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Beaten To Death: Xes And Strokes

Eine Platte wie ein Schleuderwaschgang
Wertung: 6.5/10
Genre: Grindcore
Spielzeit: 18:31
Release: 23.09.2011
Label: Mas-Kina Recordings

Norwegen: ein Land voller Mysterien. Und ich spreche hier nicht von der unberührten Natur und eventuell vorhandenen Naturgeistern, sondern von der Frage, wieso alle norwegischen Bands irgendwie klingen, als hätten sie ordentlich einen an der Klatsche. Aktuelles Beispiel sind die Herren von Kvelertak, aber auch die hier angetretenen Beaten To Death stehen den Kollegen in Sachen Wahnwitz und –sinn in nichts nach. Kein Wunder ist es also, wenn man weiß, dass BTD-Fronter Anders Bakke zuvor bei der Chaostruppe She Said Destroy zugange war. Mit „Xes And Strokes“ bieten Beaten To Death jetzt ihr Debüt feil. 

Mittlerweile ist der Rundling schon fast ein halbes Jahr als, aber bekanntlich ist es nie zu spät, um interessante Bands zu entdecken. Und „interessant“ erscheint hier durchaus passend: Die Mischung aus Grindcore, Death Metal, Hardcore und einer durchweg experimentellen Komponente, die auf den etwas über 18 Minuten gezockt wird, lässt einen im ersten Durchlauf die Augen verdrehen, aber schon bei der zweiten Runde horcht man immer öfter auf, muss aufgrund von irrwitzigen Gitarrenläufen schon einmal breit grinsen und auch die immer wieder an Tempo gewinnenden Drums machen dem groovigen Fundament alle Ehre.

Von Zeit zu Zeit streuen die Norweger verspielte Gitarrenlicks in ihr brutales Geböller ein, nur um zu zeigen, dass sie keine völligen Barbaren sind. Dabei geht der Fünfer routiniert, aber keineswegs abgeklärt oder gar gelangweilt zu Werke – es gibt also einiges zu entdecken für den geneigten Grind- und Death-Fan, angefangen beim rumpeligen Opener „Pointless Testament“, der mit seinem stetig wechselnden Tempo ungestüm durch die Botanik stolpert und dabei eine Schneise der Zerstörung hinterlässt. Bereits im folgenden „Winston Churchill“ werden erste Melodien eingestreut, der eigentlich minimal gehaltene Hardcore-Anteil scheint durch und zwischendurch bringt den Hörer eine leicht dissonante Gitarre wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. 

Das Gute ist, dass man sich hier nicht mit ellenlangen Songs aufhalten muss. Die Aufmerksamkeitsspanne des Hörers wird kaum ausgereizt, selbst wenn er die Konzentrationsfähigkeit einer Eintagsfliege hat. Bei Songs unter drei Minuten wäre das aber auch ein arger Tritt in den Hintern der ambitionierten Musiker. "A Soulless Alarm" stellt mit zwei Minuten und 43 Sekunden Laufzeit einen der längsten Songs der Platte dar (da hüpft das Herz des Spielzeit-Minimalisten) und ruft schon zu ordentlicher Moshaction auf. Man kann sich direkt bildlich vorstellen, was da live in so manch kleinem Club abgehen mag. 

Ein Manko der Platte ist allerdings, dass die Songs aufgrund ihrer kurzen Spielzeit auch mal recht schnell an einem vorbeiziehen, ohne dass man davon besonders viel mitbekommt. Ehe man sich versieht, hat man "3-2-1, It's On" und "Cat Olympics" übergangen, ohne dass einem deren Verlust großartig aufgefallen wäre. So etwas sollte natürlich nicht passieren, kann bei einem Debüt aber leider schon einmal vorkommen. Auch das recht fiese "Groundhog Day" mag nicht so recht überzeugen, dafür kann der Titeltrack im Finale erneut beweisen, dass die Jungs auch anders können: mörderische Growls, halsbrecherische Berg- und Talfahrten an der Gitarre und rasende Drumparts ziehen sich wie der berühmte rote Faden durch den Song, unterbrochen von einem etwas hölzernen Breakdown, der aber trotzdem gut zum Sound passt, ganz zu schweigen von dem folgenden Basspart - ein Instrument, das ohnehin immer sträflich vernachlässigt wird. 

Fazit: Was hier fabriziert wird, ist Grindcore, der sich von festgefahrenen Standards zu lösen versucht. Das ist ein sehr lobenswerter Ansatz, obgleich natürlich noch einige Kinderkrankheiten wie der nicht optimale Sound bezwungen werden müssen. Und obwohl die Norweger richtig geniale Songs schreiben können, herrscht auf den neun Tracks noch ein zu großer Prozentsatz an Füllmaterial. Nichtsdestotrotz mischt"Xes And Strokes" wahrscheinlich jedem Grindcore-Fan erst einmal die Hirnmasse gründlich durch - da dürfen es auch gern ein paar Durchläufe mehr sein.

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