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Ayreon: Timeline

Hochwertiges Best-Of - für jeden Ayreon-Neuling der perfekte Einstieg
keine Wertung
Genre: Progressive Rock/Metal
Spielzeit: 227:30, DVD: 120:00
Release: 07.11.2008
Label: Inside Out

Ein Best-Of von Ayreon, macht das überhaupt Sinn? Bei diesem musikalisch komplexen Material, oft mit Longtracks angereichert und vor allem auch Story-technisch zusammenhängend, was nicht nur für die Alben – die schließlich, mit Ausnahme des Zweitwerks „Actual Fantasy“ vielleicht, allesamt Konzeptalben darstellen – als einzelne gilt, sondern im Prinzip sogar für den kompletten Backkatalog, der als Gesamtwerk zu sehen ist?

Nun, im Booklet hat Mastermind Arjen Lucassen sich in einem Vorwort selbst zu diesem Thema geäußert und erzählt, man sei schon des öfteren an ihn herangetreten und hätte gefragt, ob er denn nicht willens sei, ein Ayreon-Compilation-Album herauszubringen. Dagegen aber, so der Meister, habe er sich immer gesträubt, weil es einfach noch nicht an der Zeit dafür wäre, mal abgesehen davon, dass es sich nicht richtig anfühlen würde, vereinzelte Songs aus dem Kontext herauszupicken. 

Diese Einstellung jedoch habe sich nach Beendigung des aktuellen Outputs „01011001“ geändert, in welchem alle vorigen Ayreon-Alben miteinander verbunden wurden, sowohl in lyrischer als auch in musikalischer Hinsicht. 
Der Kreis ist damit geschlossen, die Saga des Ayreon-Universums beendet. Doch um alle, die fürchten, nun gäbe es kein neues Album des genialen Holländers mehr, gleich zu beruhigen: Arjen spricht hier lediglich vom „ersten Abschnitt“ („the first volume“), der beendet sei.

Es dürfte trotzdem alles andere als leicht gewesen sein, aus der Fülle von großartigen Songs der sieben Studioalben einzelne auszuwählen, die letztlich auf der Compilation landen sollten. So meint auch Lucassen, er hätte es zunächst für nahezu unmöglich gehalten, eine Auswahl zu treffen, schließlich hätte er eine Balance zwischen den eigenen, persönlichen Favoriten, den Tracks, für die sich wohl die meisten Fans entscheiden würden und den Stücken, mit denen er neue Zuhörer auf Ayreon aufmerksam machen könnte, finden müssen. 
Aus diesem Grund ist es natürlich auch unmöglich, es allen recht zu machen und Arjen entschuldigt sich sogar dafür, wenn der ein oder andere Fan einen seiner Favoriten möglicherweise nicht auf „Timeline“ wiederfindet.

Dennoch kann wohl niemand ernsthaft bestreiten, dass es sich bei diesem 3-CD-plus-DVD-Paket um ein hochwertiges, liebevoll aufgemachtes Produkt handelt, bei dem Multitalent Lucassen einmal mehr beweist, dass er für halbe Sachen nicht zu haben ist, ob nun die Musik oder das Optische betreffend.

So hat Arjen die Songs der alten Alben geremastered und den Sound der Stücke der neueren Alben perfektioniert und optisch geht es ebenfalls kaum besser: Das Ganze kommt in einer robusten Pappschachtel daher, in der die CDs und die DVD sehr gut und sicher aufgehoben sind, hinzu kommt ein kleines Poster, sowie ein ausführliches Booklet, das neben dem erwähnten Vorwort viele Fotos enthält und die Texte zu allen auf „Timeline“ verzeichneten Songs. Außerdem hat Arjen es sich nicht nehmen lassen, kurz zu umreißen, was inhaltlich gerade bei den jeweiligen Stücken vor sich geht – wenn die Tracks schon mehr oder weniger aus dem Kontext gerissen sind, soll man schließlich wenigstens eine etwaige Ahnung haben, worum es sich gerade dreht.

Was nun die Songauswahl betrifft, ist es wie oben erwähnt, logischerweise vollkommen unmöglich, jeden zufrieden zu stellen, aber zumindest ich denke, dass sich keiner ernsthaft beschweren kann. Was die Reihenfolge der Alben anbelangt, ist man chronologisch vorgegangen und beginnt auf der ersten CD mit dem ersten Release „The Final Experiment“ (1995) und schließt auf dem dritten Silberling mit dem aktuellen Output „01011001“. Die Songs selbst stehen dagegen nicht unbedingt immer in der gleichen Reihenfolge wie auf den Alben, was aber nicht bedeutet, dass sich hier irgendetwas unstimmig anhören würde – wie gesagt, Lucassen ist bestimmt kein Mann, der sich mit halben Sachen zufrieden gibt.

