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Bela B: Code B

Die Lernphase ist vorbei!
Wertung: 7.5/10
Genre: Punk Rock/ Pop
Spielzeit: 50:53
Release: 02.10.2009
Label: Sony/ BPX 1992

Wer Bela B. ist, muss wohl niemandem mehr erklärt werden. Klar, als Schauspieler in herrlich dilettantischen B-Movies und nebenbei als Drummer der „besten Band der Welt“ erarbeitet man sich zwangsläufig einen gewissen Bekanntheitsgrad. Blicken wir also auf seine Solokarriere, die er vor drei Jahren mit „Bingo“ einläutete, zurück. Das Album kam in den damaligen Kritiken etwas schlechter weg, als es es eigentlich verdient hat. Ein Punkt, in dem sich alle Kritiker einig waren, ist aber absolut zutreffend gewesen: Gegen den Alleingang seines Kollegen Farin Urlaub mit seinem Farin Urlaub Racing Team konnte Bela zu keiner Zeit anstinken. „Der Graf“ veröffentlichte mit „Bingo“ ein Album voller Höhen und Tiefen, während sein Die Ärzte-Kompagnon mittlerweile auf drei sehr starke Platten verweisen kann.

Aber man soll den Leuten ja Zeit geben, denn Rockstars wie Herr B. sind ja durchaus in der Lage, sich eine Veröffentlichung zum Experimentieren zu „gönnen“. „Code B“ nennt sich der zweite Anlauf und startet wie der Vorgänger mit einem ausladenden Intro, welches den coolen Titel „Rockula“ trägt und durch massive Fanbeteilligung in den Chören glänzt. Dem guten Beginn folgt aber unverständlicherweise ein zwei Songs langer Leerlauf. „Geburtstagsleid“ und „In diesem Leben nicht“ sind typisches Mid-Tempo, wie man es auch bei den Ärzten schon oft gehört und als „ganz nett“ verbucht hat.

Die erste Single „Altes Arschloch Liebe“ ist da von ganz anderem Kaliber: Ein Ohrwurm allererster Güte, der locker und leicht einem grandiosen Text die Grundlage bereitet. Mal ganz ehrlich, jedem sprachen diese Lyrics, wie immer von Belas charismatischer Stimme getragen, denn nicht mindestens einmal aus der Seele? Eben!

Großartig geht es mit „Schwarz-Weiß“ weiter, was wieder mal ein wenig den Grufti in Bela durchschimmern lässt. Textlich geht es hier zwar nicht wie so oft um Vampire, sondern um Gegensätze, aber die düstere und gleichermaßen entspannte Musik spricht Bände. Als einer von mehreren Gastmusikern darf sich hier übrigens St. Pauli-Kicker Marcel Eger hinters Drumkit klemmen. Das erklärt auch die kleine Spitze in Richtung des HSV im Text.

Als weiteren Gast darf man Chris Spedding (schmeißt Google an, wenn ihr ihn nicht kennt) begrüßen, der neben „In diesem Leben nicht“ auch das starke „Ninjababypowpow“ veredelt. Harte Rock-Vibes versprüht diese Platte wirklich nicht, das wird spätestens jetzt klar. Der Song ist vielmehr Rock'n'Roll und bewegt sich immer knapp an der Grenze zur belanglosen Pop-Musik, strauchelt aber nie.

„Bobotanz“ - ein Ohrwurm. Ich gebe zu, dass der Text mich zuerst in dezente Verwirrung gestürzt hat, aber der dezente Wink in Richtung Olli Schulz offenbart das Augenzwinkern, das wohl nur einem Oberarzt so gelingen kann. Grandios ist auch die Idee eine Liebesballade im Stil von „Where The Wild Roses Grow“ (Nick Cave / Kylie Minogue) mit den Protagonisten „Tankwart und weiblicher Räuber“ zu schreiben. „Liebe und Benzin“ nennt sich das Ergebnis und schwächelt nur etwas beim weiblichen Gesang, für den sich Schauspielerin Emanuelle Seigner verantwortlich zeichnet. Die Gute trifft manchmal den Ton nicht, macht ihren Job mit ihrer verrauchten Stimme aber wesentlich besser als Charlotte Roche bei „1., 2., 3. ...“ vom Vorgängeralbum.

Wie Farin bei seinem zweiten Album „Am Ende der Sonne“ hat sich auch Bela mit „Code B“ von Die Ärzte (den Bandnamen niemals deklinieren!) emanzipiert. Ein kleiner Blick zu seiner Hauptband ist „Als wir unsterblich waren“, eine urtypische Ärzte-Rocknummer. Ansonsten wird völlig ohne Zwang fleißig durch die Stile gesprungen. Es gibt melancholische Celli bei dem absolut großartigen „Dein Schlaflied“ (Singst du mit der Gruftistimme auch deinem Sohn etwas vor, Bela?) und Soundtrack-Atmosphäre beim Rausschmeißer „The Wahrheit“. Wiederum werden Italo Western-Einflüsse geschickt eingewoben, für welche sich ein weiterer Gast namens Alessandro Alessandroni verantwortlich zeigt. Dieser arbeitete schon oft mit seinem Jugendfreund Ennio Morricone zusammen. Und wer das ist, brauche ich ja wohl hoffentlich nicht zu erwähnen, oder?

Fazit: „Code B“ braucht seine Zeit, um zu wirken. Es hat keine Hits wie „1., 2., 3. ...“ oder „Der Vampir mit dem Colt“, aber dafür auch wesentlich weniger Leerlauf. Lediglich der Start und „Onenightstand“ sind ähnlich schwach wie weite Teile des Debüts geworden. Diese Makel werden aber mehr als aufgewogen von einem in sich stimmigen und sehr abwechslungsreichen Album. Wann kommt denn nun das Solodebüt vom dritten Arzt Rodrigo González?

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