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Beissert: The Pusher

Vertonter Wahnsinn
Wertung: 8/10
Genre: Thrash Metal/Sludge
Spielzeit: 50:20
Release: 21.05.2010
Label: Agonia Records

Schon die originellen Songtitel wie „Aal Ins Gekröse“ oder „Die Fabelhafte Welt Der Agonie“ lassen vermuten, dass es sich bei Beissert um keine 08/15-Band handelt – und siehe da, schon nach den ersten Minuten des Albums „The Pusher“ wird klar, dass hier vertonter Wahnsinn ansteht und jegliche Konventionen über den Haufen geworfen werden. Die Sachsen in eine Schublade zu packen ist geradezu unmöglich, als Vergleich bieten sich höchstens Die Apokalyptischen Reiter an, allerdings nur hinsichtlich des wilden Stilmixes: Neben dem oft vertretenen, durch Pantera populär gewordenen „Groove Metal“ stehen fast schon poppige Anklänge, so dass ein gewöhnungsbedürftiges, aber äußerst interessantes Gemisch entsteht.

Als Fundament der Musik könnte man melodischen Thrash Metal nennen, häufig finden sich jedoch auch Elemente aus dem Alternative Rock oder dem Hardcore in der Musik wieder. Die recht kraftvolle Produktion unterstützt die dreckigen Riffs angemessen und hebt alle Instrumente nahezu gleichwertig hervor. Genauso ungewöhnlich wie der Rest der Musik ist auch der Gesang des Frontmannes: Mal wird sich kompromisslos die Seele aus dem Leib gebrüllt, zu anderen Zeiten wird klar, aber merkwürdig hallend und ein wenig an Keith Caputo erinnernd gesungen – sicherlich nicht für jeden hörbar, doch mit einer gehörigen Portion Wiedererkennungswert gesegnet. Experimente werden zu keinem Zeitpunkt gescheut, zu rauen Klängen gesellen sich gerne auch mal akustische Gitarren oder Piano-Passagen, ohne das Gesamtbild zu stören.

„The Pusher“ beginnt noch verhältnismäßig normal und erinnert an die frühen Werke der bereits erwähnten Reiter, vor allem die Screams ähneln denen von Fuchs erstaunlich. Die häufigen Tempowechsel sind sehr gekonnt gesetzt und sorgen für Abwechslung, während der am Ende einsetzende Kindergesang eher für Erstaunen sorgt. Echten Pantera-Spirit atmet das nachfolgende Stück „Die Dunkelheit Sich Mit Uns Nimmt“, das mit groovenden Riffs und rauem Gesang daherkommt und gravierend an das Vorbild erinnert, ohne dieses jedoch schlicht zu kopieren. Piano-Instrumentals sind inzwischen sicherlich nichts Neues mehr, doch selten werden sie ansprechend umgesetzt – ganz anders bei „Die Fabelhafte Welt Der Agonie“, in dem das Klavier perfekt arrangiert eine melancholische Stimmung verbreitet, bevor „Saxon:Blood:Rock“ das Ruder wieder herumreißt und thrashige Riffs auf den Hörer loslässt. Der mit vielen Tempowechseln ausgestattete Song, der übrigens auch gleichzeitig die selbstgewählte Genrebezeichnung der Band ist, bietet im Refrain einprägsame Background-Vocals, die ihm eine Menge Mitgröl-Potential bescheren.

Ihr Händchen für Melodien beweisen die Sachsen mit „Uphillfight Against The Sun“, während in „Unaussprechlichen Kvlten“, dessen Titel so manchem Nile- oder Lovecraft-Fan ein Lächeln auf das Gesicht zaubern dürfte, geschickt Doom-Einflüsse verarbeitet werden. Leider kann das Stück ansonsten eher keine Akzente setzen, was vor allem an der einfallslosen Melodieführung liegt - immerhin wird der Hörer mit einem grandiosen Blues-Solo entschädigt. Gegen Ende nimmt das Album noch einmal ordentlich an Fahrt auf und wird noch experimenteller: „Durch Die Haare In Das Kind“ hat einen eher rockigen Charakter und überrascht sogar mit einigen „Uhuhu“-Chören und Keyboard-Sounds – die Krone wird dem ganzen mit einigen lustigen Passagen in der Kopfstimme aufgesetzt. Etwas ernster wird es mit „Eerie Discipline“, hier gibt es zu Anfang verträumte, akustische Klänge zu hören, bevor doomige Riffs den Song übernehmen und eine verzweifelte Stimmung erzeugen.

Mit „Aal Ins Gekröse“ und „Bloodsown“ zeigen sich Beissert nochmal von ihrer erbarmungslosen Seite, haben mit „Yggdrasil“ aber auch einen sehr melodischen Titel an Bord. Die Melodie sitzt auch nach Stunden noch in den Gehörgängen fest und wird vom Sänger sehr emotional vorgetragen, für Variation sorgen akustische und härtere Passagen. Zum Abschluss hat die Band mit „Gedanke Und Erinnerung“ auch noch ein acht-minütiges Stück an Bord, das viel Dramatik aufbaut und gegen Ende die Piano-Melodie aus „Die Fabelhafte Welt Der Agonie“ noch einmal aufgreift.

„The Pusher“ ist ein mutiges, chaotisches, aber trotzdem authentisches Album geworden, das eine Menge Potential aufzeigt. Mit ihrem wilden Stilmix hat sich das Quartett eine ganz eigene Nische erspielt – bei der Musik der Band werden die Meinungen gehörig auseinander gehen, aber so viel Eigenständigkeit ist ohne Frage lobenswert. Wer sich vorstellen könnte, dass eine funktionierende Mischung aus Pantera, Die Apokalyptischen Reiter und Life Of Agony gut klingen könnte, sollte sich Beissert unbedingt einmal anhören und sich selbst von dem Wahnsinn, dem die Sachsen frönen, ein Bild machen.

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