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Avatarium: Hurricanes And Halos

Erneut starkes Album, das allerdings nicht ganz an den Vorgänger heranreicht
Wertung: 8,5/10
Genre: Doom/Classic Hard Rock
Spielzeit: 44:40
Release: 26.05.2017
Label: Nuclear Blast

Nur rund anderthalb Jahre nach ihrem überragenden Zweitwerk „The Girl With The Raven Mask“ legen die Shootingstars von Avatarium bereits mit Album Numero drei nach. Man merkt, dass diese Band hungrig ist und nicht gedenkt, sich auf den Lorbeeren, die sie verdientermaßen nach der 2015er Platte sowie dem ebenfalls bärenstarken selbstbetitelten Debüt von 2013 einheimsen durfte, auszuruhen. Der Stil der Schweden ist mit der Mischung aus Doom-Elementen, ganz viel Classic Hard Rock und einem Schuss Psychedelic Prog plus der charismatischen Stimme von Frontdame Jennie-Ann Smith bereits recht einzigartig und tritt auch auf „Hurricanes And Halos“ deutlich und unverkennbar zutage, dennoch unterscheidet sich die Platte klar vom Vorgänger, indem zum Sound noch ein paar Nuancen hinzugefügt wurden.

Allgemein gesagt wirkte „The Girl With The Raven Mask“ etwas kohärenter und mehr aus einem Fluss, dafür jedoch wartet die neue Scheibe mit wesentlich unterschiedlicheren Songs auf. Auffällig ist dies besonders anhand der gefühlvollen Ballade „When Breath Turns To Air“, die mit Slidegitarre und jazzigem Flair daherkommt und der man sofort ehrlichen Herzschmerz anmerkt. Wie viel cheesiges, minderwertiges Material gibt es in dieser Hinsicht allerorts, doch hier sollte jeder Hörer sofort emotional gepackt werden und eine Gänsehaut bekommen.

Wenn man dann noch erfährt, dass Gitarrist Marcus Jidell dieses von Jennie-Anns zartem Gesang und wundervollem Orgelspiel seitens des neuen Keyboarders Rikard Nielsson veredelte Stück seinem kürzlich verstorbenen Vater gewidmet hat, weiß man spätestens, dass die Komposition von Herzen kommt. Übrigens markiert der Track einen von zwei Songs, die nicht aus der Feder von Übervater Leif Edling stammen. Der Candlemass-Mastermind hat den Bass nun auch im Studio endgültig an den Nagel gehängt und wirkt inzwischen lediglich noch als eine Art Mentor für die Band.

Bei der anderen Nummer handelt es sich um „Road To Jerusalem“, ein getragenes Stück, das von Akustikgitarren geprägt ist und sich sehr perkussiv darstellt. Die verspielten, quasi untergemischten Leadgitarren und der teils mehrstimmige Gesang lassen sowohl an The Devil's Blood als auch Südstaaten-Rock denken. Ein interessanter Song, der sich zusammen mit „When Breath Turns To Air“ ziemlich klar vom Rest abhebt – kein Wunder, stammen die beiden Lieder schließlich von jemand anders und zeigen, dass man sich nicht mehr ausschließlich auf das songschreiberische Talent des erfahrenen Leif Edling verlassen will. In Zukunft gerne mehr davon, so wird man garantiert auch auf späteren Alben mit neuen Ideen glänzen können.

Dennoch ist es selbstverständlich keine Frage, dass Herr Edling immer noch mit erstklassigen Ohrwürmern zu dienen in der Lage ist (laut Marcus Jidell der „beste Songschreiber in Schweden“, wie er in einem in Kürze bei uns zu lesenden Interview zu Protokoll gab). Das vorab präsentierte „Into The Fire – Into The Storm“ mit seinen starken Deep Purple-Vibes (nicht nur wegen des Titels) machte schon einen guten Eindruck, das treibende, mit leicht poppiger Attitüde versehene „The Starless Sleep“ ist allerdings noch stärker geraten: Welch ein sensationeller Refrain, der regelrecht aufblüht und geradezu danach schreit, dass die Nummer als Single ausgekoppelt werden muss.

Das absolute Highlight bildet aber das mittig platzierte „Medusa’s Child“, das erneut mit einem tollen Refrain brilliert und einige schöne Einfälle sein Eigen nennen darf. So wurde hier mit einer Kinderstimme gearbeitet, die sich gut mit Jennie-Anns Vocals ergänzt und in der Mitte noch einmal a capella zu hören ist, bevor das mit neun Minuten längste Stück des Albums eine unerwartete Wendung nimmt und eine repetitive, jamartige Passage bietet, die sich grandios steigert – absolut fantastisch und mitreißend. „A Kiss (From The End Of The World)“, das nach der erwähnten Ballade passenderweise mit einem Akustikintro beginnt, ist gegen Ende mit einer ähnlichen Sequenz ausgestattet; trotz erneut kraftvollen Riffings und Refrains wird das überirdische Niveau von „Medusa’s Child“ hier jedoch nicht ganz erreicht.

Auch das sehr Uriah Heep-artige „The Sky At The Bottom Of The Sea“ macht zwar Spaß, fällt qualitativ aber ein wenig ab, während das instrumentale Titelstück als eine Art Gitarrenkanon angelegt ist, was zwar ein nettes Finish bedeutet – mancher hätte sich dennoch vielleicht lieber noch einen „echten“ Song gewünscht. Insgesamt reicht „Hurricanes And Halos“ daher nicht ganz an seinen Vorgänger heran, trotzdem handelt es sich zweifellos erneut um eine sehr starke und zudem großartig produzierte Platte voller interessanter Ideen, die sich anzuschaffen auf jeden Fall lohnt.

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