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Axel Rudi Pell: The Ballads IV

Zum Schwiegermutter einladen oder für die Stunden zu zweit
keine Wertung
Genre: Balladenrock
Spielzeit: 75:04
Release: 23.09.2011
Label: Steamhammer/ SPV

Ja sicher, ein Redaktions-Chef hat es schwer. Da werden die Pitarbeiter auch mal gerne diskriminiert. Und das funktioniert ganz einfach: Eine CD mit Balladen? Das kann ja nur etwas für den Redaktionssenior sein, und ruckzuck landet die Promo dann im Stapel des Schreiberlings, der so gerne gefragt werden wollte.

Worum geht es? Weit vor den heiligen Krims-Krams-Feiertagen kommt Axel Rudi Pell mit einer weiteren Compilation daher, „The Ballads IV“ getauft. Kommt da nicht automatisch wenigstens ein klein wenig der Verdacht auf, dass hier rechtzeitig zur besinnlichen Stimmung auch bei der härter rockenden Bevölkerung noch Kohle zu machen ist? Zumindest sind ja generell Compilations zu hinterfragen – die einen sehen einen repräsentativen Querschnitt des Künstlerschaffens, die anderen wiederum Rohstoffverschwendung – da muss jeder selbst sehen, wo sie/er sich einreiht.

Jetzt haben diese Musikansammlungscompactdiscs ja häufig auch noch den Nachteil, dass nur Altbewährtes aufgewärmt wird, doch hier liegt man beim Axel falsch, denn gleich drei Stücke stellen vielleicht doch für einige einen Kaufanreiz dar. So interpretiert Axel in seiner Schmuseart den DIO-Song „Holy Diver“ komplett neu, baut Streicher und Klavier ein, und auch die gewöhnungsbedürftigen, aber erkennbaren Vocallines bekamen ein Lyric-Lifting – aber bitte Axel, jetzt mal ernst, dein künstlerischer Anspruch in Ehren – das ist doch verhunzt! Ein Song, der Generationen von Fans hat feiern lassen, die Faust geballt erhoben, ein Refrain, wie er powervoller den Zahn der Zeit nicht  ausgetricksen konnte, und dann kommt diese Schnarchnasenversion daher – hoffentlicht drückt bei den Live-Shows die holde Weiblichkeit mir die Hupen in den Rücken, damit wenigsten einige Gefühle aufkommen – „Holy Diver“ mit Feuerzeugalarm oder wahlweise Handyleuchten ist so gar kein erquickender Ausblick in die Zukunft. 

Neutrack Numero zwei: „Hallelujah“. Genau, auf Leonard Cohens Mist gewachsen, hat er sicherlich seine Berechtigung im Musikbiz, doch auch hier wird eher das Weihwasser sauer, als dass man sich wiegenden Schrittes in Wolkentraumland erhebt – stilgerecht mit weiblichem Begleitchor und Querverweis auf die seelige Tannenduftzeit. „Where The Wild Waters Flow“ dagegen ist von ARP extra für diese Compilation komponiert worden. Der Song verbindet natürlich wie bei dem sonstigen Balladenmaterial Atmosphäre mit Herzschmerzlyrik, metallische Gitarren zerstäuben im sanften Keyboardsonnenuntergang – insgesamt die wohl beste Ballade der letzten Jahre von ARP.

An den zehn weiteren Tracks der CD scheiden sich natürlich die Geister – MetallerInnen dürften wegen der fehlenden Schwermetallattitüde in Tränen ausbrechen (und scheiden so aus dem Kreis der KonsumentInnen aus), Musikbegeisterte mit einer ausgeprägten Affinität zu Balladen hingegen wähnen sich im voller Geigen bestückten Himmel. Natürlich kann man gar nicht gegen die musikalische Umsetzung meckern, denn die ist wie gewohnt erste Sahne aus dem ARP-Lager, aber: wer Pop-Kram wie Phil Collins „In The Air Tonight“ braucht, wer eine lahme „Love Gun“ zum missglückten Liebesrausch sucht, der ist mit „The Ballads IV“ bestens bedient; wer jedoch schon die vorherigen drei Teile überflüssig fand, wird auch hier freiwillig eigene Sargnägel gießen – Geschmacksache halt.

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