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Axxis: Retrolution

Moderat, spürbar, intensiv und doch auch klassisch
Wertung: 8/10
Genre: Hard Rock / Melodic Metal
Spielzeit: 44:57
Release: 24.02.2017
Label: Phonotraxx Publishing

Die Hard Rocker Axxis müssten eigentlich aktuell auf Wolke sieben schweben, zumindest Frontmann Berny, ist er doch frisch gebackener Kulturpreisträger der Stadt Lünen. Dazu kommt dann die immer noch bei allen Fans im Hirn verankerte Show im Heinz-Hilpert-Theater letztes Jahr und die parallele Veröffentlichung des ersten Axxis-Buches „Eine Nacht im Theater“ mit dieser neuen Full Length „Retrolution“ – ganz schnell als ein Wortspiel aus „retro“ und „revolution“ auszumachen. Das passt zu der Truppe wie die Faust aufs Auge, denn in den ganzen Jahren haben die Nordrhein-Westfalen es immer wieder sehr gut verstanden, die eigene Vergangenheit nicht aus den Augenwinkeln zu verlieren und irgendwie immer wieder frisch und unbekümmert am hardrockigen Puls der Zeit herumzuknabbern.

Und fast scheint dabei auch unterzugehen, dass sich zwischendurch der langjährige Gitarrist Marco mit seinen 21 Octayne verabschiedet hat und Berny, Harry, Rob sowie Dirk auf der Gitarristensuche mal eben Rebattered- und Regicide-Klampfer Stefan integrieren mussten – bei nur einem Klampfer im Bandgefüge ganz sicher kein unerheblicher Wechsel. Und doch bringt es der erste Durchlauf der mittlerweile 14. Langrille schnell zu Tage: Axxis klingen nach wie vor nach Axxis, was zum einen natürlich immer noch locker an Frontmann Berny und seiner Art zu singen liegt, aber in nicht unerheblichem Maße auch an den klassischen Trademarks des Quintetts.

Und doch versuchen sich die Fünf auch mit einigen leichten Experimenten; so ist das, wenn man sich ganz frisch eine Westernklampfe gekauft hat und sich auf Songschreibmodus befindet. Direkt der Opener „Burn! Burn! Burn!“ mit dem Tarantino-Gedächtnis-Feeling und einem typisch fingerschnippenden Charakter atmet neben der ganzen swingenden Eingängigkeit reichlich Country-Flair und lebt dazu auch von der tollen Gesangslinie, oder aber auch „The World Is Mine“ schickt ein leichtes Country-Flair ins Rennen und entpuppt sich als ein mit einem starken Riff ausgestatteter leicht flotter Groover mit Gute-Laune-Haltung.

Flott geht es auch beim Rocker alter klassischer Axxis-Schule „This Is My Day“ zu, ein Partysong für den beschwingten Rock-Sidestep und mit einem harmonisch famosen Gitarrensolo akzentuiert, oder aber der gelungene Hard Rocker „All My Friends Are Liars“ mit leicht gelöster Handbremse, welche trotz des auch so gemeinten Titels eine gewisse Leichtigkeit spendiert bekam. Aber auch das nett stampfende „Dream Chaser“ wird mit dem reichlich gesegneten Axxis-Flair alle Fan-Traditionen befriedigen.

Ohnehin haben die Lünener weiterhin ein gutes Gespür für leichte, locker fluffige und auch sehr mitsingkompatible Rocksongs aus der Hit-Trickkiste wie z.B. „Seven Devils“, das deutlich blueslastiger geprägte „Do It Better“ dagegen lässt die bisher gewonnene Leichtigkeit einfach mal links liegen und punktet mit erwachsener Seriosität, und während Axxis mit „Burn Down Your House“ sehr gut aufzeigen, dass sie auch heute noch gefühlvoll balladeske Nummern schreiben können und so mir nichts dir nichts neben akzentuiertem Keyboardspiel und ruhigen Stromgitarren auch Platz zum Feuerzeugschwenken lassen, so wabern sie dagegen mit „Queen Of The Wind“ völlig Schnarchnasenballade-artig total lahm aus Boxen – man kann eben nicht immer ein Emotionsniveau wie „21 Crosses“ erreichen, die Fans werden hier trotzdem garantiert weiche Knie bekommen. Dann doch lieber wieder eine Gute-Laune-Nummer wie „Heavy Metal Brother“, die zwar nicht den hymnischen Charakter aufweist, den man vielleicht wegen des pathetischen Titels erwarten dürfte, dafür duellieren sich Gitarren und Keyboard zum musikalischen Orgasmus.

Die Fans werden das Album lieben, da muss man kein Prophet sein und auch nicht die Glaskugel entstauben, aber auch Hard-Rock-Fans über den Axxis-Dunstkreis hinaus dürfen da gerne mal ein Ohr riskieren, bleiben sich die Fünf doch auf der einen Seite treu, trauen sich aber auch ein paar Änderungen zu – moderat, spürbar, intensiv und doch auch klassisch.

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