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Babylon Mystery Orchestra: The Godless, The Godforsaken And The God Damned

Ein Kreuzzug gegen das Gehör
Wertung: 2/10
Genre: Hard Rock/Heavy Metal
Spielzeit: 59:57
Release: 23.02.2010
Label: Eigenproduktion

Babylon Mystery Orchestra – ein wahrlich großer Name, der sofort an eine sich dahinter verbergende Symphonic-Metal-Truppe denken lässt, doch wie sieht es in der Wirklichkeit aus? Leider nicht ganz so opulent, denn tatsächlich hat man es hier mit dem Solo-Künstler Sydney Allen Johnson zu tun, der als eine Art Mischung aus Kreuzritter und Südstaaten-General gegen so ziemlich alles wettert, was nicht bei drei auf den Bäumen ist.

Dieses Mal scheint Präsident Barrack Obama das bevorzugte Opfer zu sein, doch auch wie schon in seinem Album „Axis Of Evil“ hat der gute Mann auch den Islam und sogar Che Guevara im Visier – selbst Letzteren hätten die Ausführungen des bekennenden Christen jedoch wohl kaum tangiert, denn obwohl Johnson seine Texte gerne als unheimlich kontrovers beschreibt, wird am laufenden Band mit Platitüden um sich geworfen, die allenfalls unter den hilflosen Hörern Angst und Schrecken verbreiten. Trotzdem scheut der augenscheinlich leicht selbstdarstellerisch angehauchte Prophet keine Mühen, seinem Publikum seine Ansichten näherzubringen und beglückt uns mit einer aufwendig aufgemachten CD, auf der er in Uniform und mit Bibel und Gewehr ausgerüstet posiert. Im Booklet wird zitiert was das Zeug hält und dabei vor nichts Halt gemacht, von John Lennon über Winston Churchill bis hin zu Jesus und zahlreichen Bibelzitaten ist alles und jeder vertreten und meistens auch komplett aus dem jeweiligen Kontext gerissen.

Doch neben Texten gibt es ja bekanntlich auch noch die Musik und die muss ja nicht unbedingt den lyrischen Ergüssen der Musiker entsprechen – unglücklicherweise schafft es unser Erlöser aber auch nicht, seine weltbewegenden Botschaften in ein entsprechend pompöses Gewand zu hüllen, sondern lässt eine Stunde lang ein Gerumpel vom Stapel, das, wenn es nach ihm ginge, als Gothic Metal zu bezeichnen wäre. In der ungetrübten Realität jedoch findet man hier nur simpelsten Hard Rock auf der Grenze zum Heavy Metal vor, der gelegentlich ein paar Doom-Einschübe und eine pseudo-düstere Atmosphäre vorzuweisen hat. Auf einem technisch ebenso finsteren Niveau werden das ganze Album über mit nur minimaler Variation die gleichen unbeholfenen Riffs auf den Hörer losgelassen, die dank der guten Produktion aber zumindest in einem recht annehmbaren Sound grummeln. Auch beim Schlagzeug sieht es leider nicht viel besser aus, schlichter kaum vorstellbare Rythmen werden in einer dazu auch noch dilettantisch-holprigen Weise ohne jeglichen Druck bis zum Umfallen wiederholt, einen gelungenen Break oder auch nur ein wenig Abwechslung sucht man vergebens. Als wäre das nicht schon genug, brummt zu dem eintönigen Getöse auch noch der Meister auf monotone Weise seine Verse ins Mikrofon, so dass das Ganze noch mehr wie eine nicht enden wollende Predigt wirkt und es Nerven aus Stahl erfordert, um diese Erfahrung bis zur letzten Sekunde durchzustehen.

Unterschiede zwischen den Stücken lassen sich nur an winzigsten Details erkennen, so merkt man nach „Catspaw“ nur an dem leicht gedrosselten Tempo und den auf episch getrimmten Keyboards, dass der nächste Song „Apollo“ angefangen hat. Zwischendurch hält Johnson gerne mal eine Predigt („A Consitutional Right? (I, Lucifer pt.V)“) oder baut eine ruhigere Passage wie in „Jesus Save... (I, Lucifer pt. VI)“ ein, die anscheinend dazu gedacht ist, Dramatik aufzubauen – in der Praxis gibt diese dem Hörer jedoch nur kurz die Gelegenheit einzunicken, bevor die Rumpel-Riffs ihn wieder unsanft zurückholen. Mit „You're On Your Own... This Time“ hat man dann immerhin noch an eine tief berührende Ballade an Bord, in der der Mastermind auf lustige Weise zu singen versucht und so dem einschläfernden Song immerhin noch einen gewissen Unterhaltungswert verpasst.

Obwohl es vermutlich sogar für die Worte dieses Exzentrikers eine Zielgruppe gibt, wird sicherlich sogar diese ob der musikalischen Darbietung das Weite suchen – empfehlenswert ist dieses Album allerhöchstens für jene, die schon immer einmal ihre Resistenz gegen akustische Folter testen wollten, denn wer dieses Machwerk mehr als zwei Mal am Stück anhören kann, ohne das Bewusstsein oder den Verstand zu verlieren, hat wahrlich eine beachtliche Leistung vollbracht. Einen Punkt gibt es für die akzeptable Produktion und noch einen für Grinsen, das dem geneigten Hörer, unwissend was ihn noch erwartet, während der ersten Stücke des Albums auf das Gesicht gezaubert wird.

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