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Battle Dagorath: Ancient Wraith

Winter in Mittelerde
Wertung: 7.5/10
Genre: Black Metal/Ambient
Spielzeit: 66:47
Release: 01.04.2011
Label: Cold Dimensions

Eigentlich ist es ja die falsche Jahreszeit für ein Album, das sich dem ewigen Winter in Mittelerdes unwirtlichen Gebieten widmet, aber irgendwie fällt es schwer, sich dem eisigen Charme des neuen Albums der kalifornischen Black-Metal-Truppe Battle Dagorath zu entziehen. Sich in diesem Genre der kalten, trüben Jahreszeit zu verschreiben, ist natürlich alles andere als ein Novum, dabei aber eine gute Figur zu machen jedoch nicht unbedingt immer an der Tagesordnung – trotz der alles andere als winterlichen Temperaturen in ihrer amerikanischen Heimat versteht es die Band auf „Ancient Wraith“ überraschend gut, die Stimmung des endlosen Weiß einzufangen und lädt den Hörer zu einer Reise durch raue, zerklüftete Berge und verschneite Täler ein.

Das Rezept dafür, das Schneetreiben vor dem Auge des Hörers beginnen zu lassen, ist dabei denkbar einfach: Man nehme monotone, aber atmosphärische Riffs, die gemeinsam mit dem ebenfalls eher gleichförmigem Schlagzeug zwischen Raserei und erhabener Melodik schwanken, reichere diese mit verzerrtem, widerhallendem und entfernt klingendem Gekreische an, um dem Ganzen ein Gefühl von Weite zu verleihen und füge schlussendlich geisterhafte Ambient-Passagen als besondere Würze hinzu, die Verschnaufpausen auf der entbehrlichen Wanderung erlauben – selbstverständlich alles in einer rauen Produktion, um dem Konzept gerecht zu werden. Vergleichen lässt sich diese Vorgehensweise am ehesten mit dem Labelkollegen ColdWorld, der eine sehr ähnliche Vision von Black Metal verfolgt. Wer genanntes Projekt schon einmal gehört hat, weiß, dass diese Mischung äußerst effektiv funktionieren kann und auch Battle Dagorath bilden hier keine Ausnahme, denn tatsächlich wird auf „Ancient Wrath“ der gewünschte Effekt fast in vollem Maße erreicht.

Einige mögen hier vielleicht skeptisch dastehen, bedenkt man, dass Musiker, die ursprünglich nicht aus der Ambient-Szene kommen, mit diesen Elementen häufig nicht umgehen können und die elektronischen Klangcollagen eher willkürlich als stimmungsvoll einsetzen. Glücklicherweise ist das hier nicht der Fall, denn größtenteils unterstützen die Passagen ihre metallischen Gegenstücke hervorragend und sorgen für Variation im sonst eher repetitiv gehaltenen Gesamtbild. Schon das eröffnende Instrumental „Spirits Of Winter Darkness“ stimmt gut auf das ein, was noch kommt: Beißend kalte Winde umwehen gleißende Klangteppiche und lassen einen ersten Blick auf die Schneesturm-geschüttelte Welt erhaschen, die das Ziel der Reise ist. Die Ruhe währt jedoch nicht lange, denn schon kurz darauf prasselt in „Empire Of Imperial Shadows“ ein fast schon Maschinen-gleicher Blastbeat aus den Lautsprechern und wird von ausladenden Riffs begleitet; in der Ferne vernimmt man die verzweifelten Schreie. Einige Tempowechsel und ein cleanes Interlude sorgen für Abwechslung, wobei vor allem in den gemäßigteren Momenten ein majestätischer Eindruck vermittelt wird.

Der Rest des Albums folgt weitgehend demselben Schema, verliert dadurch jedoch nicht an Qualität – das ewige Eis ist in dem Zusammenspiel sich wiederholender Riffs und dem entfernten Kreischen stets zugegen. Die Spitze des Berges erreichen Battle Dagorath dabei in „Kingdom Of Black Abyss“ und zeigen hier, wie ihr Stil optimal umgesetzt klingt: Wabernde Ambient-Klangflächen läuten den Song ein und werden alsbald von den gewohnt intensiven Wechseln zwischen Raserei und Melodie abgelöst, denen lange Zeit eingeräumt wird, um sich vollständig aufzubauen. Noch mehr beeindruckt das Stück allerdings, sobald das Tempo gedrosselt wird und für den Rest der Zeit einer ausgedehnten ruhigen Passage weicht, in der geschickt Ambient-Einflüsse mit cleanem Gitarrenspiel verknüpft werden und zu einem beispiellosen Spannungsaufbau ansetzen, der einige starke Melodien voller Melancholie bereithält und immer wieder von einsamen Schreien durchbrochen wird. Umso ernüchternder ist danach „Ancient Spectre Of Oblivion“, zeigt das als reiner Dark Ambient konzipierte Stück doch auf, dass über lange Spielzeiten doch nicht so gut mit den elektronischen Klängen umgegangen wird – anfangs kreieren trockenes Klirren, das Zerren eines zum Zerreißen gespannten Seiles oder ferne Trommeln noch eine beklemmende Atmosphäre, über die zwanzig Minuten verliert sich das Ganze aber allzu schnell in willkürlich aneinandergereihte Passagen.

Trotz dieses Ausrutschers werden Battle Dagorath ihrem Konzept insgesamt gerecht und schaffen mit einer simplen, aber gekonnt eingesetzten Mischung aus urwüchsigem Black Metal und Ambient eine Welt aus Schnee und Eis, die ebenso trostlos wie faszinierend ist. Die Kalifornier beweisen mit „Ancient Wraith“ einmal mehr, dass USBM inzwischen dem europäischen Gegenstück mühelos ebenbürtig sein und auch ohne entsprechende klimatische Verhältnisse dem Winter gehuldigt werden kann – wer auf eiskalten Black Metal steht, sollte sich ruhig einmal an der Band versuchen und die Reise durch die frostigen Gegenden Mittelerdes antreten.

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