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Autumn Hour: Dethroned

Äußerst überzeugendes Debüt
Wertung: 8.5/10
Genre: Progressive Metal
Spielzeit: 56:31
Release: 22.01.2010
Label: Cyclone Empire

Kennt noch jemand die Band Watchtower? Nun, zumindest jedem Freund von progressiven Klängen sollten die Texaner ein Begriff sein, da sie – obwohl sie lediglich zwei Alben in den Achtzigern aufnahmen – im Progressive Metal dank permanenter, irrwitziger Takt- und Tempowechsel neue Maßstäbe setzten. Besonders das 1989er Werk „Control And Resistance“ gilt als Klassiker des Genres.

Auf eben jenem Werk hatte Alan Tecchio, der zuvor bereits bei den Power-Thrashern Hades und bei Non-Fiction aktiv war und momentan auch als Frontmann bei Seven Witches tätig ist, den Posten des Sängers inne. Nun hat Tecchio in Form von Autumn Hour ein weiteres Projekt aus der Taufe gehoben, das ein gutes Beispiel dafür abgibt, wie inzestuös es häufig bei neuen Bandgründungen zugeht, wenn die Mitglieder schon eine beachtliche musikalische Karriere hinter sich haben, da Bassist Clint Arent und Schlagzeuger Dave Lescinsky bereits auf dem jüngsten Seven Witches-Album „Deadly Sins“ von 2007 als Gastmusiker in Erscheinung traten, und letzterer außerdem für zwei Jahre bei Hades die Stöcke schwang.

Fehlt noch Gitarrist Justin Jurman, den Tecchio ebenfalls von früher her kennt – genauer gesagt, aus seiner Zeit bei Non-Fiction, da diese mit Jurmans Band in früheren Zeiten einige Shows zusammen spielten.

Da all jene Formationen mehr oder weniger im Power-, Thrash- und Prog-Metal-Bereich angesiedelt sind beziehungsweise waren, lässt sich für das Autumn Hour-Debüt „Dethroned“ natürlich ein ähnliches vermuten. Und tatsächlich ist diese Mischung sicherlich nicht die schlechteste Umschreibung des vorliegenden Albums, das Prog-typisch mit einem ehrgeizigen lyrischen Gesamtkonzept (es geht hier um künstliche Intelligenz, den technologischen Fortschritt und die dadurch drohende Vernichtung der Menschheit) aufwartet und einen doch recht eigenständigen Sound vorweisen kann. Letzteres ist sicherlich auch ein Verdienst Alan Tecchios, der etliche glänzende, mehrstimmige Gesangsarrangements ausarbeitete, dessen Stimme außerdem immer noch jede Menge Power besitzt, und der auch sehr hohe Tonlagen vollkommen problemlos meistert. Doch natürlich trägt ebenso die zwischen bratender Härte und gefühlvollen cleanen Sounds pendelnde Gitarrenfraktion ihren Teil dazu bei.

Ziemlich stark ist vor allem aber definitiv das Songwriting ausgefallen, der Wechsel zwischen brettharten Riffs, Melodik und melancholischem Balladenstoff ist wirklich glänzend gelungen - wenngleich mehrere Durchläufe auf jeden Fall Pflicht sind, um die Details zu erfassen. So zeigt der starke Quasi-Opener „End User“ gleich mal, wo der Hammer hängt und setzt sich mit seinem mitreißenden Main-Riff ziemlich fix in den Gehörgängen fest – wird allerdings von dem folgenden, um einiges progressiveren und in Sachen Härtegrad mindestens genauso gnadenlosen Stück „Techcceleration (The Machine Speaks)“ (ebenfalls ein tolles Main-Riff, das ordentlich groovt und sich genial mit einem melodischen, von Akustikgitarren begleiteten Refrain abwechselt) noch überboten.

Wesentlich besinnlicher geht es hingegen beim sich toll aufbauenden „Unbelievable (The Mind Speaks)“ und dem ergreifenden „How Were We Supposed To Know?“, bei dem ich mich von der Atmosphäre irgendwie ein bisschen an Nevermores „Tomorrow Turned Into Yesterday“ erinnert fühle, zur Sache. Besonders hervorheben jedoch sollte man wohl den überragenden Titelsong: Genial, wie hier schwerstes Gitarrenriffing in der Strophe auf einen sehr melancholischen, hervorragenden Refrain stößt und auch der kurze Metzelpart in der Mitte und gegen Ende fügt sich wunderbar ein und unterstreicht nur einmal mehr die auf dieser Scheibe vorherrschende Abwechslung.

Überhaupt agiert man gerade zum Ende von „Dethroned“ immer progressiver: Bei „Every Day (The Body Speaks)“ wurde eine ruhige, spannungsgeladene Akustiksequenz zwischen heftiges Riffing gepackt, und „Transcend“ überzeugt sowohl durch die zunächst erklingenden hallgetränkten Clean-Gitarren-Stimmen, die hypnotischen Gesang untermalen – was eine verloren anmutende, gänsehäutige Stimmung fabriziert –, als auch durch den später einsetzenden, nachvollziehbar in den Song integrierten Distortion-Part.

Erwähnenswert ist zweifellos auch das Eurythmics-Cover „Here Comes The Rain Again“, das auf originelle Weise im eigenen Soundgewand präsentiert wird – wüsste man es nicht besser, könnte man vermuten, die Jungs hätten das Stück selbst geschrieben. 

Alles in allem ist Autumn Hour hier ein tolles Debüt gelungen, das durch eine überragende Gesangsleistung, konstant gutes Songwriting und eine klare und somit der futuristischen Thematik gerecht werdende Produktion mehr als überzeugt.

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