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Beitthemeans: Crude Alabama Storytellers

Besser kann man es wohl nicht machen
Wertung: 10/10
Genre: Southern Rock Blues
Spielzeit: 51:17
Release: 22.11.2008
Label: Eigenproduktion

Eine Band aus Birmingham / Alabama beehrt uns mit ihrem zweiten Album, welches schon letztes Jahr veröffentlicht wurde. Nicht, dass dies schon ungewöhnlich genug ist; der Name Beitthemeans enthält keine Leerzeichen und so wird es noch schwieriger, zu verstehen, was es heißt. „Be it the means“ ist tiefster Südstaaten-Slang und wird im Englischen recht frei mit „Whatever it takes“ übersetzt. Ein Blick auf die Bandfotos lässt dann auch weniger langhaarige verzottelte Rocker erkennen als doch eher kurzhaarige Normalos. Hm, wenn das mal nicht wieder etwas Seltsam-Skurriles werden wird. 

Besten Southern Blues Rock kredenzt das Trio aus dem tiefsten Alabama, und das ohne irgendwelche Scheu: Man zockt hier einen eigenen Stiefel runter und zeigt auch mal Parallelen zu Größen wie Led Zeppelin oder auch immer wieder kleine Assoziationen an Black Sabbath, Lynyrd Skynyrd, Kid Rock, Temple Of The Dog oder auch neuzeitlicher The Answer.

Recht verträumt geleitet die Gitarre zu dem ersten eher ungewöhnlichen Soundeindruck. Dann beginnt Gitarrist Josh Jones zurückhaltend zu singen und nach kurzer Zeit wird kräftig losgerockt. Welch ein fulminanter Einstieg! Man merkt der Band trotz eher trägem Tempo deutlich an, mit wie viel Spielfreude sie bei der Sache ist. Einfach toll, wie Eric Watters dieses musikalische Ereignis produziert hat. Da stimmt jeder Übergang. Ein toller Sound gepaart mit einem richtig starken Song. Mit einer Selbstverständlichkeit werden da Songfragmente eingestreut, die das Ganze einfach nur deutlich von 95 Prozent der übrigen Bands abhebt und die Musik nie langweilig werden lässt.

„Mr. Devil And The Black Widow Woman” ist ein richtiger Stampfer geworden, der in der Tradition der ganz großen Bands steht. Tolles Riffing und gehörig Hummeln im Popo. Da kann man sich gut vorstellen, warum in den gängigen Filmen oft gezeigt wird, dass Bands in den Clubs hinter einem Maschendrahtzaun auftreten müssen. Wer da Tische und Stühle ins den Publikumsraum stellt, muss damit rechnen, dass es Kleinholz gibt. 

„The Hillside“ geht mit ähnlicher Dynamik vor. Wie Sänger Josh Jones immer wieder schreit, ist schon gänsehautwürdig und erinnert teilweise auch stilistisch an Chris Cornell. Insgesamt kann der Song aber nicht ganz mit den vorherigen mithalten, ohne aber auch nur Ansatzweise ins Mittelmaß abzudriften.

Man hat sich wohl gedacht, dass man das Ganze noch ein wenig abwechslungsreicher gestalten müsse. Deshalb gibt es ein deutliches Gitarrensoundspielchen zu Beginn, bevor ein Black Sabbath-artiges Riff ertönt, wenngleich dies hier nicht so tieftonig präsentiert wird, und alles nieder stampft, ohne seine Leichtigkeit zu verlieren. Cool auch, wie man hier zockt und singt. Ein Hammersong.

„End Of Time“ beginnt ein wenig verträumt. Könnte glatt charttauglich sein. Aber es wären nicht Beitthemeans, wenn da nicht plötzlich richtig heftig losgerockt würde. Die Band zockt hier wirklich nach dem Motto „be it the means“. Tolles Gitarrengeplänkel im Mittelteil, bevor es wieder recht verträumt zugeht. Das sich die unterschiedlichen Parts immer wieder abwechseln, muss nicht erwähnt werden, denn das ist Standard bei den Alabamaboys.

