Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Balzac: Paradox

Balzac präsentieren sich laut, wild - und verwirrt
Wertung: 6.5/10
Genre: Horrorpunk, Alternative
Spielzeit: 21:44
Release: 16.10.2009
Label: GAN-SHIN

Obwohl die Herren von Balzac noch recht jung ausschauen, sind sie doch schon ganz schön herumgekommen: Die Japaner, die sich bereits 1992 als Band zusammentaten, haben unter anderem für ihre Labelkollegen Misfits diverse Shows eröffnet und eine Split CD mit dem schönen Namen „Day The Earth Caught Fire“ mit ihnen auf die Beine gestellt. Auch außerhalb der eigenen Band sind die Herren nicht untätig: Es bestehen mit Zodiac, The Deranged Mad Zombies und 728 Misfits zumindest noch drei Nebenprojekte, die lustigerweise hauptsächlich der Besetzung von Balzac entsprechen, sich aber anderen Themen oder Stilen verschrieben haben.

Betreffende Band selbst bewegt sich irgendwo zwischen Hardcore, Horrorpunk und Alternative, was sowohl die Kategorisierung als auch das Zuhören etwas schwierig macht. Neben unzähligen Alben, Split-CDs, Re-Releases und Special Editions beehrt das Quartett uns nun mit einer Special-European-Version ihres neuen Mini-Albums „Paradox“, dem sie eine mehr oder weniger interessante DVD names „Hatred Lies Deep Inside“ beigelegt haben, auf der Videos zu jedem Song ihres 2008er Albums „Hatred: Destruction  = Construction“ enthalten sind.

Widmen wir uns zuerst mal dem wichtigsten Teil dieses Packages, nämlich dem eigentlichen Album. Fünf Songs plus Intro sowie Outro sind gerade genug, um als „Mini-Album“ bezeichnet zu werden; stilistisch ziehen die Herren alle Register: „Hazard“ wartet beispielsweise mit recht chaotischen Elektro-Beats und stampfenden Drums auf. Sänger Hirosuke schreit sich in etwas verzerrter Form die Seele aus dem Leib und klingt ansatzweise nach Martin Cock von den verblichenen American Head Charge. Im Titelsong fühlt man sich etwas an The Prodigy erinnert, abgesehen davon, dass Balzac noch etwas verworrener daherkommen; trotzdem ist „Paradox“ einer der stärksten Songs der Platte, die Art Musik, zu der man sich die ganze Nacht betrinken und durchtanzen kann und sich am nächsten Morgen mit einem pelzigen Gefühl im Mund fragt, wo der Lastwagen geblieben ist, der einen mehrfach überrollt haben muss.

Der Rest der Scheibe kommt recht unspektakulär daher; lediglich „SpaceVampires In Silence Noise“, das wie eine japanische Core-Version klingt, lässt noch einmal aufhorchen, verliert sich aber in seiner Unübersichtlichkeit.

Dafür ist die DVD umso einfacher gehalten: Hat man zwei bis drei Videos der Band gesehen, kennt man sie alle. Und das meine ich so, wie es sage: Die Jungs haben es sich einfach gemacht und in einer bestimmten Kameraeinstellung und einem Outfit gleich fünf bis sechs Videos abgedreht. Minimalismus, dein Name ist Balzac. Zu Anfang ist man etwas geplättet von der stilistischen Vielfalt der Vier („The Shadows Of Daybreak I“ kommt fast Black Metal-mäßig im Wald daher, „Swallow The Dark“ hingegen leicht core-lastig, während die restlichen Songs die bewährte Punk-Attitüde zur Schau stellen), das Interessanteste – und definitiv Lustigste – ist aber das Rumgepose seitens des Sängers und die teilweise etwas schrägen Kostümierungen, wie zum Beispiel die irritierenden Skelettoveralls im Video zu „The Howling Wolf“. Das Bonus-Video „Wall“ hat einen derben Punkeinschlag und gastiert ab sofort unter meinen persönlichen Top 5 der schlechtesten Videos ever.

Fazit: Man muss hier auf jeden Fall zwischen der CD und der DVD unterscheiden – ersteres Medium lässt sich etwas gewöhnungsbedürftig an, zeigt die Band aber von ihrer technisch versierten Seite. „Hatred Lies Deep Down Inside“ hingegen taugt beinahe nur dazu, sich über die schlechten, teils extrem amateurhaft wirkenden Videos und das unnötige Posing lustig zu machen, das die doch recht gute Musik des Quartetts in den Hintergrund rücken lässt.

comments powered by Disqus