Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Beardfish: Sleeping In Traffic Part 2

Für Fans von altem Siebziger-Prog
Wertung: 9/10
Genre: Progressive Rock
Spielzeit: 74:23
Release: 16.05.2008
Label: InsideOut Music GmbH

Alle Progger sollten hier ganz schnell zuschlagen: Bei Beardfish handelt es sich um eine äußerst talentierte Combo aus Schweden (nein, nicht zu verwechseln mit den US-Amerikanern von Spock’s Beard, obwohl durchaus Ähnlichkeiten auszumachen sind...), die mit Einflüssen aus Siebziger-Prog der Marke Gentle Giant, Camel, Yes, Emerson, Lake & Palmer oder Genesis, genreübergreifenden Künstlern wie Frank Zappa, mit Jazz und Fusion jongliert und dabei mit „Sleeping In Traffic – Part Two“ ein ganz starkes Album vorlegt, welches das insgesamt vierte in der Discographie und den zweiten Teil des letztes Jahr erschienenen „Sleeping In Traffic – Part One“ darstellt.

Dahinter könnte man ein Konzept vermuten, was zumindest im lyrischen Sinne durchaus der Fall ist: Es geht um 24 Stunden im Leben eines Menschen – vom Sonnenaufgang eines Tages zu dem des nächsten. Das erste Album bildete hierbei den Tag, das zweite die Nacht. Musikalisch hingegen stehen die Songs eher für sich; es gibt keine immer wiederkehrenden Leitmotive oder dergleichen, welche die Stücke miteinander verknüpfen.

In jedem Fall haben wir es mit ganz starken Kompositionen zu tun, die schier nicht enden wollende Spielfreude und technisches Können enthalten und von jeder Menge Kreativität und Detailverliebtheit geprägt sind. Mit anderen Worten: Für diese Scheibe sollte man sich Zeit nehmen, es lohnt sich. Da die Stücke ziemlich lang sind, gilt es erst einmal, die vielen verschiedenen Stilrichtungen, die schon allein in einem Song untergebracht sind, zu erfassen. Aber glaubt mir: Nach einigen Durchläufen entpuppen sich die ganzen Überleitungen in die jeweils nächsten Parts als vollkommen logisch.

Und ganz nebenbei schaffen es die Schweden sogar trotz aller Komplexität, auch eingängige Refrains zu schreiben, wie „South Of The Border“ beweist, welches nebenbei bemerkt nicht nur, was die Melodiebögen betrifft, mit einer deutlichen Zappa-Schlagseite daherkommt, sondern auch vom Humor her deutliche Reminiszenzen an den genialen Künstler beinhaltet (man achte auf die Story, die hier erzählt wird...).

Auch schafft die Band einen perfekten Spagat zwischen traumhaften, geradezu schwebenden, schmeichelnden Gesangslinien (hört euch nur mal den ersten Teil des wunderbaren Openers „Into The Night“ an, wenn man mal das kurze Intro „As The Sun Sets“ ausklammert), fetten Grooves (man achte auf den Bass bei „The Hunter“) und niemals aufgesetzt wirkenden Frickelparts; davon zeugen zum Beispiel das abgefahrene Instrumental „Cashflow“ und die zweite Hälfte des spannend aufgebauten „The Downward Spiral / Chimay“, das durch exzellent ausbalancierte Tonart- und Stimmungswechsel glänzt.

Herzstück ist jedoch selbstverständlich der fast 36-minütige (!) Titeltrack, bei dem es bereits in den ersten vier instrumentalen Minuten (die wie eine Ouvertüre anmuten) unglaublich viel zu entdecken gibt, bevor der Gesang mit erneut wundervollen Melodien einsetzt. Und was danach abgeht, lässt sich bei einem Stück, das länger als eine halbe Stunde dauert, schlecht in Worte kleiden. Man sollte das kreative Feuerwerk der Band einfach nur anhören und genießen (allein die Überleitungen zwischen den Parts sind so was von geil gemacht; die BeeGees werden zitiert, sogar ein Akkordeon taucht auf und wie man dann zum Anfangsthema zurückkehrt...).

Klares Fazit: Beardfish sind wirklich eine absolute Perle des modernen Prog Rock, die trotz sehr starker Anlehnung an die Siebziger irgendwie doch sehr eigen und durch eine zwar ebenfalls an die Siebziger erinnernde, warme, aber gleichzeitig trotzdem recht moderne, druckvolle Produktion zeitgemäß klingen und man kann nur hoffen, dass sie in Zukunft noch mehr Aufmerksamkeit bekommen. An ihren Instrumenten sind sie absolute Könner, sie verstehen es glänzend, Songs aufzubauen und haben nebenbei noch einen Sänger – welcher übrigens ebenfalls für die sehr stark eingesetzten Keyboards verantwortlich zeichnet –, dessen Stimme an den jungen Greg Lake erinnert (und wenn das kein Kompliment ist...).

Ob das vorliegende Album besser ist als der erste Teil, wage ich nicht zu sagen, weil es insgesamt vollkommen anders aufgebaut ist, aber ein Süchtigmacher ist es zweifellos. In letzter Zeit hab ich es immer beim Autofahren gehört – ist schließlich auch nicht schlecht, am Steuer eine CD namens „Sleeping In Traffic“ zu hören.

comments powered by Disqus

Familiäre und friedliche Metalparty am Kanal, Take 17

Fantastischer Abend, der viel zu schnell zu Ende ging