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Bastard Priest: Under The Hammer Of Destruction

Wenn das der Hammer Of Destruction ist, muss sich niemand Sorgen machen
Wertung: 4.5/10
Genre: Death Metal
Spielzeit: 35:02
Release: 16.08.2010
Label: Pulverised Records

Eine Band, die sich Bastard Priest nennt, steht entweder so überhaupt gar nicht auf Judas Priest oder hat die Trueness mit Löffeln gefressen. Wenn das Cover der dazugehörigen „Under The Hammer Of Destruction“ betitelten Scheibe dann auch noch einen lustig skizzierten, irgendwie putzig anmutenden Sensenmann inmitten eines Totenschädelüberlaufenen Friedhofs zeigt, weiß man: So richtig ernst nehmen kann man das nicht.

Dass hier Schweden am Werk sind, könnte man grade noch so heraushören, an den Gitarren vielleicht; oder am Akzent des Sängers, falls man mal den ein oder anderen Text-Fetzen versteht. Was allerdings gar nicht passt, ist die Genrebezeichnung „Death Metal, Hardcore, Punk“, die sich die Band (selbst?) auferlegt hat. Death Metal? Klar, jede Menge. Punk? Kann man sich auf Grund der teils rotzig dahingeschnodderten Gitarren gerade noch gefallen lassen. Aber wo bitte versteckt sich der Hardcore in dieser Platte? Egal, wir sind hier nicht auf der Suche nach der Nadel im Heuhaufen, sondern nach gutem Sound beziehungsweise anspruchsvoller oder wenigstens guter Musik.

„Under The Hammer Of Destruction“ markiert das Debütalbum des – Achtung! – Duos. Seit 2001 machen Sänger und Gitarrist Inventor, der übrigens auch dieses seltsame Cover verbrochen hat, und sein Kumpan Matt Mendoza (Drums und ebenfalls Vocals) die Death Metal-Szene unsicher. Die LP-Version der Scheibe wird übrigens für die Old School-Liebhaber unter uns über Blood Harvest Records veröffentlicht. Die beiden Schweden haben es sich nun also zum Ziel gesetzt, die Death-Szene umzukrempeln. Ob das so klappt, darf man bezweifeln, wenn man sich die elf Tracks der Scheibe mal in Ruhe zu Gemüte führt.

„Blasphemy Of Hell“ startet mit einem etwas flach wirkenden Sound und einer Gitarre, die sich wie ein Schwarm wütender Bienen anhört.  Das klingt Interessant, abgesehen davon, dass die Vocals sehr vorhersehbar daherkommen. Da wird gegrowlt, was das Zeug hält – es war ja nicht anders zu erwarten. Die Atmosphäre gestaltet sich drückend-düster, was dem Werk ja nur zu Gute kommen kann und bei allem, was Recht ist – die Gitarrenarbeit ist wirklich gut. Allerdings schleicht sich etwa ab der Hälfte des Songs ein bizarrer Hintergrundton ein, der an die wabernden Soundeffekte erinnert, die in älteren Filmen das Erscheinen eines Gespenstes darstellen sollten.

Witzigerweise ist die Gitarre wirklich das Einzige, über das man nicht großartig meckern kann. Die allseits präsenten Drums haben eher Democharakter und der Gesang, auch wenn er eher gewöhnlich anmutete – wobei die stimmliche Leistung der Herren nicht herabgewürdigt werden soll, denn ich persönlich bekomme schon beim Zuhören vor Anstrengung ein Blutgerinnsel – hätte es eigentlich verdient, ein wenig mehr in den Vordergrund gemischt zu werden. Aber vielleicht gehört das ja so. Vor allem bei „Evil Pain“ fällt der starke Hintergrundhall auf, der aber von einem wahnwitzigen Gitarrensolo relativ schnell an die Wand gepustet wird.

Als wahrer „Ohrwurm“, wenn es im Death Metal je sowas gegeben hat, entpuppt sich „Total Mutilation“, bevor Inventor sich gitarrentechnisch bei „Chock“ austoben darf, einem schönen, recht ruhigen, aber nichtsdestotrotz bedrohlichen Instrumental mit vereinzelten, kaum hörbaren Schreien im Hintergrund. Der Titeltrack startet dann mit einem Rülpser – Verzeihung, mit einem Growl - und schepperndem Schlagzeug. Ordentlich Echo gibt es bei „Graveyard Sacrifice“, was so gar nicht gewollt klingt und man ist irgendwie an den Phoenix Festival-Gig der Herren von Anima erinnert, bei dem mehr Echo als Publikum vor Ort war. Zum guten Schluss haben sich die Herren von Bastard Priest noch ein Stück der schwedischen Crustpunks Bombanfall vorgenommen – „En Hälsning Från Helvetet” heißt das nicht mal zweiminütige Stück und es ist definitiv eines der besseren der Platte geworden.

Eigentlich schade, dass recht interessante Soundfragmente und auch talentierte Musiker ein Album hervorbringen, das so uninteressant ausfällt. Abgesehen davon, dass vor allem die Sache mit dem Nachhall natürlich Geschmackssache ist, klingen die einzelnen Songs irgendwie zusammengestückelt, ohne rechten roten Faden – abgesehen von der eher mäßigen Produktion – und ohne Antrieb. Vielleicht war der Druck, ein Debütalbum zu produzieren, einfach zu groß, vielleicht haben sich die beiden Schweden an dem Old Schoolig angehauchten Todesmetall irgendwie übernommen – über die Mittelspur kommt „Under The Hammer Of Destruction“ jedenfalls nicht hinweg.

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