Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Ayreon: 01011001

Ein Ayreon Album kann unmöglich schlecht sein
Wertung: 10/10
Genre: Progressive Metal
Spielzeit: 102:19
Release: 25.01.2008
Label: InsideOut Music GmbH

Ein Ayreon Album hat immer irgendwas Besonderes. Ich weiß noch, wie ich damals 1995 „The Final Experiment“ zum ersten Mal gehört habe. Die ganzen Gastmusiker, wobei vor allem die Vielzahl an Sängern und Sängerinnen am meisten beeindruckten. Daran hat sich im Laufe der Zeit auch nicht viel geändert, da auch bei „01011001“ wieder eine Menge an Gastmusikern zur Stelle waren, die aus dem Doppel-Album ein besonderes Erlebnis werden ließen.

Doch der Reihe nach: Mastermind Arjen Lucassen hat sich erneut seinen Kopf zergrübelt und bietet auf „01011001“ eine erneut herausragende Geschichte, die sich wieder am Ur-Konzept von „The Final Experiment“ (der Untergang der Menschheit) orientiert.

Die Geschichte beginnt auf dem Planeten Y, wo die Alien-Rasse Forever sich so weit entwickelt hat, dass sie künstlich ihr Leben verlängern können. Der Nachteil dabei ist allerdings, dass man dabei jegliche Emotionen verliert. Als die Forever dies realisierten, schmiedeten sie den Plan, ihre DNA auf einem vorbei fliegenden Kometen in Richtung Erde zu schicken, damit dort eine neue Zivilisation aus der DNS der Forever Rasse entstehen könnte. Doch da einige der Forever in die Evolution der Menschheit eingreifen, entwickeln diese sich auch zu schnell und somit blüht ihnen auf der Erde das gleiche Schicksal!

Musikalisch zeigt man sich längst nicht mehr so progressiv, wie es zum Beispiel noch vor 10 Jahren bei „Into the Electric Castle“ der Fall war. Man setzt bei „01011001“ dafür mehr Wert auf härtere Riffs, wobei diese auch nicht übertrieben im Vordergrund stehen. Fakt ist aber, dass die Gesamtatmosphäre auf diesem Album deutlich dunkler und bedrückender ausgefallen ist, was aber letztendlich sehr gut zum lyrischen Konzept passt, wird hier ja schließlich der Untergang zweier Zivilisationen behandelt.

Eröffnet wird das Album sehr düster von „Age of Shadows“. Doch die harten Gitarren und kraftvollen Stimmen von Tom Englund, Steve Lee, Daniel Gildenlöw und Floor Jansen weichen bald den sanfteren Stimmen von Anneke van Giersbergen und Jonas Renske, so dass gleich zu Beginn eine sehr abwechslungsreiche Nummer geboten wird. Vor allem der geniale Mittelteil mit dem Kanon von Anneke ist überirdisch genial!

Weiter geht es mit „Comatose“, einer durchweg elektronisch angehauchten Nummer, was vor allem die Atmosphäre auf dem Planeten „Y“ sehr gut wiedergibt. Eine bedrohliche Stimmung gibt sich mit warmen Violin und Flöten Klängen die Klinke in die Hand.

„Liquid Eternity“ offenbart klare Rammstein Einflüsse, das Riffing ist simpel, aber effektiv. Vor allem Sängerin Magali Luyten setzt sich hier schon sehr gut in Szene, wobei erneut der sehr atmosphärische Mittelpart den Höhepunkt des Stückes darstellt.

Mit „Connect the Dots“ wird es wieder elektronisch. Ty Tabor schafft es hier fast schon, eine apathische Stimmung aufkommen zu lassen. Auf alle Fälle zeigt er sich hier sehr gut emotionslos. Dazu im Kontrast stehen Arjen Lucassen, der sich im Refrain dazugesellt, sowie die später auftretenden E- und Akustik-Gitarren.

Sehr abwechslungsreich wird es dann mit „Beneath the Waves“, vor allem alleine schon deswegen, da diese Nummer in 5 weitere Kapitel unterteilt worden ist, bei denen vor allem der Opener „Beneath The Waves“ (mit einem grandiosen Steve Lee an den Vocals) als auch „Face the Facts“ (hier verzaubert Anneke wieder mit ihrer engelhaften Stimme) am meisten herausstechen.

Ebenfalls sehr abwechslungsreich ist „Newborn Race“ ausgefallen. Dieses Stück könnte man als konzeptionelle Schlüsselszene sehen, da hier die Idee, neues Leben auf einem anderen Planeten entstehen zu lassen, in die Tat umgesetzt wird. Vor allem der Thin Lizzy Einschlag durch Jorn Lande fällt hier besonders auf – wirklich grandios!

