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Athem: The Extended Mind

Ein noch nicht perfektes, aber vielversprechendes Debüt
Wertung: 7.5/10
Genre: Progressive Metal
Spielzeit: 66:30
Release: 25.02.2011
Label: Spectastral Records / Dust On The Tracks

Progressive Metal gilt im allgemeinen als „intellektuelle“ Musik: Die Bands versuchen, neue Grenzen auszuloten, indem sie entweder munter verschiedenste Stile vermixen oder sich in Form von komplexen, sehr langen Songs mit Rhythmus- und Taktwechseln austoben oder sich in Frickelorgien ergehen – oder alle drei Punkte zusammen. Das Selbstverständnis der Fans dieses Genres kann sich durchaus ebenfalls von der Bescheidenheit des „gemeinen“ Metalheads unterscheiden; nicht nur Herz, Bauch und Seele sind gefragt, sondern auch der Kopf, also die musikwissenschaftliche Seite. Dies kann sowohl positiv sein (es schadet schließlich nicht, Ahnung von Musiktheorie zu haben und offen für das Einflechten neuer Stilrichtungen in unsere Lieblingsmusik zu sein), als auch negativ (es soll ja Progger geben, die sich als etwas Besseres ansehen und überspitzt gesagt alles ablehnen, was ausschließlich im 4/4-Takt geschrieben wurde, und die Musik lieber mit dem Kopf als mit dem Herzen hören, sprich, analysieren statt genießen).

Warum dieser kleine Exkurs? Nun, die Sache mit dem Intellekt kommt einem bei einer Band wie Athem schnell in den Sinn, da schon das Cover mit der Zeichnung des „Vitruvianischen Menschen“ von Leonardo da Vinci nicht gerade auf eine Drei-Akkord-Combo schließen lässt und auch die Musiker, trotz der Lederjacke des Sängers, sehr brav und gepflegt ausschauen – wie Sozialpädagogik-Studenten eben und nicht wie Party machende Metalfreaks. Erwartet den Hörer also seelenloses, vermeintlich intellektuelles Griffbrett-Gewichse, eiskalt berechnete Zurschaustellung handwerklicher Fähigkeiten? Zum Glück nicht, der Albumtitel „The Extended Mind“ allein scheint bereits zu implizieren, dass diese fünf Jungs aus New Jersey eher der ersten Kategorie von Proggern zuzuordnen sind. Und von Äußerlichkeiten soll man sich bekanntermaßen ohnehin nicht leiten lassen.

Die vorliegende Scheibe markiert das Debüt des Quintetts und in ihrer Heimat sollen Athem schon mächtig angesagt sein – überschwängliche Kommentare wie „I’ve heard the future of prog“ oder „If you are a fan of prog, don’t take your eyes off of Athem“ verdeutlichen dies, und so mancher US-Kritiker will in der Band gar die „Enkel von Yes“ herausgehört haben. Doch um ehrlich zu sein, erschließt sich mir der Vergleich mit Jon Anderson, Chris Squire und Co. nicht so wirklich, und auch die Behauptung, dass die Beatles und Pink Floyd auf der Platte zitiert würden, scheint etwas abwegig. Vielmehr scheint der Fünfer der Musik der New Yorker Nachbarn Dream Theater gelauscht zu haben, und auch Polens Prog-Formation Nummer eins, Riverside, schimmert zwischendurch mal durch – trotz hoher atmosphärischer Dichte ist das Ganze eher modern als retro. So mutet die Keyboardsequenz in der Mitte von „Away“ ziemlich futuristisch an, und auch in „Prince Of Lies“ werden zum Teil sehr spacige Töne angeschlagen. Auch die technisch atemberaubenden Achterbahnfahrten in den zwölf beziehungsweise fünfzehn Minuten dauernden Herzstücken „Enigmatic Reverie“ und „Lifting The Veil“ lassen eher an aktuelle Frickelcombos denn an Siebziger-Prog-Größen denken. Auf der anderen Seite ist aber auch immer Platz für sanfte, cleane Gitarrensounds und seelenwärmende Keyboardsounds, die psychedelisch angehauchtes Seventies-Flair verbreiten. Im instrumentalen Titelstück sind sogar jazzige, Fusion-artige Klänge auszumachen.

Uneingeschränkte Empfehlung also? Fast. Obwohl Athem einige echt coole Einfälle zu bieten haben (allein die beiden Longtracks laden zu Kopfhörersessions ein, bei denen es eine Menge Details zu entdecken gilt) und ihre Stücke trotz des erkennbaren Ehrgeizes, möglichst viele verschiedene Elemente unter einen Hut zu bekommen, im Großen und Ganzen nachvollziehbar aufgebaut sind, fehlt hier und da noch ein wenig die kompositorische Reife, weswegen sie die Acht-Punkte-Marke nicht ganz knacken können. Denn es mangelt an wirklich zündenden Hooklines, wenngleich mit der prägnanten Gitarrenmelodie am Ende des Quasi-Openers „Fallen God“ ein guter Anfang gemacht ist. Ohne Zweifel aber sind die Jungs absolut auf dem richtigen Weg, zumal sie neben handwerklich vorzüglichen Fähigkeiten (und der Drummer ist keine 20!) mit Will Shaw außerdem einen sehr guten Sänger in ihren Reihen haben (remember: der mit der Lederjacke), der mit einer sehr weichen und einschmeichelnden, dabei aber einen großen Umfang umfassenden Stimme (von der Art her irgendwie der von IQs Peter Nicholls ähnlich) betört - weiter so, da geht noch was!

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