Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Atrox: Monocle

Weniger Härte, mehr Kurzweil
Wertung: 7/10
Genre: Industrial Metal
Spielzeit: 40:32
Release: 08.09.2017
Label: Dark Essence / Karisma

Die Norweger von Atrox haben sich mit der Veröffentlichung des aktuellen Albums ein klein wenig länger Zeit gelassen als üblich. Neun Jahre sind im Vergleich zum üblichen Veröffentlichungsturnus doch eine recht lange Zeit. Aber sei´s drum, Fakt ist, dass das aktuelle Album, „Monocle“, Anfang September veröffentlicht wurde und die wartende Anhängerschaft nun endlich neues Futter bekam.

 

Im Fall von „Monocle“ kommt die Schwierigkeit mit der Objektivität besonders zum Tragen. Denn bei einer Bewertung von Atrox neuestem Output kommt es sehr darauf an, was man erwartet und welchen musikalischen Hintergrund man hat. Um sich die niemals völlig ausblendbare Subjektivität, auch wenn man sich noch so sehr um Objektivität bemüht, zu vergegenwärtigen, mag sich der Leser nun folgendes Szenario vorstellen:

Es treffen sich die alten Kumpel Olaf und Sören in ihrer Stammkneipe auf ein Feierabendbierchen. Olaf ist seit Jahren Black- und Death-Metal-Anhänger, Sören steht eher auf Gothic und Darkwave, hört sich aber auch mal ein Metalalbum an. Wie es der Zufall so will, haben beide am selben Morgen „Monocle“ von Atrox angehört und tauschen nun ihre Eindrücke aus:

 

Olaf: „Tja, was soll ich sagen? Stellenweise schon nette Ideen, manchmal ja auch ein bissl aggressive Gitarren, die etwas Härte transportieren. Aber insgesamt nicht ganz mein Ding.“

 

Sören: „Meins auch nicht ganz, aber im Grunde besitzt jeder der Songs eine gewisse Eingängigkeit und gleichzeitig auch Selbständigkeit. Muss man schon anerkennen. Und dann natürlich auch die experimentell-avantgardistischen Anteile…“

 

Olaf: „Meinst du mit experimentell-avantgardistisch etwa die sonderbaren Pop- oder HipHop-Anleihen? Jetzt mal ganz im Ernst, das brauchts ja wohl wirklich nicht!“

 

Sören: „Jetzt spinnst aber total. Wo ist da denn HipHop? Ich finde übrigen schon, dass man hier von harter, wenn nicht sogar von sehr harter Musik sprechen kann.“

 

Olaf: „Da darüber lässt sich streiten, wenn ich harte Musik hören will, greife ich bestimmt nicht zu Atrox.“

 

Sören: „Aber man muss sich ja auch nicht immer nur dein Black- oder Death Metal- Geknüppel antun. Für die, denen es um eine kalte und mechanische Atmosphäre geht, für die passt 'Monocle' zumindest teilweise. Die aggressiven 'Industrial'- Abschnitte sind mir dann aber etwas zu hektisch.“

 

…und so weiter…

 

Möglichst objektiv zusammengefasst bedeutet das, dass Atrox mit „Monocle“ einen Genremix aus Rock und Industrial Metal zusammengestellt haben, wobei der Industrial-Anteil deutlich überwiegt. Stellenweise („Vacuum“) erinnert das Album musikalisch etwas an The Kovenant, wobei aber auch sehr eingängige, im Extremfall sogar popige Passagen zu hören sind („Heat“), die gesanglich Richtung Depeche Mode ausschlagen. Allgemein kann man sagen, dass „Monocle“ im Laufe der Spielzeit wächst. Machen die ersten Minuten noch nicht allzu viel her, kommt spätestens ab der Mitte des Albums eine kalte-düstere Atmosphäre auf, die dann doch für ein gewisses Vergnügen beim Hören sorgt.

Fazit: Eines kann man Atrox auf jeden Fall zugestehen, „Monocle“ ist insgesamt ein kurzweiliges Album geworden. Dafür sorgen insbesondere die Eingängigkeit (das Wort „Pop“ wäre etwas übertrieben) und die Abwechslung, welche ein Genremix möglich macht. Auf der anderen Seite ist „Monocle“ nicht Fisch und nicht Fleisch: Richtig harte Musik liegt nicht vor. Ruhig oder entspannend ist es aber auch nicht. Irgendwo auf dem Weg zwischen diesen beiden Extremen wird „Monocle“ aber zweifelsohne seine Anhänger finden.

comments powered by Disqus

Vigilance, Erazor & Spiker im Konzert (Essen, Oktober 2017)

„Bisschen Bier, bisschen Headbangen, bisschen Metal“

Insgesamt gelungener Tourauftakt im verregneten Hamburg