Eines meiner Lieblingsstücke auf dieser CD ist „Ride the Comet“, wobei neben den kraftvollen Drums von Ed Warby am Anfang die Stimme von Magali Luyten stimmlinch ihren Höhepunkt im Refrain erreicht. Einfach Wahnsinn, diese Stimme.

Beendet wird die erste CD mit einer sehr ruhigen, fast schon verträumten Ballade namens „Web of Lies“, bei der die Epica Sängerin Simone Simons sich mit dem eher unbekannten Phideaux Xavier ein Duett liefert.

Die zweite CD wird eröffnet mit „The fifth Extinction“, einer über 10 minütigen Nummer, die erneut viel Abwechslung bietet. Nach einer kurzen ruhigen Einleitung dominieren wieder harte Gitarren, denen bald ein wahnwitziges Keyboardsolo von Derek Sherinian folgt. Absoluter Hammer!

„Waking Dreams“ ist hingegen wieder sehr elektronisch ausgefallen, untermalt von einer Hammond Orgel, welche dem Song einen coolen 70ies Touch gibt. Vor allem Jonas Renske´s Gesang fügt sich hier sehr gut ein, was dem Song einen guten Kontrast zu Anneke´s Stimme gibt.

Auch wenn „The Truth is in here“ elektronisch beginnt, handelt es sich hierbei um einen 1A Mittelalter Folk Song, wobei lediglich die Hammond Orgel im Hintergrund hier nicht ganz reinpasst und eher anachronistisch wirkt.

Bei „Unnatural Selection“ schimmern erneut Rammstein beim simplen Riffing durch, was wieder einmal eine sehr bedrohliche Atmosphäre zu erschaffen vermag. Hier ist es auch wieder eine Wonne, der göttlichen Stimme von Steve Lee zu lauschen. Ich glaube, ich muss mir künftig mal wieder einige Gotthard CDs anhören, hehehe.

„River of Time“ scheint Hansi Kürsch auf den Leib geschneidert worden zu sein, da er bis auf die Keyboards doch sehr stark an Blind Guardian erinnert. Vor allem das Violinen und Flöten Solo ist hier erneut sehr beeindruckend ausgefallen und unterstreichen die Mittelalter Charakteristik des Songs noch mehr.

Bei „E=mc²“ werden mit Wudstick und Marjan zwei viel versprechende Newcomer in den Ring geschickt, wobei vor allem letztere durch eine sehr vielseitige Stimme hervorsticht. Ebenfalls sehr bemerkenswert ist hier Michael Romeo (Symphony X), der zum Schluss mit einem formidablen Gitarrensolo überzeugt.

Den letzten Teil dieser Konzeptgeschichte stellt „The sixth Extenction“ da – die Auslöschung der Menschheit, was hier sehr gut in musikalischer Form umgesetzt wurde und wirklich schon Musicalatmosphäre aufkommen lässt. Erinnert mich schon fast an das Waltari Album „Yeah yeah – die die!“.

Fazit: Ein Ayreon Album kann unmöglich schlecht sein. Auch wenn sich wenige vorstellen konnten, dass „The human Equation“ noch getoppt werden kann, Arjen ist es mit „01011001“ tatsächlich gelungen, auch wenn er hier um einiges düsterer zugange geht.

Zum einen sind hier sowohl die Kompositionen eine wahre Wonne, Mr.Lucassen on the Top. Doch auch die vielen Gastsänger sollten hier nicht unerwähnt bleiben, da hier wirklich sowohl die Creme de la Creme, als auch einige viel versprechende Newcomer (vor allem Magali Luyten sei hier noch mal lobend erwähnt!) vertreten waren.

Hier sollten nicht nur Ayreon Fans, sondern jeder Liebhaber anspruchsvoller Rockmusik zugreifen!

comments powered by Disqus

Die High- und Lowlights der Redaktion im vergangenen Jahr

Von ausgelassener Stimmung, Perfektion und einer fetten Panne

"Ich mache im Grunde all das, worauf meine Kollegen bei Ctulu keinen Bock haben und was immer schon mal aus mir raus musste."

Überraschungen zum 30-jährigen Geburtstagsrausch

Wer hat Angst vorm Saxophon?

Von Gänsehautmomenten bis hin zum Circle-Pit

Starkes Debüt, welches nach einer baldigen Wiederholung schreit

„Weil wir einfach wissen, dass wir als Band nur funktionieren, wenn wir uns nicht verbiegen“