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At The Gates: To Drink From The Night Itself

Auch das zweite Album nach dem Comeback kann auf ganzer Linie überzeugen
Wertung: 8,5/10
Genre: (Melodic) Death Metal
Spielzeit: 44:44
Release: 18.05.2018
Label: Century Media

Wie viele einst gefeierte Bands scheitern mit dem Unterfangen, nach mehreren Jahren Pause ein Comeback-Album zu veröffentlichen? Häufig schafft man es schlicht nicht mehr, den Spirit der damaligen Zeit einzufangen. At The Gates hingegen gelang mit dem 2014er Output „At War With Reality“ (der ersten Studio-Full-Length nach 19 Jahren) eine viel beachtete und respektable Rückkehr, und da Frontmann Tomas Lindberg betont, dass die Band „immer noch hungrig“ sei, war eine weitere Scheibe nur die logische Konsequenz.

Nicht mehr ganz so hungrig allerdings schien Gitarrist Anders Björler zu sein, kehrte er den Göteborg-Death-Metal-Pionieren doch im letzten Jahr den Rücken – zweifellos ein herber Verlust, den die Schweden aber recht zügig mit Jonas Stålhammar (wenn der Name nicht Metal ist…) ausgleichen konnten. Stålhammar spielt mit Lindberg und Drummer Adrian Erlandsson außerdem bei der 2016 ins Leben gerufenen Combo The Lurking Fear, man kennt sich also und ist gut aufeinander eingespielt.

Das hört man der neuen Platte „To Drink From The Night Itself“ auch deutlich an. Klar, große Innovationen wird man hier vergeblich suchen, aber wer erwartet das bei At The Gates im Jahre 2018 auch noch groß? Ja, man hat immer wieder das Gefühl, das eine oder andere Riff schon mal gehört zu haben – aber ganz ehrlich: Scheißegal, wenn man es trotzdem versteht, einfach starke Songs zu schreiben und mit einer nach wie vor einzigartigen Atmosphäre aufzutrumpfen.

Das Ganze tönt düsterer als der Vorgänger – das zugrunde liegende Thema ist denn aber auch schon alles andere als leicht verdaulicher Stoff: Die Formation hat sich mit dem 1000-Seiten-Wälzer „Die Ästhetik des Widerstands“ des deutsch-schwedischen Autors Peter Weiss beschäftigt (so macht auch der Titel des Intros Sinn, der naturgemäß sofort ins Auge springt) und wollte die „Verzweiflung von Kampf und Widerstand“ einfangen, „wenn ein Sieg unerreichbar ist und der Kampf trotzdem weitergeht“. At The Gates waren ja schon immer eine Band, die lyrisch tiefschürfend agierte und sich nicht mit den üblichen, platten Todesstahl-Klischees à la Töten, Ausweiden, Aufschlitzen etc. zufriedengab.

Es braucht nicht viele Durchläufe, um als Fan der Truppe in den Bann gezogen zu werden: Der treibende Titeltrack nach dem Intro startet mit ordentlich Schmackes, das Mainriff brennt sich umgehend in die Hirnrinde ein und sofort wird klar, dass die Jungs in all den Jahren nichts verlernt haben: Ihre größte Stärke sind immer noch jene versteckten kleinen Melodien, die ebenso dezent herüberkommen wie sie gleichzeitig ziemlich eingängig sind. Wo andere Bands des Genres in Keyboardkleister ersaufen wie Dark Tranquillity oder musikalisch so gut wie jede Relevanz verloren haben (In Flames), sind sich At The Gates treu geblieben und klingen immer noch brutal, dunkel und fies.

Einen regelrechten Ohrwurm markiert beispielsweise das grandiose „In Nameless Sleep“ mit einer sehr auffälligen, an sich simplen, aber doch unglaublich effektiven Melodie im Chorus, auch das getragenere „Palace Of Lepers“ trägt eine typische ATG-Tonfolge im Refrain. Über die gesamte Distanz betrachtet, agiert die Truppe relativ abwechslungsreich. So verbindet „The Chasm“ clever eine nach vorne peitschende Strophe mit melodischen, zum Finale hin gar verspielten Gitarreneinschüben, die den Song in positiver Weise ausbremsen. Auch „A Stare Bound In Stone“ und das an vorletzter Stelle stehende „In Death They Shall Burn“ verknüpfen locker-flockig Groove und Geschwindigkeit – vor allem der Thrash-Part am Ende von letzterem macht sich prächtig.

Mit „Daggers Of Black Haze“ (zwischendurch schön aufgelockert durch luftige Akustikgitarren-Einsprengsel) findet sich außerdem ein reiner Midtempo-Stampfer wieder, während „The Colours Of The Beast“ dank seines noch schleppenderen Tempos doomige Stimmung verbreitet und somit fast noch boshafter erscheint. Das große Highlight erfolgt dann mit dem melancholischen, elegischen Album-Closer „The Mirror Black“, welcher ebenfalls in eher langsamem Tempo gehalten wurde und am Ende mit einem Streicher- und Chor-Arrangement überrascht, das zwar recht abrupt Einzug hält, sich aber trotzdem als großartige Idee entpuppt. Obergeile Nummer!

Das abschließende Fazit kann nur lauten, dass hier kein Fan von At The Gates oder überhaupt schwedischem Death Metal enttäuscht werden kann. Die bodenständige Produktion von Russ Russell besticht durch eine Wahnsinns-Atmosphäre, Lindbergs fieses Geschrei wurde eher in den Hintergrund gemixt, was aber komischerweise überhaupt nicht stört, und allein mit ihrer durchdachten Instrumentierung halten die Skandinavier die Songs spannend: Wie sie nahezu unterschwellig Akustikgitarren und Soli einbauen (immer songdienlich, nie redundant), sucht seinesgleichen. Schön, dass diese Band nach so vielen Jahren immer noch in der Lage dazu ist, richtig starkes Material abzuliefern.

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