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Asylum On The Hill: Passage To The Puzzle Factory

Eine Band, die man sich merken sollte
Wertung: 8/10
Genre: Stoner Rock, Hard Rock
Spielzeit: 64:13
Release: 04.02.2011
Label: Suburban Records

Asylum On The Hill ist eine Band, die als allererstes durch ihren etwas skurrilen Namen auffällt. Eine Irrenanstalt auf einem Hügel, umgeben von dichtem Wald, im Gebäude das leise Jammern und die gequälten Schreie der Insassen – darunter kann man sich etwas vorstellen, das beschwört Bilder herauf, die man so schnell nicht mehr los wird. Wenn man sich noch das Cover der neuen Scheibe „Passage To The Puzzle Factory“ anschaut, kann man sich eine leicht gegruselte Gänsehaut nicht verkneifen: Da fährt eine Kreuzung aus einem Pavian, einem Widder und einem weiteren undefinierbaren Vieh auf einem rosa Fahrrad, bei dem man sich zu gut vorstellen kann, dass es mal einem kleinen Mädchen gehört hat, das sich möglicherweise etwas zu nah an die Anstalt herangetraut hat. Übrigens keine fiktive Anstalt: Mitte der Dreißiger Jahre des letzten Jahrhunderts gab es die United States Narcotic Farm, liebevoll von den Anwohnern Narco getauft, tatsächlich. Hier sollten einerseits Drogenabhängige ihre Dämonen bekämpfen, andererseits wurden auf der Farm aber auch Straftäter untergebracht. Gruselig genug ist das Gelände als Hintergrundbild also allemal.

Bevor hier aber Stephen King-mäßige Ideen überhand nehmen, wenden wir uns lieber wieder der Band zu: Aus Kentucky stammen die vier Musiker rund um Dave Angstrom, der auch bei den Southern Rockern Hermano schon die Saiten zupfte. Bei AOTH darf er sich außerdem am Mikro austoben und präsentiert hier die ganze Bandbreite zwischen ruhigem Gesang („Blood On The Doorway Pt. I & II“) und manisch-chaotischem Gehabe („Bad Reputation“). Wollte man den Ami in Schubladen stecken, müsste man ein wenig in Richtung Monster Magnet oder Audioslave denken, versetzt mit ein wenig Motörhead’schem Dicke-Eier-Gebolze und einer hier und da aufblitzenden Reminiszenz an die Chaostruppe von American Head Charge. Dabei kommt die Mischung der Combo erstaunlich ausgeglichen daher, wenn man bedenkt, dass uns mit „Passage To The Puzzle Factory“ (übrigens ein Titel, der mich gleich irgendwie an „Charlie und die Schokoladenfabrik“ erinnert hat) ein Debütalbum vorliegt.

Wenn wir jemals einen Beweis ob der handwerklichen Fähigkeiten der beiden Gitarristen Angstrom und JD Garner gebraucht hätten, wir hätten ihn direkt im Intro des Openers „I Got You“ bekommen: Auch wenn der Rest des Tracks eher wie ein leicht vorherzusehender Südstaatenrocker daherkommt, so überzeugt doch vor allem das Intro, in dem erst Drummer Phil Kring sich austoben darf, bevor die beiden Gitarristen sich ein erfrischendes Duell liefern. So muss eine gute Rockplatte starten! „La Pistola“ bringt ordentlich Drive ins Spiel und arbeitet mit zweistimmigen, teils verzerrten Vocals und dem Traum eines jeden Gitarrenfreundes; wie mächtig die Riffwand daherkommt, ist kaum zu fassen. Da haben neben den Musikern sicher auch die Mischer und Produzenten ihren nicht unerheblichen Teil zum Endergebnis beigetragen. Auch um einen stimmlichen Vergleich mit Alter Bridge-Sänger Myles Kennedy kommt man spätestens jetzt nicht mehr herum, wobei man sagen muss, dass Dave in den hohen Regionen um Längen angenehmer klingt.

