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Attick Demons: Atlantis

Portugiesen auf dem Maiden-Zeitstrahl
Wertung: 7/10
Genre: Heavy Metal
Spielzeit: 45:28
Release: 26.08.2011
Label: Pure Steel Records

Portugal gehört schon lange nicht mehr zum Entwicklungsland diverser Spielarten des Metal, weswegen sich auch die Bands wie Attick Demons nicht mehr nur Lokalvergleichen, sondern szenerelevanten und Länder übergreifenden Besprechungen stellen müssen. Hilfreich dürfte da der Deal mit Pure Steel Records sein, denn das kleine Label aus Deutschland kümmert sich fortan um die Belange der Portugiesen, die zuvor in ihrem 15-jährigen Bestehen kaum bis gar nicht über die Landesgrenzen hinaus bekannt waren. Bisher stehen neben den beiden Demo-Tapes aus den Neunzigern auch die beiden EPs „Attick Demons“ (2000) sowie „Atlantis“ (2006) im Attick Demons-Veröffentlichungskatalog, und mit der 2011er Version „Atlantis“ legen sie nun ihre erste vollständige Dröhnung vor.

Weniger mystisch wie das Inselreich Atlantis selbst schicken Attick Demons mit ihrem Longplayer ihre Fans auf eine Zeitreise, denn ob sie wollen oder nicht, sie müssen sich den Vorwurf gefallen lassen, ihren Helden Iron Maiden förmlich hinterher zu hecheln. Das liegt nicht nur an den Songs selbst, sondern Frontmann Artur Almeida scheint sich das Stimmmodul eines Bruce Dickinson aus der Zeit um 1990 eingepflanzt zu haben – Fluch und Segen zugleich. Segen deswegen, weil er damit natürlich über ein Sangestalent verfügt, das ihn gleich für jede Maiden-Coverband interessant macht und sicherlich könnte er auch hinter der Bühne den Bruce ersetzen, sollte dieser seine Texte vergessen und nicht rechtzeitig zum nächsten Teleprompter sprinten. Und auch der Fluch (bei dem Bandnamen!) an sich liegt ja auch auf der Hand: Attick Demons haben so ihren Stempel weg.

Mit Belegen für die Maiden-Theorie muss man auch nicht lange warten: Startet „Back In Time“ noch mit einer Mischung aus einer ganz kleinen Prise US-Metal und ganz viel Maiden-Metal, so können sie spätestens beim Einsetzen des Gesangs diesen Vergleich nicht mehr negieren. Aber auch die Gitarrenarbeit und vor allem der pumpende Bass lassen keinen Zweifel aufkommen – mehr Maiden haben ja Maiden aktuell nicht mehr. Noch deutlicher wird es dann mit „City Of Golden Gates“; hier gewinnt man den Eindruck, dass Bruce' Gesangslinien von einer 1989er Aufnahmesession aufgekauft und hierher kopiert wurden. Allerdings hört sich der Song nicht wie Stückwerk an, sondern gehört so wohl zu den besten Hommage-Songs weltweit aller Zeiten. Und auch „The Flame Of Eternal Knowledge“ riecht (riechen, nicht müffeln) in jeder Note nach Maiden, auch wenn hier ein kleine Würzmischung US-Metal untergejubelt wurde.

Und für alle, denen bisher noch Zweifel an der geplagten Metallerseele nagte: Beim Titeltrack „Atlantis“ steuert der „wieder aus dem Knast raus“-Paul Di'Anno ein paar Gastvocals bei und hört sich dabei ein wenig nach einem angepissten und angeschossenen Straßenköter an – gesanglich kommt er zwar wie auch live nicht mehr annähernd an seine früheren Glanzleistungen heran, doch sein einzigartiges Organ können Fans auch blind so herausfiltern. Komplett wird „Atlantis“ dadurch, dass sich darüber hinaus Ross The Boss mit einem Gitarrensolo einbrachte.

Mit „Sacrifice“ verlassen Attick Demons zunächst den Heavy-Metal-Pfad und leiten diesen Song wie eine Ballade ein. Doch schnell steigen sie wieder in die galoppieren Gitarrenarbeit ein, einmal mehr pumpt der Bass Lebenssaft spendend im Hintergrund und die Twingitarren heulen mehr und mehr maidenesk auf.

Leider liefern Attick Demons mit „Meeting The Queen“ auch einen richtigen Downer – die Stichworte Semiballade trifft auf Nightwish und Co.-Schwurbelursel sagen da wohl alles – der bisher gute Eindruck bekommt einen fetten Tiefschlag unter die Gürtellinie, da kann sogar das vermeintlich wohl beste Gitarrensolo der Platte diesen Song nicht rechnen. Was singt sie da? „I don't wann see“? Ich will nix mehr hören, weder das Klavier noch die sägenden Gitarren, nur noch schnell nur die Skiptaste in der Hektik finden…

„Listen To The Fool“ ist dann zum Schluss doch wieder eine Wiedergutmachung, auch wenn das Keyboardintro eher überflüssig erscheint. Zum Glück wird das schnell wieder durch die Metalinstrumente Gitarre und Bass übertönt, die per Midtempo wieder den Träller- und Sülzfaktor aus den Ohren pusten.

Attick Demons müssen sich sicherlich den Vorwurf gefallen lassen, doch etwas zu sehr ihren großen Vorbildern Iron Maiden nachzueifern, doch zum Glück greifen sie da auf eine Epoche zurück, in der Maiden auch noch Songs geschrieben haben – kurz und knackig präsentieren die Portugiesen ihre Version des Powerstahls, setzen die Twin-Gitarren wie selbstverständlich ein, haben mit Artur einen Sänger, der es auch wirklich kann und ein unglaublich großes Stimmvolumen abdeckt, dabei aber zu sehr nach Bruce klingt und somit nur schwer eine eigene Identität aufbauen kann. Maiden-Fans können hier genauso bedenkenlos zugreifen wie Fans von gut gemachtem klassischem Heavy Metal – Attick Demons machen Spaß, keine Frage, aber originell geht anders. Ohne „Meeting The Queen“ wären es dann auch 7,5 Punkte geworden, aber die B-Note zieht dann doch noch etwas nach unten.

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