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Avatarium: The Girl With The Raven Mask

Ein so nicht zu erwartendes Meisterwerk, das süchtig macht
Wertung: 10/10
Genre: Doom Metal / Psychedelic Rock
Spielzeit: 50:03
Release: 23.10.2015
Label: Nuclear Blast

Wenn Musiker im Vorfeld eines Albumreleases davon sprechen, dass sie „etwas Einzigartiges“ erschaffen und „ein Album nahe der Perfektion“ aufgenommen hätten, so wie es Ex-Candlemass und nun Avatarium-Bassist Leif Edling über „The Girl With The Raven Mask“ sagt, ist dies nicht selten übertrieben und selbstüberschätzend. Nicht so in diesem Fall, weil diese Scheibe nicht nur nahe an der Perfektion ist, sie ist schlicht perfekt. Punkt. Dass man nach dem bereits hervorragenden Debüt von 2013 hoffen durfte, dass die Schweden ordentlich nachlegen würden, ist eine Sache, aber dass die Band sich derart selbst übertreffen würde, war wohl nicht zu erwarten.

Der vor zwei Monaten als Lyric-Video veröffentlichte Titelsong andererseits ließ bereits Großes vermuten: Wer bei diesem Killer-Riff nicht schon nach wenigen Sekunden begeistert durch die Gegend springt, hat einfach keine Ahnung von gut gemachter Rockmusik, denn dieser Song ist eine Blaupause für einen makellosen Rocksong: Treibend, mitreißend und mit einem großartigen Refrain, den man sofort mitsingen kann, der aber gleichzeitig Langzeitwirkung besitzt, ausgestattet. Ein Wahnsinns-Beginn, für eine im Doom-Sektor angesiedelte Band nicht unbedingt typisch, da recht flott, aber die Aufmerksamkeit des Hörers ist garantiert sofort da.

Das Beste aber ist, dass dieses unfassbare songschreiberische Niveau tatsächlich auch über die gesamten 50 Minuten des Albums gehalten werden kann, wobei sich Avatarium stilistisch vielfältig, technisch hochklassig und mit Gespür für fantastische, spannende Arrangements zeigen. „The January Sea“ fährt nach dem knackigen Opener mit vielen (stets durchdacht gesetzten) Breaks die progressivere Schiene, ist von der Stimmung her melancholischer und nachdenklicher, während „Pearls And Coffins“ mit den Bendings und der Slide-Gitarre zunächst fast ein wenig Southern-Rock-Atmosphäre versprüht, um dann in einen Breitwand-Chorus mit zum Niederknien geilen, wummernden Siebziger-Hammond-Sounds und göttlichen Gesangsmelodien zu münden.

Überhaupt sind die Keyboards gegenüber dem Erstlingswerk noch wesentlich präsenter, Carl Westholm allerdings hat hier genau die richtigen Klänge parat; kein überflüssiges, seelenloses Plastik-Gedudel belästigt das Ohr, stattdessen sind die geschmackvollen Deep Purple- und Uriah Heep-Referenzen unüberhörbar. Auch das E-Piano spielt eine große Rolle, besonders bei den beiden letzten Nummern „Iron Mule“ und „The Master Thief. Vor allem letzteres kommt in der ruhigen Strophe mit dem smoothen Gebrauch des Ride-Beckens geradezu jazzig herüber, sehr melancholisch und gleichzeitig durch die kleinen Keyboard- und Gitarrenlicks sehr verspielt, um dann in einem neuerlichen Wahnsinns-Chorus mit überwältigender Power überzugehen. Meine Güte, ist das großes Kino – die Gänsehaut will gar nicht mehr verschwinden!

Auch „Hypnotized“ wird vom E-Piano entscheidend mitgetragen und – man ahnt es bereits – bietet wiederum einen fantastischen Chorus, der den Schädel einfach nicht verlassen will. Da hier auch ein sanfter Pianopart und ein atemberaubendes Gitarrensolo vertreten sind, darf man wohl von einem weiteren perfekten Song sprechen, der einfach alles beinhaltet. Eine gute Überleitung, um Marcus Jidells Gitarrenspiel zu würdigen. Dass der Mann was drauf hat, sollte bekannt sein, aber auf „The Girl With The Raven Mask“ spielt er zum Teil wie entfesselt, was sich unter anderem auch in einem weiteren tollen Solo in „Ghostlight“ manifestiert.

Dies ist im Übrigen ein etwas härterer Brocken, mit abrupten Wechseln zwischen metallischem Riffing und trippy Psychedelic-Passagen. Zunächst etwas gewöhnungsbedürftig, wächst dieses interessante Stück mit der Zeit, zumal die Riffs (wie könnte es anders sein?) erneut in jeder Beziehung überzeugen können. Leichter ins Ohr geht „Run Killer Run“, das auch von Black Sabbath in der Tony-Martin-Ära hätte stammen können, was naturgemäß bedeutet, dass der Song killt, denn jene Sabbath-Epoche wird stets völlig zu Unrecht sträflich unterbewertet.

Zusammengefasst fehlen einem eigentlich die Worte. Was für ein grandioses Meisterwerk! Perfekt produziert und arrangiert und nicht eine Mikrosekunde langweilig. Und das Sahnehäubchen über der großartigen Musik zwischen Doom, Psychedelic und Siebziger-Hard-Rock- bzw. Prog-Anleihen ist selbstverständlich die Stimme der wundervollen Jennie-Ann Smith: gefühl-, aber gleichzeitig kraftvoll und mit einem traumhaft schönen Timbre gesegnet. Ich kann es kaum erwarten, die neuen Stücke live zu hören, bis dahin läuft dieses Überalbum in Dauerschleife, denn ich bin süchtig!

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