Im Gegenteil, die Übergänge sind flüssig und durchdacht, die Zusammensetzung stimmig und man kann das Ganze sehr gut in einem Rutsch durchhören, wofür allerdings schon die großartigen Songs und die nicht minder großartigen Gastmusiker sorgen.

Da haben wir das Pink-Floyd-artige, spacige „Computer Eyes“ vom Frühwerk „Actual Fantasy“; das epische „Isis And Osiris“, das unfassbar genial groovende „Amazing Flight“, die sich steigernde Ballade „The Mirror Maze“ und das eingängige, griffige „The Two Gates“ vom Klassiker „Into The Electric Castle“, bei welchem bereits so bekannte Namen wie Fish, Anneke van Giersbergen, Sharon den Adel und Damian Wilson auftauchen.

„The Universal Migrator I & II“ wiederum ist mit Tracks wie „Dawn Of A Million Souls“, bei dem sich die beiden Symphony X-Mitglieder Russell Allen und Michael Romeo austoben dürfen, „And The Druids Turned To Stone“ – sehr emotional vom erneut in Erscheinung tretenden Damian Wilson vorgetragen –, dem von Ex-Spock’s-Beard-Fronter Neal Morse gesungenen „First Man On Earth“ und dem unverzichtbaren, majestätischen Epos „Into The Black Hole“, bei dem kein Geringerer als Iron-Maiden-Legende Bruce Dickinson das Mikro übernimmt, vertreten.

Danach kommt es zu einer Auswahl Songs des meiner Ansicht nach besten Albums von Ayreon: „The Human Equation“. Auch hier kann man nicht meckern, was die Auswahl betrifft. „Isolation“, „Pain“, „Childhood“, „Trauma“, „Accident?“ und der Oberhammer „Loser“ mit Mike Baker (R.I.P.), Devin Townsend und dem irrwitzigen Hammondorgel-Solo von Ken Hensley zählen mit Sicherheit zu den stärksten Songs des Glanzwerks von 2004.

Beschlossen wird „Timeline“ schließlich mit einigen Stücken von „01011001“ – und Tracks wie das von Katatonias Jonas Renkse vorgetragene „Waking Dreams“, der mit seiner melancholischen, gefühlvollen Stimme für Gänsehaut sorgt, oder das dramatische Epos „The Sixth Extinction“ sind zweifelsohne absolute Ohrenschmeichler.

Doch Lucassen hat mit „Epilogue: The Memory Remains“ noch ein Ass im Ärmel. Diesen wirklich schönen, erneut stark an Pink Floyd angelehnten Song, bei dem er mit dem belgischen Sänger Jasper Steverlinck ein noch recht unbeschriebenes Blatt aus dem Hut zaubert, komponierte er eigens für „Timeline“, was bei Fans, die alle anderen Stücke schon haben, wahrscheinlich für Unruhe sorgen wird; denn wer kauft sich schon eine solche – zwar hochwertige, aber nicht gerade billige – Megabox wegen eines einzigen neuen Tracks, Remastering hin oder her?

Allerdings ist da ja noch die Bonus-DVD, auf der einige bislang unveröffentlichte Extras enthalten sind. So bekommt der geneigte Fan eine Star-One-Version von „Loser“ zu hören, ein paar Eindrücke von der „01011001“-Releaseparty vermittelt, sowie ein kurzes Featurette zu „Epilogue: The Memory Remains“. Dies jedoch sind allesamt eher verzichtbare Geschichten, denn von den bei der Releaseparty im Akustikgewand gespielten Songs werden nur kurze Auszüge gezeigt, sodass die Angelegenheit mitunter etwas hektisch wirkt und das, was Arjen beim Featurette zu dem neuen Stück erzählt, steht im Prinzip Wort für Wort auch im Booklet.

Interessant ist hauptsächlich der Star-One-Live-Auftritt (besonders, wenn Russell Allen die Band vorstellt – sehr unterhaltsam), aber der war schon auf der zuvor erschienenen Star-One-Live-DVD enthalten. Auch sind Bild und Ton nicht gerade das Gelbe vom Ei. Und da es nicht möglich ist, die gesamte DVD am Stück zu sehen, nervt einen nach fast jedem Track wieder das Menü.

Die DVD ist also mit Sicherheit kein alleiniger Kaufgrund, die CDs jedoch zumindest für jeden, der noch kein Ayreon-Album sein Eigen nennt, schon. Allein, um einen Einblick in Lucassens Universum zu bekommen, sollten Neulinge bedenkenlos zugreifen. Alle anderen begehen bestimmt keinen Fehler, sich das gute Stück zu besorgen, werden bei dieser umfangreichen Box aber natürlich entsprechend zur Kasse gebeten. In jedem Fall ein Best-Of, das diesen Namen auch verdient. 

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