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Bellowhead: Live At Shepherds Bush Empire

Große Band + tolle Songs = hervorragende DVD
Wertung: 10/10
Genre: Folk
Spielzeit: 2:52:00
Release: 09.02.2009
Label: Westpark Music

Wer die englische Folk-Truppe Bellowhead für einen Gig buchen möchte, sollte in erster Linie eines bereithalten: eine angemessen große Bühne. Schließlich stehen hier nicht weniger als elf Musiker – zehn Herren und eine Dame – zur gleichen Zeit auf den Brettern und begeistern ihr Publikum. Das altehrwürdige Konzerthaus "Shepherds Bush Empire" in London hat genügend Auftrittsfläche anzubieten, und so gaben Bellowhead im stilvollen Saal mit Opernambiente am 26. September 2007 eines ihrer für Aktivität berühmt-berüchtigten und bereits von der BBC in Form eines Folk Awards ausgezeichneten Livekonzerte. Zum Glück für all jene, die damals nicht dabei waren, wurde der Gig auf DVD gebannt und bei Westpark Music veröffentlicht.

Ich muss gestehen, dass ich Bellowhead vor dem Genuss dieses Konzertfilms nicht kannte, was ich jetzt, 17 Songs später, beinahe bereue. Dieser Folk-Behemoth versteht es, traditionelle Stücke in gänzlich neue Gewänder zu kleiden und zwischen "Stilmix" und "musikalisch völlig undefinierbar" spielerisch zu pendeln, ohne dabei an Unterhaltungswert einzubüßen. Schon die benutzten Instrumente sind für eine Folkband in dieser Zusammenstellung eher ungewöhnlich, wenn nicht auf den ersten Blick sogar wenig harmonierend: Cello, Akustikgitarre, Fiddle und Dudelsack sind in Kombination ja noch relativ gängig; ergänzt um Oboe, Banjo und eine komplette Bläsersektion – Trompete, Posaune, Saxophon und Tuba beziehungsweise Sousaphon – trifft man sie dann aber doch nicht allzu häufig an. Das absonderlichste Instrumentenrepertoire hat Percussionist Pete Flood angehäuft, der neben Standard-Klangerzeugern wie Snaredrum und Becken, verschiedene Tröten und Hupen, eine Bratpfanne, quietschende Spielzeughämmer, ein Glockenspiel und eine Blechdose voller Essbesteck zum Einsatz bringt.

So vielfältig wie das Instrumentarium ist dann auch die Ausgestaltung der Songs: Während einiges durchaus so klingt wie man es von einer englischen Folkband erwarten würde, finden sich waschechte Reggaetunes wie "Hopkinson's Favourite", afrikanische Rhythmen, funkige Bläsereinwürfe, jazzige Improvisationen und absurde, aber passende Klassifizierungen, wie etwa beim Titel "Fire Marengo", der von Sänger und Fiddler Jon Boden als "der erste Disco-Shanty" angekündigt wird.

Vom ersten Ton des energetischen Openers "Prickle Eye Bush" an schaffen es Bellowhead, ihr Publikum im Saal und vor dem Bildschrim mitzureißen. Fast regelmäßig wechseln sich Instrumentals und durch die charismatische Stimme Jon Bodens unterstütze Songs ab, wodurch Abwechslung jederzeit garantiert ist. Besonders herausragende Titel in einer Setlist ohne Ausfälle sind der schon erwähnte Opener, die Ballade über den frauenmordenden "Outlandish Knight", das schelmische "London Town", der herrlich vertrackte Song "Rigs Of The Time" und "Flash Company", dessen musikalische Untermalung zum Großteil aus den verrücktesten und seltsamsten Geräuschen besteht, die man auf nicht-elektrischen Instrumenten erzeugen kann. Die Zugabe "Jordan" ist ebenfalls ein definitives Highlight und wirkt mit ihrem schaurig-schönen Sackpfeifenintro und dem Gesang aus allen verfügbaren Kehlen unglaublich atmosphärisch.

In den zahlreichen Instrumentals und den langen Passagen ohne Gesang wird die Virtuosität und Spielfreude der Musiker deutlich, die aufeinander eingehen, kollektiv in musikalische Ekstase verfallen, stets gut gelaunt wirken und auf der Bühne ihre Späße miteinander treiben. Überhaupt kommt der Humor nie zu kurz und äußert sich auch in der Interaktion der Band mit dem Publikum. Da wird auch schon mal stetiges Auf- und Abhüpfen als klassischer Volkstanz bezeichnet; ergänzt um den Zusatz, dass der nicht so ganz einfach zu lernen sei, aber "bis zum Ende des Songs sollte es jeder drauf haben". Durch ihre Natürlichkeit und leidenschaftliche Spielfreude versprühen Bellowhead jede Menge Charme, der sich äußerst positiv auf Publikum und Atmosphäre auswirkt.

Zusätzlich zum Konzert in Stereo und 5.1.-Sound findet sich auf der DVD noch über eine Stunde Bonusmaterial, bestehend aus dem DVD-Trailer, einem Tourtagebuch, einem Interview mit Akkordeonspieler John Spiers über die Anfänge und die Entwicklung der Band sowie einer Art Inter-Band-Interview, in dem sich die Bandmitglieder gegenseitig über ihren Weg zu und ihre Rolle in der Band ausfragen und in dem der Zuschauer unter anderem lernt, dass Tubist Gideon Juckes nur deshalb Mitglied von Bellowhead ist, weil er seine persönliche Freiheit in Monaco an Fiddler Paul Sartin verspielt hat und dass ein Lasso eigentlich ein Tanz der Cowboys ist, der durch die typische Armschwungbewegung über dem Kopf charakterisiert ist und zum Zusammentreiben der Kühe diente. Alles nicht ganz ernst zu nehmen, dafür aber umso unterhaltsamer.

Fazit: Eine eingespielte Band, Musik voller Drive und Emotion, perfekter Sound sowie amüsantes und informatives Bonusmaterial – diese DVD hat alles, was man von einer Konzertliveaufnahme erwartet. Bellowhead-Fans kommen um diese Scheibe sowieso nicht herum; alle Folkliebhaber und vor allem jene, denen die Band noch fremd ist, sollten ebenfalls auf jeden Fall zugreifen.

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