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Avenged Sevenfold: Nightmare

Eine Steigerung zu allem bisher Dagewesenen
Wertung: 8.5/10
Genre: Heavy Metal
Spielzeit: 68:59
Release: 27.08.2010
Label: Roadrunner Records

Avenged Sevenfold ist eine Combo, der wenig bis gar nichts in ihrer bisherigen Karriere geschenkt wurde. Mal fanden Kritiker den Sound der Kalifornier zu sehr an der alten Schule orientiert, dann biederte sich das Quartett angeblich zu sehr beim Mainstream an – recht machen konnte es die Band anfangs eigentlich niemandem. Trotzdem schafften die Jungs es, mit ihren bisherigen vier Studioalben lobende Kritiken einzuheimsen, was nicht zuletzt daran liegen dürfte, dass hier von Anfang an eine großartige, wenn auch gewöhnungsbedürftige Stimme mit klassischen Metalgitarren und Hard Rock-Sound verknüpft wurde.

Den negativen Höhepunkt ihrer Karriere konnte die Band letztes Jahr verzeichnen, als ihr Gründungsdrummer James „The Rev“ Sullivan verstarb (wir berichteten). Grund war augenscheinlich eine Drogenüberdosis, obwohl es Gerüchte gab, dass der Ausnahmedrummer schon längst clean gewesen sei. Trotz dieses tragischen und unerwarteten Todesfalles klemmte die Band die Arschbacken zusammen und machte sich mehr oder weniger direkt an die Produktion des mittlerweise fünften Scheibchens „Nightmare“ – in Gedenken an Rev, der vor seinem Tod noch einige Songs geschrieben und die Backing Vocals dazu beigetragen hatte, vielleicht auch, um ein wenig die Wirtschaft anzukurbeln, aber vermutlich vor allem, um den Fans zu zeigen, dass man auch ohne Drummer als Band weiter bestehen würde. Den vakanten Posten hat für die Aufnahmen zur neuen Scheibe niemand Geringeres als Mike Portnoy übernommen, der normalerweise für Dream Theater die Felle bearbeitet und bei seinen Kollegen auch auf deren kommender Tour aushelfen wird. Ein würdiger Ersatz also, zumindest übergangsweise.

Dass die siebenfach Verfluchten nichts von dem Biss früherer „City Of Evil“-Tage verloren haben, hatte man kaum zu hoffen gewagt, fiel das letzte, selbstbetitelte Album doch eher etwas mau aus. Hits wie „Beast And The Harlot“ zweimal zu schreiben, wäre natürlich völlig nutzlos, aber schon der Titeltrack kann sich durchaus mit dem Gassenhauer messen: Nach einem Glockenspiel-Intro und bedrohlich-verheißungsvollen Gitarren starten die Jungs mit ihrer üblichen Snare-Attacke, die man als Fan inzwischen kennen und lieben gelernt hat. Sänger M. Shadows zieht wieder alle Register und der fast epische Refrain erinnert relativ stark an die früheren Stücke der Band. Ein Ohrwurm ist das Stück allemal, aber: Das Quartett hat nebenbei noch allerhand andere Asse im Ärmel.

Die knackige Mischung aus Anthrax, Pantera und ein bisschen Maiden hat schon auf den älteren Alben Spaß gemacht, auf „Nightmare“ scheinen A7X, so die offizielle und leicht konfuse Abkürzung, allerdings einen großen Wert auf Perfektion gelegt zu haben. Jeder Schlag mit den Drumsticks sitzt, der Bass wummert vor sich hin, die Gitarrensoli, die sich wie gehabt im teils recht hohen Old School-Stil präsentieren, sind genau am richtigen Platz. Ihre epischen Refrains, die sie meiner bescheidenen Meinung nach viel zu selten einsetzen, sind auch bei „Natural Born Killer“ zu hören, einem Stück, bei dem vor allem Aushilfsdrummer Mike sein Können zeigen kann, und das so oder ähnlich durchaus auch von Anthrax und Co. hätte stammen können.

„So Far Away“ markiert die erste richtige Ballade des Albums und bietet einen wunderschönen Refrain, bei dem M. Shadows’ Stimme erstaunlich gut zur Geltung kommt. Gänsehautfeeling kommt spätestens bei der Zeile „How do I live without the ones I love?“ auf, wenn man ein bisschen an The Rev denken muss. Schön, ohne kitschig zu wirken – ich hätte nie gedacht, dass Avenged Sevenfold das mal hinbekommen. Nach dem etwas zahmen Einstieg der Platte scheinen sich die Amis jetzt gefangen zu haben und legen mit „God Hates Us“ einen wahren Hassbrocken hin mit allem was dazu gehört: böser Text, derbes Gekreische, wummernde Drums – perfekt! Damit dürften sie live für einiges an Körpergulasch sorgen, wenn der Track schon auf Platte so knallt. Gegen Ende hauen die Männer noch einen echten Knaller raus: „Fiction“ kann zwar stimmlich nicht hundertprozentig überzeugen, bietet aber ganz neue stimmliche Facetten, die sehr gut zum Sound passen, und ein geniales Klavierleitmotiv. Beeindruckend, wie eine Band sich im Laufe von elf Jahren entwickeln kann.

Fazit: „Nightmare“ stellt den derzeitigen Höhepunkt der Schaffensphase der Band dar, gar keine Frage. Trotz The Revs Abwesenheit entstehen im Soundgewand keine Lücken und vor allem was die Entwicklung des Sängers angeht, kann man hier nur staunen: Klang M. Shadows auf Alben wie „Waking The Fallen“ noch teils verschnupft und irgendwie quäkig, was schnell nervig werden konnte, so lässt sich auf der aktuellen Scheibe kein einziger Song benennen, auf dem man den Gesang wirklich als störend empfinden könnte. Wer Avenged Sevenfold früher schon nicht mochte, wird seine Meinung auch jetzt nicht ändern, denn das Quartett ist seinem Sound größtenteils treu geblieben – Fans, die vom letzten Output nicht ganz so begeistert waren, werden die neue Platte aber vermutlich lieben und auch alle Anhänger von Old School-Metal mit modernen Einflüssen sollten hier auf jeden Fall reinhören.

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