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Atomic Neon: Darkenia

Traurige Songs traurig umgesetzt
Wertung: 5/10
Genre: Gothic Rock
Spielzeit: 56:27
Release: 02.10.2008
Label: Black Rain Records

Die sechs Mitglieder von Atomic Neon sind Außerirdische, die auf der Suche nach dem gestohlenen Grundbaustein des Lebens auf ihrem Heimatplaneten (dem atomaren Neon eben) auf der Erde strandeten und hier ihre Band gründeten. Die Trauer um das baldige Ende ihres Planeten, die bei ihrer Abreise herrschte, spiegelt sich in den Songs ihres Albums „Darkenia“ wieder.

Zumindest behauptet die Band all jenes auf ihrer MySpace-Präsenz. Wahrscheinlicher ist, dass die sechs Musiker aus Essen und Umgebung kommen und sich auf ihrem Album dem Gothic Rock nach Cure’schem Vorbild mit leichtem (Post-)Punk- und Alternative-Einschlag widmen. Die englischen Gothic-Pioniere drängen sich als Vergleich nämlich förmlich auf: Nicht nur die Gitarren und Keyboards erinnern stark an The Cure, insbesondere die Stimme von Sänger Rio Black weist gewaltige Ähnlichkeiten zu Robert Smiths leidendem Organ auf. Laut Tracklist und Booklet singt er jedoch nicht nur Englisch, sondern auch Deutsch.

Der erste Song „Who Am I“ produziert jedoch zunächst ein gewaltiges Fragezeichen über dem Hörerkopf: Eine äußerst dissonante Basslinie rumpelt los, begleitet von einem säuselnden Keyboard und einer noch dissonanteren Gitarre. Soll das so klingen? Auch Rio Black liefert dazu keine wirklich überzeugende Gesangsleistung ab. Obwohl sich der Song im Refrain und zum Ende hin deutlich steigert und bessert hinterlässt er insgesamt einen eher durchschnittlichen Eindruck, den auch der zweite, deutlich weniger deprimiert klingende Track „Blades“ nicht zerstreuen kann.

Dafür macht die Band im Titel „Cold Room“ alles richtig: Verträumte Gitarren, atmosphärische Keys, pluckernder Bass, melodischer und sicherer Gesang. Auch wenn das Ganze jetzt besonders stark an das englische Vorbild erinnert; es klingt gut, so darf es gerne weitergehen.

Tut es aber leider nur bedingt: Zwar ist z.B. der Titeltrack, in dem besonders der nun gar nicht mehr Cure-ähnliche Gesang auffällt, interessant und atmosphärisch gestaltet, die meisten Songs des Albums wirken aber durch Unsicherheiten, Timingprobleme (beispielsweise im Song „We Kiss“), gesangliche Schwächen und/oder schwache Produktion eher durchschnittlich und bieten wenig Innovatives. Die Trauer und Melancholie, die mit der Musik ausgedrückt werden soll, wirkt leider allzu oft aufgesetzt und gekünstelt.

Die deutsch gesungenen Tracks „Mein Kleid“ und „Herrgott“ bieten zwar in Hinblick auf Sprache und Vokalklang Abwechslung, bleiben aber leider textlich eher mittelmäßig bis banal; Eigenschaften, die leider auf den Großteil der Lyrics zutreffen, die aber auf Englisch nicht so sehr deutlich werden.

Unterm Strich sind auf „Darkenia“ wenige gute und ansonsten lediglich mittelmäßige bis schwache Songs zu finden. Viel Potential wurde durch zu schwache Produktion verschenkt und besonders der Gesang offenbart an vielen Stellen Unsicherheiten und Schwächen. Schade, denn Rio Black zeigt auch an mehreren Stellen des Albums, dass er in der Lage ist, ansprechend und vor allem der Musik angemessen zu singen. „Darkenia“ ist somit ein relativ unspannendes Album geworden, das man nicht unbedingt gehört haben muss. Fans von The Cure könnten trotzdem ein Ohr riskieren und finden vielleicht sogar Gefallen an den gestrandeten, traurigen Außerirdischen.

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