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Beardfish: +4626 Comfortzone

Mindestens so stark wie der Vorgänger
Wertung: 8.5/10
Genre: Progressive Rock
Spielzeit: 65:25
Release: 09.01.2015
Label: InsideOut

Selten habe ich gleich mit dem ersten Satz in einem Promoschreiben so übereingestimmt, wie in jenem zu Beardfishs neuestem Streich „+4626 Comfortzone“, wo es heißt: „You’re never quite sure what to expect of Beardfish“. Da ist viel Wahres dran und genau dies ist auch der Grund, weswegen man die Schweden guten Gewissens zur Speerspitze des zeitgenössischen Progressive Rock zählen muss. Diese Jungs wollen nie dasselbe Album zweimal machen und wagten schon so manches Experiment. Mag sein, dass in dieser Hinsicht nicht immer alles reibungslos geklappt hat, aber allein dafür, dass sie es stets wagen, Neues auszuprobieren, muss man ihnen einfach Respekt zollen.

So stellt sich nach dem 2012er Werk „The Void“, das in der ersten Hälfte mit einigen heftigeren Momenten aufwartete, die spannende Frage, ob die Bartfische den Härtegrad noch weiter anziehen, oder doch eher wieder etwas zurückrudern würden. Tatsächlich beginnt „+4626 Comfortzone“ wieder deutlicher im klassischen Prog Rock verwurzelt; der erste Song „Hold On“ nach dem Intro „The One Inside Part One: Noise In The Background“ glänzt mit wunderschön arrangierten Gitarren, warmen Hammondorgelsounds und einem großartigen, melancholischen Breitwand-Chorus, der sofort in Fleisch und Blut übergeht. Wie gehabt wissen Rikard Sjöbloms Gesangsmelodien von Anfang an zu fesseln, wobei das Stück gleich ein Paradebeispiel für das einzigartige Schaffen der Schweden abgibt. Denn die knapp acht Minuten Spielzeit bieten trotz des Fokus auf den Song als solchen genügend Raum für ein paar proggige Kabinettstückchen und kleine Wendungen.

Ein exzellenter Auftakt demnach, der vom folgenden Titeltrack allerdings noch getoppt wird. Wiederum über neun Minuten lang, wird der Hörer hier zu perlenden Pianoklängen und abermals sensationellen Melodiebögen auf einen kleinen Trip entführt. Unfassbar, wo diese Truppe nur immer die Ideen für jene herrlichen Tonfolgen hernimmt – sie tragen maßgeblich zu dem Eindruck bei, dass trotz der Retro-Prog-Grundlage immer alles frisch, unverbraucht, unbekümmert klingt, unheimlich viel Spaß bringt und beim Hören umgehend gute Laune auslöst.

Dies gilt ebenso für das Herzstück des Albums, den Viertelstünder „If We Must Be Apart (A Love Story Continued)“. Dass Beardfish auf fast jeder Scheibe mindestens einen besonders langen Song am Start haben, dürfte genauso bekannt sein wie die Tatsache, dass jene Epen auch immer die besten und spannendsten Tracks darstellen. Das verhält sich auf vorliegendem Rundling nicht anders, schon das saftige Orgelriff, welches die Nummer einleitet, bleibt sofort hängen, bevor die Band mit erneut traumhaften Melodien und jeder Menge Spielfreude verzaubert.

Nun sollen die kürzeren Stücke natürlich nicht unter den Teppich gekehrt werden: „Can You See Me Now?“, von E-Piano und lockerem Groove bestimmt, ist eine kleine Perle, die sicherlich auch in den Achtzigern hätte geschrieben sein können, sich letztlich aber dennoch als zeitlos erweist. Dieses nette kleine Nümmerchen sollte man sich nach den beiden längeren Tracks zuvor nicht durch die Lappen gehen lassen, so wie auch die wunderhübsche Akustikballade „The One Inside Part Two: My Companion Through Life“, die sich zwischen den beiden härteren Stücken „King“ und „Daughter/Whore“ eingebettet wiederfindet. 

Die Songs, in denen es etwas mehr zur Sache geht, befinden sich diesmal also mehr in der Mitte und fügen sich besser als beim Vorgänger, wo das härtere Zeug ja am Anfang stand, ins Gesamtkonzept ein, sodass auch das gesamte Album etwas besser fließt als die 2012er Platte. „Daughter/Whore“ ist zwar ein bisschen sperrig und wirkt zunächst deplatziert, doch auch hier kann man sich durchaus reinhören – trotz des hohen Wohlfühlfaktors, der bei Beardfish stets vorhanden ist, hat die Combo ja immer auch etwas Kratzbürstiges, Kauziges an sich gehabt, das ihren besonderen Charme verkörpert und sie zu der Band macht, die sie ist. „+4626 Comfortzone“ ist jedenfalls mindestens so stark wie sein Vorgänger geworden und im mitreißenden „Ode To The Rock’n’Roller“ wird zudem ein brandaktuelles Thema angesprochen, indem gefragt wird, weswegen so viele Musiker um über die Runden zu kommen in Coverbands spielen müssen. Eine berechtigte Frage, über die sich so mancher Musikkonsument mal Gedanken machen darf.

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