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Ayreon: The Source

Wenig Neues, Spaß macht’s trotzdem
Wertung: 8,5/10
Genre: Progressive Metal
Spielzeit: 88:33
Release: 28.04.2017
Label: Music Theories Recordings

Er kann es nicht lassen: Viele hatten wohl vermutet, dass mit dem letzten Ayreon-Album „The Theory Of Everything“, das eine Story im Hier und Jetzt beinhaltete, eine neue Ära in der Geschichte des Projekts eingeläutet wäre – doch mit „The Source“ kehrt der Niederländer einmal mehr zu seinem Lieblingssujet Science-Fiction zurück. Mehr noch: Thematisch knüpft der Doppeldecker an die Reihe vor dem 2013er Album an, fungiert als Prequel vor allem zu „01011001“.

Inhaltlich geht es um eine Gruppe Menschen, die auf dem sich in der Andromedagalaxie befindlichen Planeten Alpha wohnte, sich nun aber auf die Suche nach einem anderen lebensfähigen Planeten begeben muss, da der Präsident von Alpha den fatalen Fehler beging, einem Zentralrechner, gemeinhin als „The Frame“ betitelt, die komplette Kontrolle über Alpha zu verleihen, damit dieser die massiven ökologischen und politischen Probleme löst. Dummerweise sieht der Computer die Lösung darin, die Bevölkerung zu vernichten und fährt alle Systeme herunter, um dies zu erreichen.   

Im Mittelpunkt stehen fortan die Abenteuer, die die eingangs erwähnte Gruppe auf ihrem Trip erlebt; letztlich entdecken sie tatsächlich einen lebensfähigen Planeten, der allerdings vollständig mit Wasser bedeckt ist, weswegen der Chemiker, ein Mitglied der Reisenden, eine Droge entwickelt hat, welche es den Protagonisten ermöglicht, unter Wasser zu atmen. Weitere Effekte des Wundermittels sind die Möglichkeit, telepathisch zu kommunizieren und eine enorme Verlängerung der Lebensspanne, bis nahezu zur Unsterblichkeit. Diese Droge wird als „Liquid Eternity“ bezeichnet (wir erinnern uns: so heißt auch ein Titel auf „01011001“), von allen aber eigentlich immer nur „The Source“ genannt.

Eine klassische Ayreon-Geschichte also, obwohl das Werk ursprünglich als Lucassen-Soloalbum vorgesehen war. Beim Schreiben entschied der Meister sich dann zunächst, das Ganze unter dem Star One-Banner firmieren zu lassen, doch da musikalisch zu viele Ayreon-Elemente durchschimmerten, war es letztlich beschlossene Sache, das Album unter diesem Namen herauszubringen.

Damit wäre die Brücke zum musikalischen Teil dieser Besprechung geschlagen: Arjen Lucassen hatte bereits im Vorfeld angekündigt, dass die Scheibe wieder gitarrenlastiger und rockiger werden solle als der Vorgänger. In der Tat knüpft „The Source“ auch musikalisch gesehen wieder an die älteren Platten an. „The Theory Of Everything“ ist nach wie vor sicherlich ein starker Output, hatte es bei der Fangemeinde aufgrund seiner Sperrigkeit und Progressivität allerdings nicht ganz leicht. Das vorliegende Album hingegen setzt wieder stärker auf Hooks und Eingängigkeit – das mit einem mächtigen Headbanger-Riff ausgestattete „Star Of Sirrah“, das treibende „Run! Apocalypse! Run!“ oder das speedige, teilweise schon Power-Metal-artige „Planet Y Is Alive“ jedenfalls sind Ohrwürmer vom Allerfeinsten, die sich schon nach ein, zwei Durchläufen festsetzen.

Ansonsten muss man zwar klar zugeben, dass „The Source“ nicht wirklich etwas Neues bietet und somit eher einen Schritt zurück darstellt; die typischen, folkigen Passagen mit Geige und Blasinstrumenten gibt es auch hier häufig zu hören (vornehmlich im sehr hübschen „All That Was“), die opulenten Hammondorgelteppiche ziehen sich in gewohnter Manier durch das Album und die eine oder andere Melodieführung erweckt hier und da Déjà-entendu-Erlebnisse.

Das ändert jedoch nichts daran, dass das Teil einfach Spaß macht, zumal die Songs für sich genommen immer noch genügend Abwechslung bieten. So ist beispielsweise in „Deathcry Of A Race“ sowohl opernhafter als auch orientalischer Gesang zu hören. Besonders der vorab veröffentlichte zwölfeinhalbminütige Opener „The Day That The World Breaks Down“ aber bündelt alle Stärken, wirklich toll, wie hier von einem amtlich rockenden zu einem smoothen Part übergeleitet wird, der dann auch noch von einem fantastischen Gitarrensolo gekrönt wird.

Überhaupt hat Arjen offenkundig sehr intensiv an den Soli gefeilt, da steckt hörbar ein ganz klarer Plan dahinter und nicht bloßes Jammen. Und außerdem gibt es da ja noch solche Weltklasse-Leute wie Paul Gilbert (Mr. Big), Guthrie Govan (u.a. ex-Steven Wilson) oder Sun Caged-Klampfer Marcel Coenen, die sich bei ein paar Songs die Ehre geben und diese mit ihrem unglaublichen Talent veredeln. Stets aufs Neue unfassbar, was für grandiose Musiker Herr Lucassen für sich gewinnen kann, was natürlich vor allem wieder für die Sängerriege gilt.

Besonders fällt in jener Hinsicht auf, dass er diesmal fast ausschließlich Leute rekrutiert hat, mit denen er bereits zuvor zusammenarbeitete. Aber warum nicht, wenn es denn funktioniert und man solch große Namen wie James LaBrie (Dream Theater), Russell Allen (Symphony X, Adrenaline Mob), Floor Jansen (Nightwish), Simone Simons (Epica) oder Hansi Kürsch (Blind Guardian) unter einen Hut bringen kann. Nils K. Rue von Pagan’s Mind, Michael Eriksen von Circus Maximus und Tommy Rogers von Between The Buried And Me komplettieren den Reigen an Prog-Vokalakrobaten, des Weiteren treten Kamelot-Fronter Tommy Karevik und Michael Mills als Androide TH-1 auf. Letzterer klingt mit den hochgepitchten Vocals manchmal ein bisschen wie Freddie Mercury auf Speed und tönt daher etwas gewöhnungsbedürftig, aber allein die „01110100“-Passage im erwähnten Opener ist schlicht großartig gemacht.

Ein besonderes Bonbon ist der Auftritt von Tobias Sammet, der noch einmal in aller Deutlichkeit unterstreicht, dass es niemals einen Konkurrenzkampf zwischen Lucassen und dem Avantasia- und Edguy-Mastermind gab, wie einige Medien kolportierten. Keine Frage, dass der Holländer mal wieder eine exzellente Wahl bei der Auswahl der Sänger getroffen hat; nicht nur von den Namen her, die Stimmen passen vor allem gut zu den Charaktereigenschaften der Figuren – dafür hat er nach wie vor ein tolles Gespür. „The Source“ mag nicht das beste aller Ayreon-Alben sein, stark ist es aber zweifellos und als Fan muss man es daher auf jeden Fall haben.

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