„Some Kind Of Wonderful“ gräbt sich mit äußerst einprägsamen Gitarren- und Bassspuren tief in den Gehörgang und entpuppt sich ganz nebenbei noch als ziemlich tanzbar. Vielleicht nicht unbedingt die Art von Musik, bei der man Stehblues tanzen kann, aber an einer polierten Stange räkeln kann man sich dazu ganz sicher. Passend dazu steuert beim nächsten Song „Last Ride“ Mr. Big Balls persönlich, nämlich Danko Jones, seine musikalischen Ergüsse bei, dementsprechend wird es etwas experimenteller: Ein etwas unkoordiniert wirkender Bassrhythmus (übrigens macht auch Tieftöner Jason Groves einen grandiosen Job auf dieser Platte; eine der wenigen Scheiben, bei der der Bass ziemlich dominant abgemischt wurde), begleitet von Snares, leitet den Track ein, bevor Akkordeontöne erklingen. Ein bisschen hat man das Gefühl, in einer abgehalfterten Fischerspelunke gelandet zu sein. Nach zwei Minuten ist der Spuk schon vorbei und man kommt nicht umhin, sich am Hinterkopf zu kratzen und zu fragen, was genau das jetzt eigentlich darstellen sollte. Definitiv ein Anspieltipp!

Als sechsminütiger Epos entpuppt sich „Blood On The Doorway“, bei dem „Pt. I & II“ gleich in einen Song gepackt wurden. Dave wird von einer recht deprimierenden Gitarreneinleitung und – natürlich – viel Snare-Einsatz begleitet und gibt scheinbar einsam mit angenehm tiefer Stimme seinen Text zum Besten. Obwohl der Song in seiner Grundstruktur recht eindeutig Richtung Tränendrüse zielt, kann man den Jungs nicht vorwerfen, sich keine Mühe beim Songwriting gegeben zu haben. Bei etwa der Hälfte des Songs kommt die typische ZZ Top-mäßige Südstaatengitarre im Hintergrund zum Einsatz und der Gesang gerät durch diverse instrumentale Spielereien in den Hintergrund. Wer glaubt, viel dramatischer kann es ab der Stelle, wo Dave mit gebrochener Stimme „Let’s not take for granted“ ins Mikro haucht, nicht mehr kommen, der sollte mal das Ende der Platte abwarten.

Weiter geht’s aber erstmal mit der leidlich gruseligen „Season Of Hurt Introduction“ (inklusive Horrorfilm-mäßigem Gelächter), das nahtlos zum eigentlichen Titel überleitet. Dass jetzt erstmal wieder ordentlich aufs Gaspedal getreten wird, war abzusehen, aber das können die Asylum-Bewohner auch einfach zu gut. Laut Trackliste wäre jetzt Schluss – lustig nur, dass das die Vier so gar nicht interessiert, also werden direkt mal noch zwei Tracks und ein Zwischenstück hinterhergeschoben, die wir der Einfachheit halber namenlos lassen müssen. Hier wird dann auch richtig schön das Irrenanstalt-Thema eingeleitet: Track 17 beginnt nämlich mit einem leicht jazzigen Einstieg und dem wunderbaren Text „Welcome to the first day of the rest of your life“. Automatisch stellt man sich da einen resignierten Patienten vor, der im Rollstuhl sediert vor sich hinvegetiert. Spätestens, wenn Dave dann volles Rohr loslegt, erwacht man schlagartig aus der vorherigen Schläfrigkeit – ein großartiger Song!

Den Abschluss bildet ein mit akustischer Gitarre vorgetragener Track, bei dem der Gesang ein wenig klingt, als würde er aus einem dieser alten Radios kommen – leicht knarzig, aber irgendwie charmant und auch die Melodie hat einen guten Ohrwurmcharakter. Hier kommt die Gänsehaut wesentlich rascher als bei „Blood On The Doorway“, obwohl hier nicht so offensichtlich balladesk agiert wird. Ein schöner Schlussakkord für ein interessantes, vielschichtiges Album, das zwar auf einem Gerüst von Stoner Rock errichtet wurde, aber auch mit den Möglichkeiten des Hard und Alternative Rock spielt. Schön, wenn einem der letzte Tag des Jahres noch durch solch unerwartet hohe Qualität versüßt wird.

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