Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Atreyu: Congregation Of The Damned

Atreyu sind dem Core entwachsen
Wertung: 8/10
Genre: Metal, Rock
Spielzeit: 48:45
Release: 23.10.2009
Label: Roadrunner Records

Atreyu waren schon Metalcore, da wusste noch kein Mensch, dass es überhaupt existiert. Mit ihrem ersten Studioalbum "Suicide Notes And Butterfly Kisses" legten sie 2002 unter anderem den Grundstein für die Entwicklung dieses Sub-Genres; auch ihr zwei Jahre später erschienenes Werk "The Curse" festigte ihren Ruf als eine der ersten US-amerikanischen Metalcore-Bands. 

Schon 1998, im Gründungsjahr der Band, hatten sie ihre erste Demo "Visions" veröffentlicht, sowie 2001 eine EP mit dem sperrigen Titel "Fractures In Facade Of Your Porcelain Beauty"; nur krähte damals noch kein Hahn nach dem Quintett aus Kalifornien. Erst als die vorherrschende Nu Metal-Welle abzuflauen begann, erschienen Atreyu auf der Bildfläche und krempelten, zumindest im Kleinen, die Musikszene um.

Jetzt, elf Jahre nach den ersten zaghaften Gehversuchen als Band, erscheint das siebte Werk der Jungs mit dem klangvollen Namen "Congregation Of The Damned". Vom einstigen Metalcore-Wunder ist nicht mehr viel übrig, vielmehr versuchen Atreyu sich vielschichtiger zu präsentieren und sich mehr an Metal und Rock im Allgemeinen zu orientieren.

Was die Band speziell seit "Fractures..." auszeichnet, ist der zusätzliche Gesang von Drummer Brandon Saller und, seit "A Death-Grip On Yesterday" (2006), auch der des Bassisten Marc McKnight. Dabei hätte Sänger Alex Varkatzas die Untersützung keineswegs nötig; schon immer mit einem recht kräftigen Organ ausgestattet, hat der Mann sich seit den Erstlingswerken der Band noch unglaublich weiterentwickelt.

Alex´ Gesang ist es auch zu verdanken, dass der Opener "Stop! Before It´s Too Late" sofort zündet: Sein aggressiver Gesang kommt vorerst ohne übermäßige Shoutings aus, die genialen Gitarrenlicks tun ihr übriges, um die Messlatte für den Rest des Albums hoch anzusetzen. "Bleeding I A Luxury" fällt zwar wieder core-lastiger aus, überrascht aber mit sehr knackigen Drums, druckvollen Gitarren und - tadaaa - Streichern. Jawohl, wir haben alle richtig gelesen; Atreyu sind älter geworden und trauen sich jetzt tatsächlich, auch klassische Instrumente einzusetzen.

Eins wird sich aber wohl nie ändern: Den Gitarrensound der beiden Saitenmänner Dan Jacobs und Travis Miguel erkennt man wirklich überall. Schon in den ersten Sekunden von "Coffin Nails" erkennt man die Band wieder, wobei der Refrain ungewohnt emohaft wirkt. Gewöhnungsbedürftig, aber durchaus passend, wie ich finde. Auch "Gallows" klingt schon in den ersten Takten nach Atreyu; der Song erinnert stark an ältere Stücke wie "Ain´t Love Grand" oder "Right Side Of The Bed" und weckt Erinnerungen an die Zeit, als Core noch klein und unschuldig war.

"Storm To Pass" hat es dem Titel entsprechend in sich; obwohl der Song recht unscheinbar beginnt, entspringt daraus ein absoluter Hammerchorus, in dem sowohl Alex´ als auch Brandons stimmliche Weiterentwicklung deutlich wird. Auch bei "You Were The King, Now You´re Unconscience" bekommt man einen Eindruck, was die reiferen Atreyu ausmacht: Abgesehen von dem geilen Intro, das mit jubelnden Menschen mehr Bühnen-Atmosphäre verbreitet als so manche Liveaufnahme, fällt vor allem auf, wieviel besser der Gesang im Gegensatz zu den früheren Platten klingt. Witzigerweise klingt Alex phasenweise ein wenig nach dem Sänger der selbsternannten Missionare Avenged Sevenfold, was der Stimmung aber keinen Abbruch tut. 

Während der Lead-Sänger positiv heraussticht, stört Brandons Gesang immer mehr - da er fast jeden Chorus dominiert, rutschen die Songs schnell mal ungewollt in die Emo-Schiene ab, was ziemlich schade, aber wohl nicht zu ändern ist. Den sprichtwörtlichen Vogel schießen Atreyu allerdings mit dem Schlusslicht ihres Albums ab; lag bisher noch eine durchaus solide Metalplatte vor, wird der Gesamteindruck jetzt fast lächerlich verzerrt: "Wait For You" - der Titel lässt es uns bereits befürchten - startet mit einem Klavierintro und entpuppt sich als Emo-Schmalzballade erster Güte. Zwar passt die Stimme des Drummers hier super zum Song, dafür klingen die Männer allerdings wie 14-Jährige, die zum ersten Mal den Versuch eines Liebesliedes wagen. Das Stück passt nicht nur kein bisschen zur Band und dem Album, es ist auch schlicht und ergreifend nicht gut.

Bis auf diesen kleinen - aber erschreckenden - Patzer kann man bei "Congregation Of The Damned" getrost zugreifen. Atreyu haben es geschafft, ihr beengendes "Coresett" nach und nach abzustreifen und klingen auf ihrer neuen Scheibe reifer als jemals zuvor, ohne ihren alten Sound völlig zu vernachlässigen. Nun müssen zwar andere die Metalcore-Fahne in Ehren halten, aber da findet sich bestimmt schnell die eine oder andere Band.

comments powered by Disqus

Top-Stimmung in der Markthalle auch an einem Mittwochabend

Auch die unsägliche Informationspolitik kann einem den Spaß nicht verderben

Stimmungsvoller Abend mit zwei motivierten Bands