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Audrey Horne: Blackout

Songschreiberisch nicht durch die Bank überzeugend, aber mit überragender Gitarrenarbeit
Wertung: 8,5/10
Genre: Classic Hard Rock
Spielzeit: 51:07
Release: 12.01.2018
Label: Napalm Records

Entgegen der landläufig anscheinend recht verbreiteten Meinung, der letzte Audrey Horne-Output „Pure Heavy“ sei qualitativ eher unterdurchschnittlich ausgefallen, gefällt dem Verfasser dieser Zeilen die 2014er Scheibe immer noch ziemlich gut. Das Argument, das Album sei ein Schnellschuss gewesen, da es nur rund anderthalb Jahre nach dem Vorgänger „Youngblood“ erschien, kann zumindest ich nicht teilen. Von einem Schnellschuss kann diesmal jedenfalls definitiv nicht die Rede sein, da die Norweger sich für ihr sechstes Studiowerk „Blackout“ wesentlich mehr Zeit genommen haben.

Der vorab als erstes veröffentlichte Appetizer und gleichzeitige Albumopener „This Is War“ sollte wohl gleich mal jeden Fan überzeugt haben – filigrane, Maideneske Twingitarren und ein saustarker Refrain, den man spätestens nach zwei Durchläufen mitschmettert, steigerten die Erwartungshaltung nahezu ins Unermessliche; es ist nicht übertrieben, wenn man die Nummer zu einer der stärksten Audrey-Horne-Kompositionen überhaupt zählt.

Das folgende, clever betitelte, flotte „Audrevolution“ kann da zwar schon nicht mehr mithalten und ist wesentlich simpler gestrickt, punktet aber dennoch ebenfalls mit fetten, treibenden Gitarren und erneut einem herrlichen Mitgröl-Refrain, bei dem die Powerfaust automatisch in die Höhe schnellt. Der mächtig im Midtempo groovende Titeltrack komplettiert anschließend ein vorzügliches, mitreißendes Eröffnungstriplett – die detailliert ausgefeilte Gitarrenarbeit am Ende ist dermaßen geil, dass es einen fast wahnsinnig macht. Jeder Fan von Doppelläufen muss hier niederknien, denn dieses Niveau findet man derzeit sonst sicherlich nirgendwo, obwohl es doch eine ganze Reihe toller Bands gibt, die im Thin-Lizzy-Fahrwasser schippern.

Unglücklich nur, dass dieses klasse Dreierpack auch gleichzeitig das eindeutig stärkste Material des Albums ausmacht, das Beste wird also zu Anfang verballert und danach kommt die Band nicht mehr an dieses Level heran – was nicht heißen soll, der Rest sei komplett unbrauchbar. Man schwächelt zwar hier und da ein klein wenig; so tönt „Satellite“ arg stumpf (macht sich hier die gemeinsame Tour mit Danko Jones im letzten Jahr bemerkbar?), ist „Midnight Man“ ein bisschen fad und „Light Your Way“ trotz des fetzigen Mainriffs vielleicht ein bisschen zu sehr Selbstzitat („Blaze Of Ashes“ lässt überdeutlich grüßen). Hier ist es aber einmal mehr die überragende Gitarrenarbeit, die einige Kohlen aus dem Feuer holt. So macht die Wah-Wah-getränkte zweite Hälfte von „Satellite“ dann doch wieder viel Spaß, nachdem die erste ein wenig ernüchternd wirkt.

Auch „This One“ dürfte zwiespältig aufgenommen werden; wenn im Hintergrund mal ein paar poppig anmutende „Uhuhu“-Gesänge auftauchen, geht ja bei vielen beinharten Rockern und Metallern schon gleich die Welt unter. An sich liegt hier jedoch ein smoothes und zugegebenermaßen etwas softeres Stück vor, das nach dem furiosen Opener-Dreier Durchschnaufen bietet und sehr griffig daherkommt.

Stark einzuschätzen ist ebenso „California“, das mit melancholischer Schlagseite ausgestattet wurde, welche man zuletzt etwas vermisste, und schöne Gesangslinien und – natürlich – wundervolle Gitarrendoppelläufe bietet. Nett auch die Thin Lizzy-Hommage „Rose Alley“, die man nur so benannte, um die Fans nicht irrezuführen, denn es handelt sich um eine Eigenkomposition und kein Cover – wobei das Lizzy-Stück „Rosalie“ damals ja streng genommen ebenfalls ein Bob Seger-Cover darstellte. Bei „Naysayer“ hingegen wird wieder primitiver gerockt und man glaubt zwischendurch, in Motörhead-Gefilden gelandet zu sein, andererseits sind auch erneute Maiden-Referenzen unüberhörbar.

Alles in allem ist Audrey Horne mit „Blackout“ wieder eine verdammt gute, knackig produzierte Platte geglückt, stärker als die selbstbetitelte und „Youngblood“ sehe ich sie allerdings nicht. Es gibt ein paar schwächere Momente, die aber wie erwähnt allein von der umwerfenden Gitarrenarbeit ausgeglichen werden können – Spaß macht die Scheibe in jedem Fall und man darf sich jetzt bereits darauf freuen, wenn das Material auf der bald stattfindenden Tour live dargeboten wird. Toschie singt souverän wie gewohnt – es mag technisch bessere Frontmänner geben, aber er besitzt Eigenständigkeit und Charisma, und ein ähnliches sagte man immerhin damals auch gerne über the one and only Phil Lynott.

Textlich agiert man wenig tiefschürfend (Zeilen der Marke „Give me your heart, give me your soul, hands in the air, let’s turn it up loud“ sind nicht gerade der Weisheit letzter Schluss), aber geschenkt, Audrey Horne wollen eben vor allem Party machen. Unverständlicher ist vielmehr, wieso die beiden wirklich großartigen Songs „Juggernaut“ und „The End“ lediglich als Bonustracks fungieren, obwohl sie doch überzeugender ausgefallen sind als „Midnight Man“ oder „Satellite“.

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