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Avantasia: Ghostlights

Nicht durchgängig überragend, aber gewohnt guter Avantasia-Standard
Wertung: 8/10
Genre: Power/Symphonic Metal
Spielzeit: 70:25
Release: 29.01.2016
Label: Nuclear Blast

Avantasia, die siebte. Schon beachtlich, wenn man bedenkt, dass Tobias Sammet das Projekt bereits mehrmals für beendet erklärt hatte. Zunächst nach den beiden „Metal Opera“-Scheiben, dann nach der „Scarecrow“-Trilogie – doch immer wieder belebte der Edguy-Fronter das Projekt aufs Neue, sicherlich auch, weil es sich größter Beliebtheit erfreut und sehr erfolgreich ist. Kommerzielles Kalkül zu unterstellen, ist natürlich immer ein bisschen boshaft, aber Erfolg polarisiert grundsätzlich – das dürfen auch Dream Theater gerade erfahren, deren neues Album „The Astonishing“ entweder über den grünen Klee gelobt oder gnadenlos in der Luft zerrissen wird. Netter Fun Fact übrigens, dass am 29. Januar somit gleich zwei Rockopern auf einmal erscheinen. 

Wie dem auch sei, man weiß bei Avantasia im Prinzip bereits im Vorfeld, was einen in etwa erwarten wird – eine Topgarde an prominenten Rock- und Metalsängern, die mehr oder weniger auf sie zugeschnittene Songs eingebettet in eine mystisch angehauchte Story zum Besten geben, und da hat der Sammet-Tobi auf „Ghostlights“ mal wieder einiges aufzubieten: Ex-Queensrÿche-Sirene Geoff Tate, Twisted Sister-Fronter Dee Snider und Nightwish-Bassist und -Sänger Marco Hietala sind neue klangvolle Namen, während Michael Kiske, Jørn Lande und Bob Catley ja quasi schon zum festen Inventar gehören; Within Temptation-Vokalakrobatin Sharon den Adel hingegen ist zum ersten Mal seit „Metal Opera“-Tagen wieder im Line-up.

Großartige Überraschungen wird man auf „Ghostlights“ nicht wirklich finden, der Hörer sieht sich wie gewohnt mit hymnischem Power Metal konfrontiert, mit gerade so viel Pathos und Kitsch versehen, dass es nicht lächerlich oder peinlich wirken würde. Der Bombast, den Sammet besonders in den Refrains auffahren lässt (vor allem im feierlichen Finale „A Restless Heart And Obsidian Skies“), sind absolut typisch Avantasia und das Element, das in erster Linie für die Musical-/Opern-Affinität verantwortlich zeichnet.

Die erste Single – gleichzeitig der Album-Opener – „Mystery Of A Blood Red Rose“ mag noch ein bisschen nach Stangenware klingen, und doch blitzt schon hier einmal mehr Tobias Sammets sagenhaftes Songwriting-Talent durch. Nennt es kitschig, nennt es Schlager-Metal, macht euch darüber lustig, dass er mit dem Stück beim Eurovision Song Contest anzutreten gedenkt (zugegeben: finde ich jetzt auch eher so semi-notwendig), aber das ist schlichtergreifend eingängiges Material, zu dem sich bestens abfeiern lässt. Und das immer noch hundert Mal mehr Stil hat als Schund à la Sabaton oder Battle Beast.

Der Titeltrack beispielsweise ist ein klassischer Speed-Metal-Nackenbrecher, für den es kaum eine bessere Wahl geben kann als Goldkehlchen Michael Kiske und man kann nur gebetsmühlenartig wiederholen: Der Mann mag als Person für viele immer noch strittig sein, aber diese Stimme ist und bleibt sensationell. Wie geschaffen erscheint für ihn des Weiteren der Midtempo-Kracher „Unchain The Light“, dessen grandioser, vom ehemaligen Helloween-Mitglied vorgetragener Chorus sich umgehend ins Hirn des Hörers fräst.

Ohne jeden Zweifel fantastisch auch der ebenfalls ziemlich speedige Kracher „Babylon Vampyres“, bei dem Warrant-Frontmann Robert Mason mit Tobi zum Duett antritt – eine treibende Nummer in mittleren Temporegionen, die unheimlich Spaß macht und live garantiert ein amtlicher Abräumer sein wird. Die virtuosen Gitarrensoli lassen mit der Zunge schnalzen und versüßen diesen Edelrocker noch zusätzlich – wobei es fast schon überflüssig zu erwähnen ist, dass gerade die Klampfenarbeit von Sascha Paeth (der außerdem wie gewohnt die Scheibe auch zusammen mit Sammet produzierte) und den Gastgitarristen Bruce Kulick und Oliver Hartmann gewohnt hohe Qualität bietet. Ordentlich Schmackes besitzt auch das von Marco Hietala eingesungene „Master Of The Pendulum“, das wiederum wie die Faust aufs Auge zu seiner rauen Stimme passt.

Etwas aus dem bekannten symphonischen Power-Metal-Korsett ausgebrochen wird im düstereren „Seduction Of Decay“, das mit schwermütigem Riffing in orientalischer Manier daherstampft und von Geoff Tate exzellent vorgetragen wird. Auch der Knabe ist inzwischen ja zur Reizperson geworden, doch auch hier gilt: Stimmlich gibt es nach wie vor nix zu Meckern. Auch „Draconian Love“ (mit Vocals von Sinbreed-Sänger Herbie Langhans) markiert einen eher ungewöhnlichen Track und erinnert mit seinem leichten Achtziger-Jahre-Gothic-Rock-Vibe bisweilen ein wenig an die Sisters Of Mercy – gewöhnungsbedürftig, aber dennoch irgendwie cool.

Natürlich darf der obligatorische Longtrack nicht fehlen, in diesem Fall repräsentiert vom Zwölfminüter „Let The Storm Descend Upon You“, behutsam aufgebaut, sehr episch und, obwohl nicht von übermäßig vielen Breaks gekennzeichnet, keineswegs langatmig. An sich also ein klasse Album, wenn auch erneut nicht an die beiden „Metal Opera“-Meisterwerke heranreichend. Ferner gibt es in Form der wirklich absolut langweiligen Ballade „Isle Of Evermore“ leider einen echten Stinker zu vermelden und auch der Dee-Snider-Song „The Haunting“ (vielversprechender „Welcome To My Nightmare“-artiger Beginn, aber schwacher Chorus) sowie Jørn Landes „Lucifer“ reißen nicht so sehr vom Hocker, sodass die Angelegenheit letzten Endes auf acht Punkte hinausläuft.

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