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Benea Reach: Possession

Mit Einfallsreichtum zum Erfolg
Wertung: 8,5/10
Genre: Metalcore, Progressive Metal
Spielzeit: 50:08
Release: 22.03.2013
Label: Spinefarm Records

In ihrer Heimat Norwegen sind Benea Reach kein unbeschriebenes Blatt mehr und über den Status einer reinen Newcomerband hinaus, doch international hat es zu mehr als einem Geheimtipp bisher noch nicht gereicht – „Possession“ ist als drittes Album der Truppe derart ambitioniert geraten, dass der jungen Formation nun vielleicht etwas mehr Aufmerksamkeit zukommen könnte. Als Instrument dazu soll die wilde Mischung aus diversen extremen und nicht ganz so extremen Spielarten des Metals dienen, die Benea Reach tatsächlich zu einem interessanten und recht eigenständigen Stil zusammenschustern.

Dass die Norweger dabei selbst Vergleiche zu Meshuggah und Neurosis ziehen, verwundert nach einigen Hördurchgängen doch ein wenig, denn im Grunde ist die Musik der Truppe gar nicht so progressiv, wie man ob der Experimentierfreudigkeit zunächst vermuten würde – viele Riffs und Refrains sind sogar so eingängig, dass man einigen Songs gar das Potential zum Hit attestieren könnte. Nichtsdestotrotz legen Benea Reach merklichen Wert auf technischen Anspruch und versuchen, ihre Songs abwechslungsreich und komplex zu gestalten, so dass Wiederholungen glücklicherweise weitgehend außen vor bleiben. Anspruchsvoller Metalcore trifft so auf Progressive und Melodic Death Metal und verschmilzt mit den sehr individuellen Vocals zu einem modernen Metalsound, der sich deutlich origineller als bei vielen Kollegen gestaltet.

Eine der größten Stärken Benea Reachs liegt dabei darin, dass sich zwar ein roter Faden durch das Album zieht, aber die Selbstzitate stets in neuen Formen auftauchen und kaum ein Song wie der andere klingt. „Crown“ und „Nocturnal“ kommen so mit durchschlagender Aggressivität daher, die auch durch die starke Stimmleistung, die hier zwischen wuchtigen Growls, durchdringenden Screams, Klargesang und einer gekonnt ausgeführten Technik zwischen Verzerrung und Stimmklang schwankt, bedingt wird – da sieht man der Truppe auch gerne die manchmal zu findenden geistreichen Zeilen wie „In the sunlight we can't survive, but every night we come alive“, die sich beispielsweise in letztgenanntem Track finden lassen, nach.

Wirklich im Gedächtnis bleiben Benea Reach aber vor allem durch die teilweise epischen Anklänge, die sich in den Stücken finden und zumeist mit einem großen Refrain gekrönt werden. Angefangen beim eröffnenden „Woodlands“ über das eingängige „Constellations“ bis hin zu dem alles überragenden „Empire“ lassen sich hierfür viele Beispiele auf dem Album finden. Vor allem letztgenannter Song verdient besondere Erwähnung, denn was die Norweger hier präsentieren, ist schlichtweg Weltklasse: Die Strophen überzeugen mit kompromissloser Aggressivität und hohem Tempo, während der nahtlos anschließende Refrain mit seiner in schwindelerregender Höhe vorgetragenen Melodie im verzerrten Stimmmodus eine dauerhafte Gänsehaut entstehen lässt.

Nicht zu kurz kommen dürfen bei dem Streben der Band nach der Wahrung einer gewissen Progressivität natürlich auch diverse Klangexperimente nicht. Auf der einen Seite können diese sich wie bei „The Mountain“ in erster Linie in der komplexen Struktur oder auch wie bei „Fallen“ in kleineren Überraschungen wie einer geschickt eingestreuten Violinen-Passage ausdrücken, wohingegen „Desolate“ und „Aura“ inklusive Gastsängerin einen ganz anderen Weg gehen. Mit ihren melancholischen Stimmfarben passen die beiden Sängerinnen hervorragend in die schwermütigen, melodischen Stücke, die von den gelungenen Wechseln zwischen weiblicher und männlicher Stimme sowie den großartigen Refrains leben – übrigens beweist der Frontmann der Truppe hier, dass er auch im Klargesang einiges an Talent vorzuweisen hat und erstaunt in „Aura“ sogar mit einem beachtlichen Tonumfang.

Mit „Possession“ ist Benea Reach definitiv ein ebenso überraschendes wie starkes Album gelungen, das locker mit den Großen des modernen Metals mithalten kann. Auch nach zahllosen Durchläufen begeistert das Drittwerk der Truppe dank reichlich Abwechslung und Kreativität noch und tröstet so über einige weniger gelungene, zu bemüht atmosphärische Passagen wie jene in „Shedding Skin“ schnell hinweg. Hinzu kommt ein großartiger Sänger, der die beste Leistung im extremen Bereich seit langem vorzuweisen hat und zudem auch im Klargesang einiges an Potential vorzuweisen hat. Wer also seinen modernen Metal in der schwer auszubalancierenden Schnittmenge zwischen Innovation, Eingängigkeit, Aggression und technischem Anspruch mag, sollte dieser hoffnungsvollen Truppe unbedingt einmal ein Ohr leihen, denn mit „Possession“ findet sich eines der bisher besten Werke dieses Jahres aus dieser Richtung.

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