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Barren Earth: A Complex Of Cages

Schon jetzt eines der großen musikalischen Highlights 2018
Wertung: 9,5/10
Genre: Progressive Metal
Spielzeit: 61:25
Release: 30.03.2018
Label: Century Media

Wenn Barren Earth-Frontmann Jón Aldará über die neue Platte „A Complex Of Cages“ sagt, sie fühle sich wie ein „wirklich überirdisches Album für uns an“ und dass sich die Songwriting-Dynamik seit „On Lonely Towers“ „sehr drastisch verändert“ habe, klingt das schon mal interessant, lässt aber gleichzeitig auch ein Fragezeichen auf der Stirn der Fans zurück, denn der Interpretationsspielraum bei solchen Aussagen ist naturgemäß recht groß. Heißt dies, dass man mit entscheidenden musikalischen Veränderungen rechnen muss? Nun, zunächst einmal gilt es festzustellen, dass mit Keyboarder Kasper Mårtenson der nach Bassist Olli-Pekka Laine zweitproduktivste Songwriter die Band verlassen hat, insofern war klar, dass sich in Bezug aufs Komponieren zumindest irgendetwas geändert haben muss.

Laut eigener Aussage handelt es sich beim vierten Studioalbum der finnischen Allstar-Truppe denn auch erstmals um ein richtiges Bandalbum, bei dem sämtliche Mitglieder beim Kompositionsprozess involviert waren. Was die stilistische Ausrichtung angeht, muss sich keiner ernsthafte Sorgen machen, zumal Aldará außerdem anmerkte, dass sich trotzdem jeder Song unverwechselbar nach Barren Earth anhören würde – wer die drei Vorab-Songs gehört hat, wird wohl auch sofort zu jenem Schluss kommen.

Wie so häufig sind es eher die Details, an denen Feinjustierungen vorgenommen wurden, denn im Prinzip tönt „A Complex Of Cages“ wie der logische Nachfolger von „On Lonely Towers“. Positiv feststellen darf man als erstes, dass Mårtensons Erbe Antti Myllynen an den Tasten einen exzellenten Job abliefert: In den oft ausladenden Arrangements beweist er stets das richtige Händchen für Klangfarben und zeigt, dass die Vorschusslorbeeren keineswegs übertrieben waren und er zweifelsfrei ein hervorragender Musiker mit dem richtigen Instinkt ist.

Insgesamt gehen die Finnen mit dem neuen Werk im Vergleich zur 2015er Scheibe noch einen Schritt weiter; die Kompositionen sind eher noch etwas komplexer und verschachtelter ausgefallen und überraschen mit teils ziemlich unerwarteten Wendungen, die sich erst nach mehreren Durchläufen als schlüssig offenbaren, dadurch aber die viel zitierte Langzeitwirkung besitzen. Die Dynamik der Platte ist enorm und die Songs wegen ihrer Vielseitigkeit sehr spannend, gleichzeitig sind die Melodieführungen des Sechsers unverkennbar und typisch.

Man nehme als Beispiel nur das überragende „Zeal“, für meine Begriffe die stärkste Nummer des Rundlings: Mit eindringlichem, perlendem Klavierintro versehen, steigert sich der Track bis hin zu einem flotten Part mit Doublebass-Eruptionen, aggressiven Grabes-Growls und schneidenden Gitarren, um sich am Ende in eine Wohlfühl-Passage mit Keyboard-Ohrwurm-Melodie, die man sofort mitsingen will, aufzulösen. Dass die Finnen die nötige Routine und das musikalische Können besitzen, um solche völlig unterschiedlichen Elemente nahtlos ineinander übergehen zu lassen, versteht sich wohl von selbst.

Aus ähnlichem Holz ist auch „Spire“ geschnitzt, das wie eine Achterbahnfahrt daherkommt: Synkopisches, treibendes Riffing bildet den Beginn, bevor melodische Momente die Härte durchbrechen und auflockern – in der Mitte gibt es gar eine psychedelisch angehauchte Sequenz, die an „Chrysalis“ vom letzten Opeth-Album „Sorceress“ erinnert. Unglaublich, wie problemlos es die Formation auch hier wieder schafft, diese verschiedenen Teile so zu verschmelzen, dass man es als Hörer praktisch gar nicht merkt. Das zehnminütige Herzstück „Solitude Pith“ fällt natürlich ebenso in diese Kategorie; der bedächtige Aufbau und das alles in allem eher langsame Tempo erinnern an die beiden Longtracks auf „On Lonely Towers“ und auch vom kompositorischen Niveau kann das Epos locker mit jenen beiden Nummern mithalten.

Etwas vordergründiger eingängig sind da der Opener „The Living Fortress“ und das im Vorfeld releaste „Further Down“, die in den clean gesungenen Refrains mit prägnanten Hooklines auftrumpfen können. Auch das bockstarke, melancholische „Dysphoria“ mit seiner simplen, aber unwiderstehlichen, tragenden Gitarrenmelodie im Chorus, über der Aldarás mächtige Growls thronen, sowie das etwas weniger düstere „Ruby“ (blüht im sonnigen Refrain regelrecht auf), gehen für Prog-Verhältnisse als halbwegs catchy durch. 

Am Ende jedoch stellt sich eben die Frage nach der Wirkung auf lange Sicht und hier können Barren Earth einmal mehr fette Punkte einheimsen. Man hört zu jeder Sekunde heraus, dass für diese Herrschaften das Wort „Supergroup“ nicht heißt, nur seine handwerklichen Fähigkeiten zu demonstrieren und sich darauf zu verlassen, dass das Endprodukt schon jemand kauft, sondern dass man trotzdem auch unter diesen Voraussetzungen als Band agieren darf und nicht nur Halbgares veröffentlichen muss. „A Complex Of Cages“ ist enorm abwechslungsreich, spielfreudig (allein die Soli des Gitarrentandems Sami Yli-Sirniö und Janne Perttilä sind mal wieder ein einziger Genuss), in puncto Instrumentierung unheimlich fantasievoll und maximal effektiv strukturiert. So bildet die wehmütige Ballade „Withdrawal“ einen eher ruhigen und bewegenden Schlusspunkt – sehr willkommen nach dem aufwühlenden Prog-Death-Kaleidoskop, und von Jón Aldará mit gänsehäutiger Intensität vorgetragen.  

Überhaupt: Wenn man jemanden wie den Hamferð-Fronter am Mikro hat, der neben seinem Vorgänger Mikko Kotamäki (Swallow The Sun) und Opeths Mikael Åkerfeldt der beste Mann der Szene ist, was Wechselgesang zwischen Klar und Extrem betrifft, und mit V. Santura (Dark Fortress, Triptykon) zudem einen Produzenten, der der Band genau den richtigen Sound zu verpassen vermochte, ist eh alles im grünen Bereich. Ein schwer beeindruckendes Album, das schon jetzt als eines der großen musikalischen Highlights 2018 durchgeht, und für jeden wie gemacht ist, der bei den zeitgenössischen Opeth die Growls vermisst.

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