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Baroness: Purple

Ein bisschen was ist dran an der Farbenlehre
Wertung: 9/10
Genre: Sludge Metal
Spielzeit: 42:39
Release: 18.12.2015
Label: Abraxan Hymns

Schande über mein Haupt – mehr als einen Monat nach Release liegt die neue Baroness-Scheibe noch immer unberührt auf dem heimischen Schreibtisch. Damit ist jetzt aber Schluss, die Zeit für ein leicht verspätetes Review des Sludge-Quartetts ist gekommen. Nach „Red Album“, „Blue Record“ und „Yellow And Green“ ist „Purple“ das mittlerweile vierte Album der Band und sollte, so denn die fleißig analysierenden Fans Recht haben und die Amis sich auch tatsächlich brav an die Farbenlehre halten, eine Mischung der ersten beiden Platten werden. Angesichts der bisweilen doch deutlichen Enttäuschung, die der Vorgänger bei Fans der früheren Werke ausgelöst hat, scheint ein derartiger „back to the roots“-Ansatz auch gar nicht mal so unwahrscheinlich.

Zwar schießen die Sludge-Metaller dem Hörer mit Beginn des Openers „Morningstar“ einen kräftigen Batzen unbereinigten Sludges vor den Bug, schon im Laufe des Songs zeigt sich dann aber, dass „Purple“ aller Farbenlehre zum Trotz kein „back to the roots“-Album geworden ist, sondern vielmehr die neueren, melodischen Elemente gekonnt mit den älteren, wesentlich härteren Ansätzen vermischt.

Ob das jedem Fan schmeckt, mag fraglich sein, das Konzept geht dennoch absolut auf. Die melodischeren Phasen, oftmals in Verbindung mit den Soli der Instrumentalisten oder aber im Refrain auftretend, ergänzen sich perfekt mit den dunkel rollenden Sludge-Riffs, die das Quartett immer wieder gekonnt einzustreuen weiß. Höhepunkt sind dabei oft die mitreißenden Gitarrenläufe, aber auch Sänger John Baizley braucht sich keinesfalls verstecken, zeichnet er sich doch mit Leistungen wie beispielweise auf „Shock Me“ für ebenso starke Highlights verantwortlich. Wenn wir schon bei den Lobeshymnen sind, soll aber auch der Rest der Formation nicht vergessen werden. Basser Nick, der nebenbei noch beim Keyboard in die Tasten haut, hält den Laden mit seinem Tieftöner gekonnt zusammen (mehr wäre dem Gesamtsound vermutlich auch nicht zuträglich), während Schlagzeuger Sebastian mit seinen Fills einen Übergang nach dem anderen zum Höhepunkt macht.

Highlights der Platte sind neben dem Opener und dem bereits erwähnten „Shock Me“ vor allem das groovende „Kerosine“, das drückende „The Iron Bell“, bei dem sich allen voran Drummer Sebastian auszeichnen kann, sowie das dicht-dunkle „Desperation Burns“. Einen tatsächlichen Ausfall sucht man auf „Purple“ allerdings ohnehin vergebens, denn auch wenn nicht jeder Track an die gerade genannten herankommt, wirklich Grund zum Vorspulen gibt es nie.

Der Mix der Platte ist ein wenig merkwürdig - im Grunde genommen ist eigentlich einfach alles ziemlich laut, vor allem in den härteren Passagen. Irgendwie passt das aber ganz gut zur Mucke und gibt dem Album einen eigenen Vibe, der einem unter Umständen schon von den Vorgängern bekannt vorkommt.

Alles in Allem ist „Purple“ ein verdammt starkes Album geworden, dass die Entwicklung der Band unterstreicht, gleichzeitig alte als auch neue Fans zufrieden stellen sollte und zumindest für den Moment den Höhepunkt der Bandgeschichte darstellt. Baroness experimentieren ein wenig, vermischen grandiose Melodieläufe mit harten Riffs, werden nicht eine Sekunde lang langweilig und bewahren sich trotz allem ihren ganz eigenen Sound. Einfach stark!

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