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Avantasia: Moonglow

Bestes Avantasia-Album seit „The Metal Opera Part II“
Wertung: 9/10
Genre: Power/Symphonic Metal
Spielzeit: 66:50
Release: 15.02.2019
Label: Nuclear Blast

Auch in seinen kühnsten Träumen hätte Tobias Sammet sich wohl nicht vorzustellen gewagt, dass sein 2001 mehr oder weniger „just for fun“ gestartetes Avantasia-Projekt mal so groß werden, dass er damit größere Hallen ausverkaufen würde. Dass drei Jahre nach „Ghostlights“ bereits die nächste Platte des aufwendigen Allstar-Ensembles ansteht, obwohl das letzte reguläre Album seiner eigentlichen Hauptband Edguy wesentlich länger zurückliegt, verwundert da nicht mehr allzu sehr. Wiederum hat der gebürtige Hesse eine Sänger-Riege an Hard Rock- und Metal-Prominenz um sich geschart, von denen sich sechs (Ronnie Atkins, Jørn Lande, Eric Martin, Geoff Tate, Michael Kiske und Bob Catley) bereits zuvor teilweise mehrmals die Ehre gaben, während Candice Night, Hansi Kürsch und Mille Petrozza (!) erstmalig dabei sind.

So euphorisch wie vielleicht nie zuvor gab sich Tobi bezüglich der achten Platte „Moonlight“, sprach vom „ausgeschmücktesten und detailreichsten Album bislang“ und dass die ersten Reaktionen von Presse und Freunden „so enthusiastisch wie in meiner gesamte Karriere von bereits 27 Jahren noch nie“ gewesen seien, was naturgemäß eine immense Erwartungshaltung generierte. Dennoch sollten Fans nicht erwarten, dass hier nun plötzlich eine musikalische Revolution vom Zaun gebrochen wurde – warum auch sollte man das Rezept ändern, wenn es bisher so erfolgreich war?

Und so bieten Sammet und seine namhaften Gäste zwar nichts wirklich Neues, zeigen sich dafür aber songschreiberisch auf einem überragenden Niveau: Der zehnminütige Opener „Ghost In The Moon“ gehört mit zum Besten, was der Edguy-Frontmann seit langem abgeliefert hat. Perfekt durchkomponiert, sehr dynamisch und mit einem hymnenhaften Refrain gesegnet, werden hier gleich zu Beginn alle Register gezogen. Und der zumindest für seinen Gesang gerne mal gescholtene Sammet zeigt beim Breitwand-Mittelpart mit dem Erreichen des dreigestrichenen F, dass er es noch nicht verlernt hat.

Der zweite Longtrack „The Raven Child“ wurde ja sogar als erste Single ausgekoppelt und natürlich passt es zu solch einem Epos wie Arsch auf Eimer, dass dies von Jørn Lande mit seiner unvergleichlichen Rockröhre und Blind Guardian-Barde Hansi Kürsch (eigentlich unfassbar, dass so eine Kultfigur wie der Krefelder erst jetzt zum ersten Mal bei Avantasia am Start ist) getragen wird. Experimente mag man hier ebenfalls vergeblich suchen, doch auch hier liegt wieder ein großartig komponierter und opulent arrangierter Song vor, der Spaß macht und nach relativ ruhigem Beginn zum Ende hin ordentlich Fahrt aufnimmt.

Wie gewohnt sind die Songs exakt auf die jeweiligen Sänger zugeschnitten, weswegen Michael Kiske wieder einmal in einer an Helloween erinnernden Uptempo-Nummer („Requiem For A Dream“) zum Zuge kommt – auch nicht gerade originell, aber zu mosern gibt es auch hier nichts. Vielmehr macht die erneut unglaubliche Gesangsleistung des kürzlich immerhin auch schon 51 Jahre alt gewordenen einstigen Wunderkindes einmal mehr sprachlos. Logisch, man weiß was er kann, doch scheint er bei den wahnsinnig hohen Tönen im Refrain noch einmal einen draufzusetzen – man kriegt den Mund kaum zu.

Überhaupt sind es natürlich in erster Linie die Granaten-Refrains, die Laune verbreiten – da macht Tobi Sammet in diesem Genre keiner was vor. „Starlight“ mit seinen poppigen Anleihen beispielsweise markiert einen Ohrwurm, für den andere Songwriter töten würden, was für ein Hit – und auch das in der Strophe auf einem beinahe Industrial-artigen, stampfenden Riff basierende „Alchemy“ wartet mit einem bombastischen, regelrecht aufblühenden Chorus mit absolutem Mitsing-Charakter auf und wird auf der kommenden Tour bestimmt auf der Setlist landen.         

Immerhin ein kleines Novum hat der gute Tobi im Köcher: Dass Kreator-Mille als Gast mitmischt, ist sicherlich eher ungewöhnlich und „Book Of Shallows“ kommt tatsächlich mit angethrashten Passagen daher, die sich jedoch völlig problemlos in die ansonsten eher Power-Metal-lastige, speedige Nummer einbetten. Ungewöhnlich ist auch der Titel „The Piper At The Gates Of Dawn“, mit Pink Floyd hat das Stück allerdings wirklich gar nichts am Hut, vielmehr handelt es sich hier um eine ebenfalls flotte, wendungsreiche Achterbahnfahrt mit quirligem Keyboardlauf und einem hübsch modulierten Refrain. Sehr geil und wiederum prädestiniert für Live-Auftritte.    

Es ist keine Übertreibung, wenn man „Moonglow“ als stärkstes Avantasia-Album seit „The Metal Opera Part II“ bezeichnet – Tobis Enthusiasmus kommt nicht von ungefähr. Es gibt keinerlei Füllmaterial, denn auch die Ballade „Invincible“, von Ex-Queensrÿche-Fronter Geoff Tate und Sammet einfühlsam vorgetragen, kann überzeugen, ebenso wie der unheimlich leichtfüßige, erfreulich unkitschige und beschwingtes Mike Oldfield-Flair verbreitende Titelsong, den Blackmore's Night-Elfe Candice Night mit ihrer gebirgsbachklaren Stimme veredelt.

Auch wenn in dem Sinne keine großen Überraschungen zu finden sind: Die Scheibe macht von vorne bis hinten wahnsinnig viel Spaß, ist großartig produziert, gesungen, gespielt (viele Zungenschnalzer-Gitarrensoli von Sascha Paeth) und arrangiert, klingt wie aus einem Guss und ist im Rahmen des Avantasia-Kontextes durchaus abwechslungsreich: Von epischen Zehn-Minuten-plus-Nummern über eingängige Ohrwürmer bis zur obligatorischen Ballade ist alles dabei, was das Fanherz höher schlagen lässt. Plus ein wunderschönes Artwork von Alexander Jansson. Lediglich das wenig mitreißende „Maniac“-Cover hätte man sich schenken können, da ist trotz des tollen Eric Martin weder Groove noch Sex vorhanden – die Firewind-Version von 2008 kickt da deutlich mehr.

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