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Balls Gone Wild: Dicks Made Of Dynamite

Solide rockendes Debüt mit hohem Spaßfaktor
Wertung: 7,5/10
Genre: Punk/ Rock/ Roll/ Manta Metal
Spielzeit: 36:02
Release: 28.02.2014
Label: Red Shift Music

Wer die Herren Balls Gone Wild schon live erlebt hat, der weiß, dass hier auch mal Fünfe gerade sind; dass nicht alles unbedingt perfekt sein muss, sondern der Spaß an erster Stelle steht. Einfach nur rocken, genau so, wie der Griffel gerade in die Saiten greift, ganz egal, ob dabei eher hart rockendes Down Under herausspringt, doch lieber die punkige Rotzlöffelattitüde die Oberhand gewinnt oder gar mittels Gitarren eher eine metallische Stimmung aufgebaut wird.

Verwunderlich ist und bleibt, dass die Kölner Schwierigkeiten haben, einen Vertrieb zu finden – dürfte der handgranatenscharfe Dödel auf dem Coverartwork heute eigentlich nicht mehr genug Saft für schweinische Provokationen in den Lenden haben. Aber gut, selbst „Balls Out“ von Steel Panther, einer Band, mit der sich Balls Gone Wild schon ganz gern von allein vergleichen, landete auf dem Index und darf erst KundInnen ab 18 zugänglich gemacht werden – prüde geht halt die Welt zugrunde.

Bevor man den Kölnern nun auf die Nüsse geht und ihnen entgegen schreit, sie spielten doch dieses oder jenes, da variieren sie ein wenig und geben kurzerhand eine andere Inspiration preis. Kaum hat man bei „Twisted Boobs“ lauthals „Scamboogery“ intoniert, da kommt schon die eiserne Jungfrau um die Ecke und sorgt für einen Rocker im breitbeinigen Imponierschritt. Mit „Balls Gone Wild“ geben sie sich dann ein bisschen lockerer, stampfen eher heavy davon und hinterlassen ein breite Airbourne-trifft-auf-'77-Spur, und auch „The Devil’s Woman“ kann einige schmissige AC/DC-Cerealien nicht verleugnen, entlässt sich aber kurze Zeit später auch in ein modern-rockiges Soundgerüst mit NWOBHM-Einflüssen.

Aber auch das andere Gesicht steht den Wildgewordenen aus der Eierstadt ganz gut zu Gesicht: Erinnert noch der Opener trotz der breit angelegten Twin-Leadgitarrenspielereien an nicht ganz so rotzige Turbo Ac’s, so kramen sie mit „Set You Free“ ganz gerne in der GBH-Kiste, haben aber dabei eine deutlich bessere Produktion am Start und bauen auch mehr technische Raffinessen ein. Gegen Ende des Silberlings ziehen sie dann endgültig den Granantensplint und halten das Tempo hoch, legen mit „Giselle“ – hört, hört, keine vermutete öde Schnarchnasenballade – einen richtig speedigen Punkrock-Fetzer hin und überraschen mit einem herrlichen Gitarrensoloduell im letzten Drittel.

„Rock 'til You Drop“ lässt dann Erinnerungen an Punkrock-Zeiten der seligen Jingo de Lunch aus der „Déjà Voodoo“-Phase aufkommen, mit „So You Die“ geht es wieder etwas flotter ab – für Balls Gone Wild schon fast progressiv, weil sie immer wieder Breaks und Tempowechsel einbauen.

Auch wenn sich das hier wie ein kunterbunter Notenstrauß verschiedener Genres liest, kann man schon attestieren, dass Balls Gone Wild durchaus einen roten Faden erkennen lassen und mit „Dicks Made Of Dynamite“ einen richtig ordentlichen Debütstart abliefern. Da die Kölner live einfach nur ungebändigt enorm viel Spaß in den (Po)Backen verbreiten, darf man getrost einen Silberling mitnehmen, denn Fans der oben genannten Referenzen werden hier sicher nicht enttäuscht werden.

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