Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Axel Rudi Pell: Live On Fire (2DVD)

Tolles Live-Best-Of mit handwerklichen Kameramängeln
Wertung: 7/10
Genre: Heavy Rock/ Heavy Metal
Spielzeit: ca. 111 Minuten/ ca. 119 Minuten
Release: 22.03.2013
Label: Steamhammer/ SPV

Noch nie waren Axel Rudi Pell so erfolgreich wie heute. Das aktuelle Album „Circle Of The Oath“ verkauft sich wie geschnitten Brot, die dazugehörige Tour im Jahre 2012 war aller Ortens ausverkauft – die Zeche Bochum gleich dreimal an drei Tagen hintereinander. Was bietet sich da mehr an, als eben eine dieser Shows für eine Live-DVD mitzuschneiden, wobei sich die Band schon fragen lassen muss, warum man nicht auf das enthusiastische Publikum in der Heimat mitten im Pott zurückgegriffen hat. Zur Rezension liegt hier die Doppel-DVD mit der Show in der Kölner Essigfabrik vom Oktober letzten Jahres sowie dem Mitschnitt beim Rock Of Ages Festival 2012 vor.

Schnell wird auf DVD 1 deutlich: Das Kölner Publikum ist nicht gerade das ausgelassenste. Johnny Gioeli, der ständig wie aufgedreht über die Bühne wirbelt und neben einigen pathetischen Ansagen, die sich aber auch DVD 2 gerne mal wiederholen, mal nachfragt, ob denn das Publikum wisse, was groovy bedeute, so tut sich dort eher das große Schweigen auf. Oder aber man picke als Beispiel die Ansage zu „Before I Die“ heraus, wo die freudige Mitmacherwartung nicht gerade auf dem Höhepunkt rangiert – das hat im Bochumer Mai aber noch ganz anders ausgesehen.

Gut, für die Reaktionen im Publikum können Axel Rudi Pell halt nichts, weswegen wir auch schnell den Mantel des Schweigens über die modernen Kommunikationsmittel decken, die schon beim Intro fröhlich über den Köpfen der Fans in die Kamera leuchten. So ist die Zeit nun mal. Ärgerlicher sind aber die handwerklichen Fehler der Kameraleute, die in dieser Form heutzutage einfach nur unnötig sind. Manchmal drängt sich der Eindruck auf, dass das Filmteam zum ersten Mal bei einer Pell-Show anwesend ist, denn geschönt könnte man so manche Kameraeinstellung beispielsweise bei Keyboarder Ferdy Doernberg, wenn dieser seine Tastensperenzchen vollführt, als recht ungewöhnlich bezeichnen. Wenn die Linse sich auf Cheffe Axel fixiert, der gerade eines seiner zahlreichen Soli zelebriert, das Bild dann aber plötzlich unscharf und schnell wieder scharf wird, so kann man eher den Eindruck eines Amateurkamerateams gewinnen, die auf besserem Bootleg-Niveau filmen.

Und so wird die Kameraführung immer wieder zum Ärgernis: Bassist Volker Krawczak steht regelrecht kopflos dar, wird er doch immer wieder „abgeschnitten“, was auch Bandleader Axel immer wieder passiert, ist die Kamera manchmal doch weit entfernt davon, entweder das Solo im Detail oder Menschen als Ganzes zu erfassen – der Filmer eiert manchmal irgendwo dazwischen. Und wenn schonmal der Meckermodus eingeschaltet ist, fallen auch immer wieder die reflektierenden Lichtpunkte auf, die durchaus als Stilmittel gebraucht werden könnten, doch hier ganz wahllos, gerade bei der sehr von unten anvisierten Perspektive, herumflimmern, wobei man auch noch einige Male den unschönen Deckenbereich der Essigfabrik erfasst. Da passt es auch gut, dass die auf dem Cover angegebene Tracklist nicht deckungsgleich mit der auf der DVD ist, wurde doch beim Druck das Intro schlichtweg vergessen.

Allerdings offenbart die DVD neben dem prächtigen Gesang und dem genialen Gitarrenspiel auch  positive Seiten. Als erstes wäre da der nicht durch Overdubs verhunzte Sound zu nennen, der zwar etwas höhenlastig wirkt, wobei die Bassdrum, wie beim Solo erkennbar, nicht wirklich wummert. Einige leicht schiefe Passagen vermitteln das volle Live-Feeling, was vor allem immer wieder auch durch Johnny in Szene gesetzt wird, flirtet er doch dauerhaft mit dem Publikum und hat sogar einzelne KonzertbesucherInnen im Blick.

Auf DVD 2 befindet sich der Mitschnitt vom Rock Of Ages Festival 2012, der sowohl vom Sound als auch von der Lightshow her deutlich besser gelungen ist. Kann man bei der Kölner Show (die Setlist ist annähernd deckungsgleich) einmal mehr feststellen, dass "rot des Fotografen Tod" ist, so ist hier das Bild deutlich sauberer. Besonders schön ist der Übergang zum Sonnenuntergang, wird doch mit zunehmender Dunkelheit die Lightshow immer wichtiger, wobei sie schon bei Tageslicht nicht von schlechten Eltern ist. Störend wirkt da eher wieder die Kamerafahrt bei „Ghost In The Black“ über das Publikum hinweg, die leider nicht schön flüssig dahin gleitet, sondern eher ruckelig wirkt.

Bei diesem Festival überwiegen aber die positiven Eindrücke: Da wird das Kind mit der aufblasbaren Gitarre genauso eingefangen wie Johnnys Ausflug an der Bühnenrand, wo er dann sogar Fans abklatscht. Besonders lobenswert sind die eingebauten Nahaufnahmen der Musiker von hinten, die dabei natürlich auch einen Blick auf das Publikum aus Musikerperspektive zulassen. Auch werden schon die ersten schönen Impressionen eingefangen, bevor die Musiker überhaupt auf die Bühne gehen. Nachteilig ist dann wieder, dass auch hier das Intro nicht auf dem Cover abgedruckt wurde und so die Nummern auf Cover und DVD nicht übereinstimmen.

Der Axel Rudi Pell-Fan hat wieder einmal die Qual der Wahl: Live-CD oder Live-DVD. Wobei man auch in die Runde werfen kann, dass die Wattenscheider in der letzten Dekade schon mehrmals mit DVD-Veröffentlichungen um die Ecke kamen – dazu noch so manche Compilation, denn auch eine Livescheibe ist ja quasi nichts anderes als ein Best-Of-Programm. Bei DVD 1 sammeln sich, im Gegensatz zu DVD 2, schon zahlreiche Fehler an. Schade bleibt auch, dass nicht schon in Bochum mitgeschnitten wurde, entgeht dem Fan somit doch die Doppel-Tittenparade beim Schlagzeugsolo. Wie sagt es Johnny in einer anderen Situation so treffend: "Das ist Rock’n’Roll." Der Fan greift zu, keine Frage. Unbedarfte dürfen gerne schwanken. Absolute Freaks gestochen scharfer Bilder lassen besser die Finger davon.

comments powered by Disqus

Erneut eine eindrucksvolle Bewerbung um den Titel „Konzert des Jahres“

Vom pinkfarbenen Cover hin zum Boxen

Das Wandern ist des Metallers Lust

Refuge, Teutonic Slaughter und Kadaverficker beim Saunafest