Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Ayreon: The Theory Of Everything

Gewöhnungsbedürftige Struktur, trotzdem starkes Album
Wertung: 8.5/10
Genre: Progressive Rock
Spielzeit: 89:55
Release: 25.10.2013
Label: InsideOut Music

Fast sechs Jahre sind vergangen, seit mit dem großartigen „01011001“ die Ayreon-Saga beendet wurde – ein Mammutwerk, bei dem jedes einzelne der sieben Studioalben ein Konzept bildete, alle zusammen aber wiederum ein allumfassendes Ganzes ergaben. Allein wegen dieser unfassbaren Megastory kann man den Hut vor Arjen Anthony Lucassen gar nicht oft genug ziehen, mal abgesehen von den musikalisch hochwertigen Platten, die der Prog-Großmeister stets ablieferte. Kein Wunder, dass sich stets die Crème de la Crème der progressiven Rock- und Metalsänger einfand, um auf den Alben Gastbeiträge abzuliefern – auf der oben erwähnten letzten Scheibe waren es nicht weniger als 17.

Nachdem er sich zwischendurch in Form von Guilt Machine an ein neues Projekt heranwagte (mit „On This Perfect Day“ wurde hier 2009 bisher ein Full-length-Album veröffentlicht), Star One reaktivierte (2010 kam „Victims Of The Modern Age“ heraus) sowie im letzten Jahr ein sehr starkes Soloalbum mit dem Titel „Lost In The New Real“ in die Ladenregale wuchtete, juckte es Lucassen anscheinend doch wieder in den Fingern, ein neues Ayreon-Album in Angriff zu nehmen. Wenig verwunderlich, war das Projekt schließlich sein mit Abstand erfolgreichstes, bekanntestes und beliebtestes. Da die Saga jedoch wie gesagt abgeschlossen war, galt es, nun ein komplett neues textliches Konzept aus dem Boden zu stampfen.

Waren die vorherigen Platten allesamt vor allem im Fantasy- und Science-Fiction-Bereich angesiedelt, spielt das neue Werk „The Theory Of Everything“ ungleich bodenständiger in der realen Welt. Vereinfacht gesagt steht im Mittelpunkt eine Familie, bei der der Vater ein brillanter Wissenschaftler ist, durch seine unermüdliche Arbeit jedoch seine Frau und seinen Sohn vernachlässigt – dabei stellt sich alsbald heraus, dass auch der offenbar autistische Sohn eine hohe Begabung aufweist. Dass Lucassen für die einzelnen Rollen einmal mehr äußerst namhafte und talentierte SängerInnen gewinnen konnte, versteht sich wohl von selbst: So fungieren unter anderem als Vater Multiinstrumentalist Michael Mills (allerdings nicht der frühere R.E.M.-Bassist, um Missverständnissen vorzubeugen), als Mutter Lacuna Coil-Chanteuse Cristina Scabbia, als Sohn Neu-Kamelot-Sänger Tommy Karevik, als fieser Rowdy, der den Sohn triezt Nightwish-Bassist Marco Hietala und als Lehrer Grand Magus-Fronter JB.

Insgesamt hat Arjen sich etwas zurückgenommen und präsentiert diesmal lediglich sieben Gastsänger, die aber allesamt bislang noch nicht bei Ayreon in Erscheinung getreten sind. Auch musikalisch agiert der Niederländer insgesamt etwas weniger bombastisch als auf dem Vorgänger „01011001“, dennoch nicht weniger progressiv. Allein die Tatsache, dass er für die Rolle des Psychiaters den auch mit 64 Jahren immer noch klasse singenden John Wetton (neben vielen anderen Bands vor allem bekannt für seine Tätigkeit bei King Crimson und Uriah Heep) engagieren konnte, spricht für sich, und mit der Verpflichtung der Siebziger-Prog-Größen Rick Wakeman und Keith Emerson für einige Keyboardsoli sowie Steve Hackett für Entsprechendes an der Gitarre dürfte er sich so etwas wie einen persönlichen Traum erfüllt haben. 

Die Struktur des Doppeldeckers erinnert allerdings auch durchaus an ein berühmtes Werk des Siebziger-Prog, woraus Lucassen auch keinen Hehl macht: Es liegen zwar ganze 42 (!) Tracks vor (womit dann doch wieder ein Querverweis zu einem Fantasy-Thema vorliegt, wie jeder weiß, der „Per Anhalter durch die Galaxis“ kennt), diese jedoch sind auf vier Blöcke verteilt, bei denen alle Einzelstücke ineinander übergehen, sodass das Album eigentlich aus vier zwischen 20 bis 25 Minuten dauernden Mammutsongs besteht. Ganz genau wie das Referenzwerk „Tales Of Topograhic Oceans“ von Yes aus dem Jahre 1973, welches interessanterweise gerade Rick Wakeman damals als sehr öde empfand, weswegen er die Combo seinerzeit verließ. 

Alles in allem wurde der Härtegrad klar heruntergeschraubt, da Arjen sich eben etwas mehr in Richtung Siebziger orientiert. Dennoch ist „The Theory Of Everything“ immer noch Ayreon in Reinkultur, die typisch folkigen Elemente mit Blas- und Streichinstrumenten sind weiterhin quasi omnipräsent, das Album klingt frisch und wurde knackig und modern produziert. Auf einzelne Tracks einzugehen bzw. Anspieltipps abzugeben, wäre bei dieser Masse völlig unsinnig, aber es sei gesagt, dass der Zwei-Meter-Mann erneut nichts dem Zufall überlassen hat. Es braucht selbstredend einige Durchläufe, aber wie er mit wiederkehrenden Motiven arbeitet und variiert, ist genial wie eh und je.

Die Melodien setzen sich diesmal nicht ganz so offensichtlich und schnell fest, was natürlich an der Kürze der einzelnen Tracks liegt, wodurch sich weniger wiederholt, mehr Komplexität entsteht und es außerdem logischerweise an den großen Hits wie damals „Loser“ oder „Beneath The Waves“ fehlt. Sicherlich gewöhnungsbedürftig, doch als Fan wird man letztlich trotzdem erkennen, dass die Qualität nicht gelitten hat und jede Menge fantastischer Einfälle und grandioser Arrangements vorhanden sind. In jedem Fall ein interessantes Album, das vielleicht nicht ganz mit den übermächtigen Vorgängern mithalten kann, dennoch erneut als sehr stark bezeichnet werden muss und möglicherweise eine neue Ayreon-Reihe einleitet.

comments powered by Disqus

Grandioser Konzertabend, an dem keine Wünsche offen bleiben können

Schritt für Schritt zu einem erfolgreichen Abend

„Singen ist Sport, egal was für einen Stil, da machen wir uns nichts vor...“