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Beardfish: The Void

Stillstand ist für diese Band ein Fremdwort
Wertung: 8.5/10
Genre: Progressive Rock
Spielzeit: 69:52
Release: 24.08.2012
Label: InsideOut (EMI)

„Hossa, was wird einem denn da um die Ohren geschleudert?“, muss man sich als langjähriger Beardfish-Hörer fragen, nachdem das von Andy Tillison – Prog-Fans möglicherweise bekannt als Musiker unter anderem bei The Tangent – gesprochene Intro verklungen ist, und die erste Nummer „Voluntary Slavery“ aus den Boxen schallt. Da Beardfish eine Band sind, bei der der Begriff Stillstand ein Fremdwort ist, darf man bei diesen Jungs nie allzu überrascht sein, was neue Einfälle anbelangt, und auch wenn man in der Vergangenheit hier und da immer mal einige düsterere Momente in all die prog-rockige, Hippie-eske Farbenpracht einschob – dieser Track ist doch sehr dunkel, sehr metallisch und harsch. Mastermind Rikard Sjöblom hat zudem ein paar vereinzelte gutturale Vocals eingestreut, sodass man automatisch an das vorletzte Album „Destined Solitaire“ denken muss, als die Schweden mit Growls experimentierten, was wie bereits im Review zu „Mammoth“ erwähnt, nicht so wirklich zünden wollte. Hier verhält sich das Ganze ein wenig anders, da es sich nicht um tatsächliche Death-Metal-Grunts handelt, sondern diese eher angedeutet werden, was sich in diesem Fall sogar ganz gut macht.

Eingefleischte Fans der Band könnten zunächst etwas verdattert, möglicherweise sogar ablehnend ob dieses ungewöhnlichen Openers reagieren, werden aber zugeben müssen, dass man sich vom songschreiberischen Niveau nicht beschweren kann. Die im Midtempo gehaltene Strophe groovt superfett, die Riffs sind keinen Deut schlechter als bei metallischer ausgerichteten Kollegen und allein wie reibungslos und unauffällig in die schnellere Sequenz ab der Mitte übergeleitet wird, zeugt einmal mehr davon, wie (im positiven Sinne) routiniert das Quartett inzwischen längst beim Songwriting agiert – routiniert und doch mit neuen Einfällen. Im Instrumentalpart wird außerdem amtlich drauflos geproggt und ein paar erstaunlich coole hohe Schreie Sjöbloms am Ende lassen ebenfalls aufhorchen. Gewöhnungsbedürftiger Beginn? Sicherlich, doch gut gemacht und allein durch Rikards Stimme immer noch eindeutig als Beardfish identifizierbar.

Wer nun aber trotzdem auf warme, wummernde Hammondorgelsounds, perlende Pianospielereien und hochmelodische Gesangsarrangements hofft, muss sich auch danach noch in Geduld üben. Mit „Turn To Gravel“ geht die Truppe sogar noch einen Schritt weiter – der Track hat unverkennbar eine Grunge-, teilweise sogar eine Sludge-Schlagseite. Verrückt, man wäre doch nie auf die Idee gekommen, dass diese Herrschaften, so experimentierfreudig sie sich bislang auch immer zeigten, mal mit solch einer Nummer an den Start gehen würden. Nach kurzer Eingewöhnungsphase muss jedoch konstatiert werden, dass auch dieser Song durchaus funktioniert, wenngleich man langsam schon beginnt, die Tasteninstrumente ein bisschen zu vermissen.

Dann aber ertönt „They Whisper“, das sogleich mit sonnigen E-Piano-Sounds eröffnet, die auch den skeptischen Anhängern endlich ein Lächeln ins Gesicht zaubern dürften. Dies hier nun sind Beardfish in Reinkultur und tatsächlich sind mit den ersten beiden Songs die ganz großen Experimente in Richtung härtere, düsterere Mucke auch vorbei. Die klarsten Veränderungen wurden also gleich am Anfang verbraten, wohl um ein Zeichen zu setzen, dass man auch weiterhin bestrebt ist, immer im Wandel zu sein. Dennoch zeigt so manche metallisch angehauchte Sequenz in „This Matter Of Mine“ oder „He Already Lives In You“, dass man nicht einfach nur zwanghaft und verzweifelt irgendwelche Veränderungen eingebaut hat, nur um mit der eigenen Vielseitigkeit zu protzen, sondern dass man auch absolut in der Lage ist, diese neue Seite subtil im Albumkontext zu präsentieren.

Ferner haben die Schweden in Form des großartigen, vor Spielfreude geradezu übersprühenden, zu jeder Sekunde Spaß machenden Instrumentals „Seventeen Again“ sowie dem 16 Minuten langen obligatorischen Longtrack „Note“, bei dem alle Register gezogen werden, zwei weitere hervorstechende Highlights in der Pipeline, und die zum Teil post-rockigen Elemente in „Ludvig & Sverker“ sollten ebenso nicht unter den Tisch fallen. Auch diese wurden gut integriert, gerade indem sie nämlich gar nicht sofort auffallen. Beschlossen wird das siebente Studiowerk der Bartfische mit der opulenten Ballade „Where The Lights Are Low“, die sich als sehr guter, relaxter Abschluss macht.  

Respekt vor Beardfish, die fleißig eine Platte nach der anderen heraushauen, um die Erweiterung ihres musikalischen Horizonts stets bemüht sind, und kompromisslos ihr Ding durchziehen. Immer den Spirit alter Prog-Recken wie King Crimson, Yes, ELP, Yes, Gentle Giant oder Frank Zappa hochhaltend sowie Flowerpower-Attitüde versprühend, verschließen sie sich doch nie neuen Inspirationen, und deren Integration gelingt auch diesmal weitestgehend. Zugegeben, Track zwei und drei fallen zunächst einmal schon ziemlich aus dem Rahmen (vielleicht ein Grund, weswegen „The Void“ trotz des unstrittig positiven Gesamtresümees nicht ganz so gut fließt wie der fabelhafte Vorgänger „Mammoth“), doch warten auch hier einmal mehr jede Menge toller Melodien und Ideen auf ihre Entdeckung, dass selbstredend eine Kaufempfehlung ausgesprochen werden muss.

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Absolut fantastischer Konzertabend, der kaum überboten werden kann