„Holy Ghost Girls“ rock and rollt sich - wenngleich auch gerade die Vocals eher sperrig geraten sind - so leicht und geschmeidig durch die Gehörgänge, dass es eine wahre Freude ist. Die tolle Gitarre sorgt für noch mehr Freude. So etwas erwartet man eigentlich eher von richtig alten Musikern, die schon seit mindestens 230 Jahren auf Tour sind und nun ihren zweiten oder auch dritten Frühling erleben. Casey Wilson zockt seinen Bass präzise und stimmig, ohne sich in den Vordergrund zu spielen.

Viel mehr Groove kann man beim nächsten Song eigentlich nicht reinpacken. Dieses kleine bluesige Groovemonster „The Shots Around Town“ zeigt mal wieder, auf welchem Level sich Beitthemeans bewegen. Der Blues bricht aus jeder einzelnen Note, ohne das Ganze aber zu traurig zu gestalten. Wie auf dem kompletten Album verrichtet Nathan Kelley seine Arbeit am Schlagzeug sehr gut. Cool, wie die Rhytmussektion hier den passenden Background abliefert.

„Drinking From A Skull“ haut dann trotz der schon allgemein hohen Qualität noch mal alles weg. Irgendwie ein wenig an Temple Of The Dog erinnernd, wird hier bester Blues Grunge Rock gezockt. Der Schädel fliegt unwillkürlich in den raueren Passagen vor und zurück und das Headbanger-Herz wird deutlich angeregt. Hört euch einfach mal die Gitarre an, denn was da alles in den gut sechs Minuten passiert, klingt einfach großartig.

„Dirt Road Blues“ wirkt auch wie ein alter Heldensong, der unheimlich viel Rockstarpathos in sich vereint; hier wird das Ganze aber auf die erschöpfte Art vorgetragen, was unheimlich gefühlsintensiv rüberkommt. Man meint quasi, die Band hätte gerade zwei Stunden auf der Bühne gestanden, ist total platt, aber die Fans lassen sie auch nach der vierten Zugabe nicht gehen. Und mit letzter Kraft hauen sie noch einen raus. Immer wieder blitzt ein wenig Power hervor. Erinnert, was das angeht, ein wenig an Warrior Soul. 

„Day Of The Dog“ ist dann wieder das krasse Gegenteil. Der Song vermittelt mit seiner Countrygitarre erstmal ein ausgedehntes Southern Feeling. Unglaublich, wie die Band hier ihre Musik zelebriert. Irgendwie wünscht man sich, dass man einen Cowboyhut hätte, den man am Ende des Songs mit einem fröhlichen „Yeehaa“ in die Luft schmeißen kann. Aber das Equipment befindet sich nicht auf meinen Kopf und so wird sich einfach vollends der Musik hingegeben. „Drink Your Whiskey Dry“ singt Josh da und irgendwie verdeutlicht das genau, was der Song so bietet. Rauchig, staubig, aber unheimlich gut und aufregend.

„Alabama Summer“ ist dann noch ein weiteres Highlight unter den eigentlich fast nur Highlights des kompletten Albums. Dem groovenden Southern Rock mit Bluesinfektion wird hier wieder aufs Beste gehuldigt. So stellen wir Europäer uns Alabama vor. Besser geht es eigentlich fast gar nicht mehr.

Fazit: Bester Südstaaten-beeinflusster Rock mit viel Seele und Emotionen, ohne dabei das treibende rockige Element zu vernachlässigen. Selten wurde ich derart positiv überrascht von einer Demoband. Aber dem Internet sei Dank kann man die Scheibe problemlos über das größte Internetkaufhaus oder diverse andere Stellen beziehen. Auch wenn der Preis, der verlangt wird, wahrscheinlich recht heftig ist, ist diese Scheibe ein absoluter Pflichtkauf. Freunde von Led Zeppelin, Lynyrd Skynyrd, The Answer oder auch gemäßigteren Kingdom Come werden hier begeistert sein. Besser machen? Geht irgendwie nicht, höchstens die Spielzeit verlängern. Schade, dass man sie wohl eher nicht auf deutschen Bühnen sehen wird.

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