten; die ganze Produktion klingt so amerikanisch wie nur was (auch wenn jetzt Unkenrufe laut werden, dass Lostprophets doch aus Wales kommen – schon klar!) und insgesamt hat man eher das Bedürfnis, sich zu „Home Is Where Your Heart Is“ wahlweise am Strand zu besaufen oder dort entjungfern zu lassen, als über den tieferen Sinn und Zweck der Platte nachzudenken.

Egal, wie die Wertung letztlich ausfällt, ein Special-Bonuspünktchen geht direkt an Schlagzeuger Markus, der nicht nur super Arbeit auf der Platte leistet, sondern auch das Digipack gestaltet hat. Nicht nur, dass alle Songtexte zum Nachschlagen vorhanden sind, das Ganze ist auch noch schön übersichtlich gestaltet und sieht, trotz Einsatz von so gewöhnungsbedürftigen Farben wie braun, sehr hübsch aus. Ansonsten machen Songs wie „Save Me“ schnell klar, in welche Richtung das Album geht: Eine Mischung aus modernem Alternative Rock und einem winzigen Schuss Emocore wird geliefert, im Fall des betreffenden Songs unterlegt von Snare-Wirbeln und im Refrain bombastisch angelegten Gitarren.

Erstes Highlight ist dann der Bandtiteltrack, der zwar vor allem im Refrain sehr radiokompatibel daherkommt, aber trotzdem wirklich gut gemacht ist und als angenehmer Ohrwurm im Gedächtnis hängen bleibt. Das folgende „Isolation“ gestaltet sich dann ungleich ruhiger aus dem einfachen Grund, da der Song der verstorbenen Großmutter der Brüder Sebastian und Markus gewidmet ist. Teilweise unterstützt von sehr schönem weiblichen Gesang und einer Akustikgitarre sowie Streichern, schlängelt sich das Stück durch die Gehörgänge.

„Stargazer“ driftet dann ein wenig in Richtung Indie Rock, ist aber auch nicht übel gemacht und gehört, wenn auch nicht zu den Anspieltipps, definitiv zu den Songs der Platte, die man sich auch mal zwischendurch anhören kann. „Trippin’“ könnte man dann allerdings fast als Abkupferung bezeichnen – nicht nur die Melodieführung, auch die Stimme klingt ziemlich genau nach Lostprophets. Auch danach folgt nichts wesentlich Interessanteres mehr – Better Tomorrow haben zum Schluss ein wenig abgebaut.

Fazit: Die Mitte des Albums könnte man wirklich als starkes Rockalbum bezeichnen, zu Anfang und Ende der Scheibe geht den Jungs aber die Luft aus beziehungsweise sie haben ordentlich Anlaufschwierigkeiten. Insgesamt sind ein paar Highlights dabei, aber die Ausrichtung ist doch eher kommerziell (ob gewollt oder nicht steht hier nicht mal zur Debatte) und dürfte eher diejenigen Rockfans ansprechen, die noch nicht alt genug sind, um starken Alkohol selbst zu kaufen.

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