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Audrey Horne: Pure Heavy

Trotz des zeitlich kurzen Abstandes zum Vorgänger keineswegs ein Schnellschuss
Wertung: 8.5/10
Genre: Classic Rock/ Heavy Metal
Spielzeit: 42:21
Release: 26.09.2014
Label: Napalm Records

Ähnlich wie ihre Labelkollegen von Zodiac legen Audrey Horne nach ihrem erst 2013 veröffentlichten letzten Album „Youngblood“ lediglich anderthalb Jahre später schon wieder mit der nächsten Platte nach: Bei „Pure Heavy“ handelt es sich insgesamt um die fünfte Studiolangrille der Norweger, von der sie bereits auf ihrer Tour im Frühjahr ein paar Kostproben kredenzten bzw. einige Stücke schon mal live austesteten. Bereits hier war zu erkennen, dass die Songs stilistisch in eine ähnliche Kerbe schlagen wie beim Vorgänger. Der allerdings wurde völlig zurecht mit Lobeshymnen überschüttet und spätestens mit dem dritten selbstbetitelten Album hatte das Quintett seinen Stil irgendwo zwischen Classic-Rock-Anleihen mit ganz viel Thin Lizzy-Doppelleadgitarren und melodischem, kraftvollem Heavy Metal ohnehin gefunden.

So gibt es auch auf „Pure Heavy“ jede Menge fein ausgearbeiteter Harmoniesoli, die sich perfekt eingebettet zwischen großen Mitsingrefrains und schweißtreibenden Heavy-Rock/ Metal-Riffs wiederfinden. „Wolf In My Heart“ lässt sogleich automatisch die Powerfaust und die Pommesgabel in die Höhe schnellen – spätestens beim Chorus ist es soweit – und einen bei den spritzigen Doppelsoli wiederum in Ehrfurcht erstarren. Wenn das nicht ein zukünftiger Livestandard wird, dann weiß ich auch nicht. Doch fragt man sich sowieso, wie man sich so viele erstklassige Hymnen aus dem Ärmel schütteln kann, vor allem vor dem Hintergrund betrachtet, dass die Veröffentlichung der letzten Scheibe noch nicht lange zurückliegt. Offenbar jedoch wurden die Jungs gerade ausgiebig von der Muse geknutscht.

Jedenfalls präsentiert sich die Truppe songschreiberisch in bester Form und hat in diesem Bereich mit den Jahren inzwischen große Souveränität erlangt, ohne dass dies automatisch heißen sollte, dass man nur noch routiniert (also abgestumpft) agieren würde. Vielmehr sprüht der Fünfer erneut vor Spielfreude; das größte Plus der Band ist, dass alles so easy und locker-flockig klingt und fließt, man vieles schon nach einem Durchlauf mitgrölen und -singen kann, im Hintergrund jedoch vor allem Gitarren-bezogen unheimlich viel passiert. Einfach grandios, was für exzellente Läufe die Herren Thomas Tofthagen und Arve „Ice Dale“ Isdahl wieder einmal in petto haben. Jeder Hobbygitarrist mit Faible für Doppelleads und Bands wie die erwähnten Thin Lizzy, Iron Maiden, Wishbone Ash oder Psychotic Waltz muss da einfach begeistert sein – oder je nachdem auch verzweifelt sein eigenes Instrument in die Ecke pfeffern.

Angesichts des großartigen Songmaterials empfiehlt sich ersteres jedoch deutlich mehr: „Holy Roller“ beispielsweise groovt sehr fett und regelrecht tanzbar und die melancholische, langsamere Passage bremst den Song keineswegs aus, sondern sorgt nur für mehr Abwechslung. „Into The Wild“ hingegen ist dem Titel gerecht werdend in recht hohen Temporegionen angesiedelt und tritt mächtig Arsch, „Gravity“ ähnelt vom Aufbau her sehr dem Titelsong des Vorgängers, macht aber fast ebenso viel Spaß, während „Waiting For The Night“ mit unwiderstehlich treibendem Drive daherkommt und „Volcano Girl“ (herrlicher Titel by the way) mit seinen „Ohoho“-Chören ebenfalls umgehend auf die Setlist der Skandinavier gepinselt gehört.

Das kurze und vergleichsweise simple „Tales From The Crypt“ untermauert wiederum den Status Audrey Hornes als Partyband ungemein; der Song basiert auf einem schlicht geklatschten 2/4-Beat und ist mit etlichen Hintergrundgeräuschen wie Pfeifen, Husten und Rufen ausgestattet und das Break in der Mitte, bei dem offenkundig eine Bierdose geöffnet wird, ist an Coolness nicht zu überbieten. „Out Of The City“ offenbart sich ebenfalls als eher simpel und kann auch nicht ganz mit der Klasse der anderen Tracks mithalten, „Diamond“ markiert als kurzes Akustik-Interlude eine willkommene Verschnaufpause zwischen dem ganzen Abfeiern, und das abschließende „Boy Wonder“ kommt irgendwie etwas nachdenklicher daher. 

Meiner Ansicht nach war „Youngblood“ schon noch ein kleines Stück stärker, aber letztlich ist das auch unerheblich – eine sehr gute Scheibe ist Audrey Horne mit „Pure Heavy“ in jedem Fall erneut geglückt. Dabei stechen nicht nur die hervorragenden Kompositionen und die großartigen technischen und musikalischen Fähigkeiten der Protagonisten hervor; es ist außerdem sehr liebenswert, wie diese Jungs mit Klischees spielen: Eine fette Kühlerhaube auf dem Cover, der Albumtitel selbst – doch wer die Band mal live gesehen hat, weiß, dass die Kerle viel Humor und Selbstironie sowie eine äußerst sympathische Ausstrahlung besitzen.

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