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Avantasia: A Paranormal Evening with the Moonflower Society

Fast so gut wie „Moonglow“
Wertung: 8,5/10
Genre: Power/Symphonic Metal
Spielzeit: 53:58
Release: 21.10.2022
Label: Nuclear Blast

Bald ist es soweit und Avantasia haben Tobias Sammets ursprüngliche Hauptband Edguy in Sachen Albumanzahl übertroffen: Die neue Platte des Sammelbeckens für Metal-Prominenz mit dem sperrigen Titel „A Paranormal Evening With The Moonflower Society“ markiert nun schon die neunte Studioscheibe und auffällig ist schon bevor man den ersten Ton vernommen hat, dass wie beim Vorgänger erneut der Mond im Titel erwähnt wird. Tobi ist augenscheinlich ein Fan von Tim Burton – an dessen Ästhetik war bereits das Artwork von „Moonglow“ angelehnt und so verhält es sich auch mit dem neuesten Werk. Gar nicht so verwunderlich daher, dass der Avantasia-Mastermind zu Protokoll gibt, schon seit 2018 an der Scheibe zu arbeiten – also noch bevor „Moonglow“ erschien.

Tiefstapeln ist nicht Sammets Ding, so spricht er davon, dass auf APEWTMS „einige meiner besten Songs enthalten sind, einige meiner emotionalsten und extremsten Gesangsperformances, und einige der besten Gastbeiträge überhaupt“ und dass er quasi jeden Song als Single hätte auskoppeln können. Er hat aber ja stets eine liebenswürdige und überhaupt nicht arrogante Art wenn er diese Eindrücke schildert, vielmehr wirkt seine Begeisterung ansteckend und man kann vor den unglaublichen Songwriting-Fähigkeiten dieses Künstlers einmal mehr nur den Hut ziehen.

Düster, geheimnisvoll und schaurig-schön startet die Scheibe mit „Welcome To The Shadows“ und verbreitet entsprechend der Ästhetik und dem Titel Gruselfilm-Atmosphäre. Das Keyboard-Mainriff ist ebenso simpel wie effektiv, Synthies, Düsterchöre und Orgel sorgen für eine neblige, finster-mystische Stimmung, bevor der Bombast-Refrain im typischen Avantasia-Stil die Angelegenheit etwas aufhellt. Schon ziemlich cool, wie hier Kontraste gesetzt werden und sich diese scheinbaren Gegensätze wunderbar ergänzen. Insgesamt trotzdem eine ziemlich dunkle Nummer, die von der Machart her an das superbe „Spectres“ von „The Mystery Of Time“ erinnert und sehr dynamisch daherkommt.

Völlig anders dann das folgende „The Wicked Rule The Night“, das hart, schneidend und speedy durch die Botanik brettert und bei dem sich Primal Fear-Hüne Ralf Scheepers mit einer grandiosen Performance das erste Mal bei Tobi Sammets erfolgreichem Projekt verewigt. Richtig geiler Track, der bereits Mitte Mai als erste Single veröffentlicht wurde und ein bisschen das Pendant zum u.a. von Mille Petrozza eingekreischten „Book Of Shallows“ von „Moonglow“ darstellt. Natürlich sind die Parallelen zu vorigen Avantasia-Alben auch auf APEWTMS unüberhörbar und es gibt erneut keine musikalischen Quantensprünge zu verzeichnen. Aber wie angedeutet: Kompositorisch gibt es wieder nichts groß zu meckern und das ist einfach alles wahnsinnig gut gemacht, gespielt (Sascha Paeth dürfte nach wie vor einer der unterschätztesten Gitarristen der Szene sein!), gesungen und produziert.

Als Gastsänger geben sich etliche alte Bekannte die Klinke in die Hand: Michael Kiske gehört ja schon längst zum Inventar der Band (wenn man das erste Mal den Anfang von „The Inmost Light“ hört, denkt man sofort: Ah, jetzt müsste doch gleich Kiske zu hören sein – und so ist es dann auch), ein ähnliches gilt für Bob Catley, der im fantastisch fetzigen „The Moonflower Society“ auf den Plan tritt, und natürlich den unkaputtbaren Jørn Lande, der sich im peitschenden „I Tame The Storm“ die Ehre gibt. Auch Mr. Big-Fronter Eric Martin ist wieder mit von der Partie und trällerte das fett groovende „Rhyme And Reason“ ein (was ist das denn für ein unfassbar eingängiges, geiles Mainriff?) und Ex-Queensrÿche-Sänger Geoff Tate („Scars“) mischt bereits das dritte Mal in Folge mit. Beim zehnminütigen Finale „Arabesque“ sind dann Lande und Kiske neben Tobi gemeinsam zu hören, außerdem treffen Dudelsäcke auf orientalische Melodien, was einen besonderen Reiz ausmacht.   

Ja, die Songs sind wieder sehr auf den jeweiligen Sänger zugeschnitten und so gesehen ist das meiste irgendwie etwas „vorhersehbar“, aber Spaß macht das Ganze zweifelsohne. Überraschend hingegen ist, dass Nightwish-Sirene Floor Jansen tatsächlich das erste Mal bei Avantasia am Start ist; beim rockig-hymnischen „Kill The Pain Away“ (erneut ein absoluter Ohrwurm-Refrain!) darf sie etwas mehr röhren, während sie im balladesken, leicht kitschigen „Misplaced Among The Angels“ die sanftere Seite ihrer Ausnahmestimme offenbart.    

Fraglos hat sich Tobi Sammet mal wieder einen Ohrwurm nach dem anderen aus dem Ärmel geschüttelt und eine Platte herausgebracht, die keinen Fan enttäuschen wird. Der eine oder andere mag sich vielleicht über den lupenreinen Popsong „Paper Plane“ mokieren, doch selbst der ist objektiv betrachtet super gemacht. „Moonglow“ war für meine Begriffe trotz allem ein kleines Stückchen stärker, dennoch wird auch die neue Scheibe aus dem Hause Avantasia mit Sicherheit oft den Weg in den CD-Schacht finden.

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