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Aun: Phantom Ghost

Ein diffuses Paralleluniversum
Wertung: 7.5/10
Genre: Ambient, Drone
Spielzeit: 43:48
Release: 28.10.2011
Label: Denovali Records

Passender als „Phantom Ghost“ hätten Aun ihr neuestes Werk wohl kaum betiteln können – wie eine flüchtige Erscheinung muten die Songs an und laden zum träumen von Welten ein, in denen Raum und Zeit keine Rolle mehr spielen. Ohne allzu komplex geraten zu sein, verlangt die Musik des Projekts so dem Hörer einiges ab, denn um wirklich nach der Essenz von Aun greifen zu können, muss man sich in einen ähnlich meditativen Zustand fallen lassen, wie ihn die überweltlichen Klänge selbst besitzen.

Um dieses unwirkliche, schwerelose Gefühl zu erreichen, bedient sich die Band grundsätzlich heller Ambient-Klänge, die in ihrer sanft schwingenden Monotonie gelegentlich von dezenten Dronescapes und noch seltener gebrauchten Drums aus ihrer Trance gehoben werden. Charakteristisch ist hierbei der latente Shoegaze-Einschlag, der sich vorrangig in der verträumt-schwebenden Atmosphäre äußert, die Aun ein ganzes Stück weit von anderen Ambient-Acts unterscheidet. Mit der eher passiven Ausrichtung der Musik geht jedoch auch einher, dass „Phantom Ghost“ ein sehr stimmungsabhängiges Werk ist, das zum Nebenbeihören eher ungeeignet ist und am besten in Einsamkeit und mit geschlossenen Augen funktioniert – ein derart esoterisches Hörerlebnis mag sicherlich nicht unbedingt ein Massenpublikum ansprechen, zeigt sich aber durchaus lohnenswert, wenn man sich erst einmal darauf einlässt.

Tatsächlich offenbart sich dann in Relation zum Genre auch relativ viel Variation innerhalb der Stücke, ohne dass jedoch die durchweg verschwommene Atmosphäre verloren ginge. Die ersten beiden Songs, „Phantom“ und „Out Of Mind“, belegen dies mit einem interessanten Kontrast: Während erstgenanntes Stück von hohen Chören in unscheinbare Klangteppiche gleitet, die nur ab und an eine Falte oder Unebenheit aufweisen, führt „Out Of Mind“ die Stimmung in andere Lichtverhältnisse und erzeugt über vorwärtsdrängenden Drums ein grelles Gedankenbild, in das immer wieder entrückte weibliche Stimmen hineindringen. Bis auf die etwas forscheren Elemente wie den Beat in genanntem Song bleibt die Musik generell jedoch eher passiv und erfährt nur durch leichte Schwingungen Veränderungen, wie man sie in „Travellers“ findet.

Bei aller Gleichförmigkeit hat das Album aber durchaus einige herausstechende Momente – da wäre zum einen „Nineteen Eighty-Four“, das sich stetig nähert und wieder entfernt und so zwischenzeitlich ein merkwürdig umfassendes Gefühl erschafft, aber auch das düstere „Orga II“, das das Licht deutlich dimmt und mit zitternder Bassdrum einen ängstlichen Herzschlag erklingen lässt. Am hellsten lässt die Essenz des Bandsounds jedoch der Quasi-Titeltrack „Ghost“ erstrahlen, der mit perfekt ausbalancierten hellen Klängen und unterschwellig bedrohlichen Bass-Sounds das Gefühl aufkommen lässt, jenseits der Zeit auf etwas zu warten. Dezente Drone-Einschübe, die ab- und anschwillende Lautstärke und geisterhafte Gesänge tun ihr übriges, um dem Titel vollends gerecht zu werden und den Song wie ein flüchtiges Phantom direkt durch den Hörer hindurchgleiten und von der unwirklichen Berührung erstarren zu lassen.

Obwohl „Phantom Ghost“ nicht unbedingt ein Meilenstein des Ambient ist, zeigen Aun in Sachen Atmosphäre eine Menge Eigenständigkeit und laden zu einem verschwommenen Trip durch eine Welt ein, die unsere ist und doch wieder nicht. Wer bereit ist, sich den minimalistischen Klangsphären des Projekts hinzugeben und seine Umgebung für eine Weile lang zu vergessen, kann hier ruhig zugreifen und wird mit einem diffusen Paralleluniversum und einer einzigartig schwebenden Stimmung belohnt, die den Hörer allerdings nicht in jeder Stimmung zu fesseln versteht.

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