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Barren Earth: Curse Of The Red River

Ein meisterhaftes Debüt mit hohem Suchtfaktor
Wertung: 10/10
Genre: Progressive / Death / Folk Metal
Spielzeit: 54:27
Release: 02.04.2010
Label: Peaceville

Es scheint ja schon ein Blick auf das Line-up von Barren Earth zu reichen, um Großartiges zu erwarten: Wenn man liest, dass die Herrschaften unter anderem bei solch phantastischen Combos wie Moonsorrow, Kreator, Swallow The Sun oder Amorphis spielen beziehungsweise gespielt haben, gerät man schnell ins Schwärmen und stellt sich die Frage, ob da überhaupt noch viele Worte verloren werden müssen. – Die Antwort lautet dennoch ja, schließlich ist es hinlänglich bekannt, dass das mit sogenannten Supergroups immer so eine Sache ist. Oftmals ist die Erwartungshaltung dann doch zu hoch und kann nicht erfüllt werden, oder man scheitert an den eigenen Ansprüchen, vielleicht, weil man glaubt, es würde von selber laufen und der Zusammenschluss bekannter talentierter Mucker würde schon etwas Brauchbares hervorbringen. So wie zuletzt bei Ov Hell, deren Album „The Underworld Regime“ ich persönlich zwar nicht schlecht fand, das entgegen aller großmäuligen Ankündigungen letzten Endes aber nicht wirklich etwas Besonderes darstellte.

Anders Barren Earth: Schon die EP „Our Twilight“, die im Oktober erschien, war ein äußerst guter Einstand, der Lust auf mehr machte und die Hoffnung auf eine richtig starke erste Full-length-Platte in ungeahnte Höhen schraubte. Und um es gleich vorwegzunehmen: „Curse Of The Red River“ dürfte eines der ganz großen Highlights des Jahres werden. Unglaublich, wie viele verschiedene Stilrichtungen die Band hier unter einen Hut gebracht hat: Siebziger-Prog-Passagen machen Platz für Death Metal-Abschnitte, klassische Gitarrensoli treffen auf doomige Sequenzen, warme Mellotron-Sounds wechseln sich mit wummernden Hammondorgel- oder Pianoklängen ab, wunderschöne Melodien gehen Hand in Hand mit mächtigen Riffs, hier ertönt ein Flötensolo, dort eine folkige Akustikgitarre, alles ist bombastisch und episch, ohne je überladen zu wirken – einfach unglaublich. Und über all diesem instrumentalen Wahnsinn thront die Stimme von Mikko Kotamäki, seines Zeichens Frontmann von Swallow The Sun. Wenn es einen gibt, der Mikael Åkerfeldt in Sachen Growls das Wasser reichen kann, ist es der Sänger der finnischen Düsterheimer. Und obendrein hat er – ähnlich wie Åkerfeldt – ja auch eine tolle Cleanstimme.

Ein wunderbares Beispiel für die Vielschichtigkeit der Musik, die einem auf „Curse Of The Red River“ geboten wird, gibt sogleich der Opener und Titeltrack ab: Das Riffing in der Strophe ist düster und schwerfällig, aber melodisch, geht in Richtung Doom, dazu grunzt Kotamäki grabestief; im Refrain wird das Ganze mit Cleangesang, der sich nun mit den Growls vermischt, etwas aufgelockert – und später schließlich ein exzellentes, orientalisch klingendes Gitarrensolo zum Besten gegeben. Doch damit nicht genug: Eine Akustikgitarre leitet den Schlusspart dieses mit knapp acht Minuten längsten Song des Albums ein, der zunächst von einem Ian Anderson-mäßigen, herrlichen Flötensolo dominiert wird, welches dann in eine Keyboard-lastige, epische Sequenz mündet.

Nach diesem beeindruckenden Auftakt folgt mit „Our Twilight“ ein Track, der einigen Hörern noch von der gleichnamigen EP in etwas kürzerer Fassung bekannt sein dürfte. Auch dieses Stück besticht durch einen tollen Refrain und ein weiteres grandioses Solo der Marke Sami Yli-Sirniö. Das Main-Riff hört sich durchaus nach Amorphis an, was bei zwei Ex-Mitgliedern (Olli-Pekka Laine am Bass und Kasper Mårtenson an den Keyboards) logischerweise nicht so sehr verwundert. Das Beeindruckendste sind aber bereits nach lediglich zwei Tracks die Arrangements: Himmelhoch türmen sich Gitarrenwände und Hammondorgel-Gewaber auf – die Epik und der Bombast schlagen auf einen ein wie eine Riesenwelle, aber trotzdem passt alles. Damit ist auch klar, dass das Album prädestiniert ist für Kopfhörersessions und dass man sich Zeit nehmen sollte, um die vielen kleinen Details zu entdecken – mehrere Durchläufe sind absolutes Pflichtprogramm.

Auch die restlichen Songs des Albums bewegen sich auf schwindelerregend hohem Niveau: „Forlorn Waves“ bietet ein recht simples, aber extrem wirkungsvolles, catchy Main-Riff und zählt zu meinen momentanen Favoriten, „Flicker“ und „Ere All Perish“ wechseln grandios zwischen verspielten Akustikpassagen, großen, erhabenen Keyboardmelodien und proggig-düsteren, Opeth-artigen Death Metal-Parts, „The Leer“ ist im Chorus regelrecht tanzbar, „The Ritual Of Dawn“ mit zum Sterben schönen Melodien ausgestattet, und „Deserted Morrows“ eine sich von Minute zu Minute steigernde Halbballade, die einen würdigen Abschluss der Platte bildet.

Meine Damen und Herren, hier haben wir ohne Zweifel eines der besten und spannendsten Alben des Jahres vorliegen, so viel steht jetzt schon fest. Die sechs Mitwirkenden zocken mit einer Spielfreude, Spritzigkeit und Frische, dass es eine wahre Pracht ist. Alle Songs sind absolute Volltreffer und auch die erdige, natürliche und dennoch kraftvolle Produktion wird dem Material in jeder Weise gerecht. Es bleibt nur noch eins zu tun: Die Höchstnote zu zücken!

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