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At The Gates: The Flames Of The End

Besser kann eine DVD nicht ausgestattet sein
keine Wertung
Genre: Melodic Death Metal
Spielzeit: 320:00
Release: 26.02.2010
Label: Earache Records

Jeder, der meint, sich auch nur halbwegs mit Melodic Death Metal auszukennen, dem muss der Name At The Gates ein Begriff sein. Zwar existierte die Band lediglich sieben Jahre von 1990 bis einschließlich 1996 und brachte nur vier Studioalben heraus, doch der Einfluss auf spätere Gruppen des Genres (das die Bezeichnung Melodic Death Metal damals noch gar nicht innehatte, diese kam erst später auf) war immens, der Stil damals ziemlich einzigartig und Fakt ist, dass es In Flames, Dark Tranquillity und wie sie alle heißen ohne At The Gates in dieser Form nie gegeben hätte.

2008 fanden sich die fünf Schweden für eine letzte Abschiedstournee noch einmal zusammen, deren Höhepunkt zweifelsohne der Wacken-Gig gewesen sein dürfte, der auch auf dem vorliegenden, fetten Dreifach-DVD-Paket zu finden ist.

Aber der Reihe nach, zunächst sei einiges zum ersten Silberling gesagt. Dieser bietet eine ausführliche Dokumentation über die Geschichte des Quartetts, und wenn ich sage ausführlich, dann meine ich ausführlich. In mehr als zwei Stunden wird die Historie der Death-Metal-Legende aufgerollt und danach bleibt wirklich keine Frage mehr offen. Gitarrist Anders Björler höchstselbst führte bei dem Projekt Regie und hat kräftig in den Archiven gewühlt. Zahlreiche Fotos aus allen Epochen sind zu sehen, alte, äußerst kultige Videoclips von Gigs aus den Anfangstagen oder Mitschnitte von frühen Proben werden aus dem Hut gezaubert, jedes Mitglied, das jemals Teil der Combo war, kommt in aller Ausführlichkeit zu Wort, erzählt, wie es jeweils aufgewachsen und zum Metal gekommen ist, Anders und Sänger Tomas „Tompa“ Lindberg fahren zu alten Wirkungsstätten, sprich alten Proberäumen und Gegenden, wo sie früher wohnten und abhingen, und selbstredend werden auch etliche, zum Schmunzeln anregende Anekdoten zum Besten gegeben, zu denen auch so illustre Namen wie Aaron Stainthorpe (My Dying Bride), Mikael Stanne (Dark Tranquillity) oder Shane Embury (Napalm Death) beitragen.

Geschichten darüber, wie Produzent Fredrik Nordström in besoffenem Zustand die Tapes von „Terminal Spirit Disease“ in der Kneipe vergaß, wie Drummer Adrian Erlandsson sein Ride-Becken gegen Pizza eintauschte, wie man bei einem Auffahrunfall auf Tour die Biervorräte von My Dying Bride zerstörte oder Metalparties mit fünfzehn Leuten feierte, bei denen keiner einen Pieps sagte, sondern das Headbangen höchstens unterbrach, um sich ein neues Bier zu holen, sind absoluter Oberkult und sorgen für den Unterhaltungsfaktor in diesem höchst informativen Film. – Hut ab vor Anders Björler, was er da zustande gebracht hat, ist ganz großes Kino und für den Fan sowieso unverzichtbar, doch auch alle, die generell an Death Metal interessiert sind, sollten sich diesen Streifen nicht entgehen lassen; er allein würde den Kauf der DVD-Box schon rechtfertigen.

Doch da sind ja noch zwei weitere Disks; zunächst einmal die zweite mit dem bereits erwähnten Wacken-Konzert von 2008. Auch hier kann man nicht meckern: Der Sound ist brillant und unheimlich druckvoll, sodass man als Zuschauer geradezu das Gefühl hat, die Jungs würden im eigenen Wohnzimmer performen – überflüssig zu erwähnen, dass man sich selbst alsbald headbangend auf dem eigenen Sofa wiederfindet und immer wieder dabei erwischt, wie man den Volume-Regler weiter und weiter nach rechts dreht.

Die Performance der Band selbst ist makellos, obwohl hier nichts nachbearbeitet wurde – am Anfang wird sogar extra noch einmal darauf hingewiesen, dass hier alles zu hundert Prozent live ist und keine Overdubs verwendet wurden – so muss es sein! Die Band gibt 75 Minuten lang alles (besonders Frontmann Tomas macht mächtig Alarm und ist total überwältigt von der Wackener Megakulisse) und spielt eine tolle Setlist, die sämtliche Klassiker abdeckt. Fett!

Auf der dritten DVD haben die Jungs dann noch ein paar Schmankerl für alle Bootleg-Freunde am Start. Hier gibt es jede Menge Videomaterial sowohl aus der Mottenkiste aus den Neunzigern als auch von der 2008er Tour zu sehen, wobei sich die neueren Mitschnitte teilweise auch auf professionellem Niveau bewegen. Abgerundet wird das Paket noch von einem schönen Booklet mit jeder Menge Fotos.

Ganz ehrlich: Wenn es jemals value for money gegeben hat, dann im Falle von „The Flames Of The End“. Ich vergebe für DVDs ja grundsätzlich keine Bewertungen, das ergibt für mich irgendwie wenig Sinn, da es sich zumeist ausschließlich um Live-Performances handelt, aber würde ich es tun, würde es hier definitiv eine fette Zehn geben. Alle Daumen hoch für diese Wundertüte – und nun fordere ich die geschätzten Leser auf, sich zum Händler ihres Vertrauens zu begeben, um dieses geile Teil sofort abzugreifen.

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