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Asteroid: Asteroid

Nichts für romantische Momente
Wertung: 7/10
Genre: Psychedelic Rock
Spielzeit: 57:12
Release: 21.08.2007
Label: Fuzzorama Records

Eine gar fürchterliche Farbzusammenstellung empfängt mich: Violett und Orange gepaart mit neutralem Schwarz, das ist, als würde man Russland und Amerika in ein Zimmer sperren und die Schweiz davor stellen. Doch während bei diesem Experiment maximal ein schwelender Trümmerhaufen zurückbleiben würde, kommt bei Asteroid ein psychedelisch abgefahrenes Album raus.

Die drei Schweden entdecken scheinbar mühelos immer neue Klänge und erfinden noch schneller passende Hintergründe. Die letzte Demo-CD liegt gerade mal ein Jahr zurück, das Debutalbum mit dem Eigennamen “Asteroid” ist eine schwer beschreibbare Mischung. Mal geht es um harten Metal, dann wird es etwas trashiger - eine psychedelischer Mix, der immer an den ganz Großen angelehnt ist: Ein bisschen Black Sabbath hier, eine Prise Pink Floyd, Rolling Stones (“Three billion miles away from home”) und Deep Purple da - für den Durchschnittskonsumenten definitiv nicht immer geeignet. Wer es hingegen etwas verworrener mag, ist hier ganz richtig.

“The Great Unknown” ist ungefähr alles, was der Titel aussagt. Das Lied wechselt Tempo, Motiv und verwischt Gesang mit Gitarre oder versteckt beides hinter plötzlich dominierenden Drums. Robin und Johannes, mit langen Haaren, bzw. Dreads und etwas verwegenem Aussehen beides typische Abbilder aller Klischees, die man zu diesem Musikstil ausgraben kann, führen den Zuhörer erst in die sichergeglaubte Struktur, lassen sogar die Hoffnungen auf einen Refrain aufkeimen, doch bald verliert sich der langsame, fast anklagende Gesang in der schleppenden Gitarre, die große Teile der fünfeinhalbe Minuten für sich beansprucht.

Ansonsten besticht das Album durch Details. Ein gekonntes Intro in “Speaking To The Sea”, das virtuose Bassspiel in “Panoramic Telescope”. Asteroid machen entweder ein Gesamtkunstwerk aus der kompletten CD - oder sehr viele Detailaufnahmen, die bestechen und den Hörer langsam aber sicher in die Spirale aus Tönen, Gesang und Bass versinken lassen.

Vor allem “The Infinite Secrets Of Plant Megaladoon“ vertieft diese Spirale, zumal die Band den Gesang völlig außen vor gelassen hat und sich alleine auf den quäkenden Bass und das monotone Schlagzeug verlässt. Und auch wenn diese Kostprobe aus Kreativität oder Drogenwahn nur knapp vierminütig ist, erscheinen es doch als die längsten vier Minuten der Welt. „Silver Leaf“ setzt diesen Kurs fast unverändert fort, abgesehen davon, dass Hirse jetzt wieder vorsichtig und gewohnt langsam und gezogen die Stimme erhebt.

Überraschend bodenständig ist hingegen „Water“ geworden, das man mit Handtrommel und Akustikgitarre auch am Lagerfeuer spielen könnte. Es klingt ein bisschen Melancholie, ein bisschen Nostalgie, vielleicht auch Sehnsucht und Verzweiflung durch, je nachdem, wie man das „Down to the water, into the sei“ interpretieren möchte, das den kompletten Song dominiert.

Zum Ende der CD stehen wieder die Rhythmusinstrumente im Vordergrund.

Sowohl in „Little Fly“ als auch in „Strange Trip“ spielt der Gesang eher die zweite Geige, ist bewusst leise eingesetzt und man kommt, wenn‘s denn gefällt, in den Genuss ausgedehnter Bassläufe und ganzer Passagen, in der sich die Gitarre nur unterordnet. Aber auch wenn „Strange Trip“ durch das Motiv wirklich ins Ohr geht, erscheint es ein wenig gewagt, sich fast ausschließlich darauf zu beschränken. Gegen Ende wird’s noch einmal sehr psychedelisch, denn anstelle von Melodieinstrument quietscht jetzt der Bass zum monotonen Schlagzeug.

Dagegen ist „Flowers & Stones“ fast Pop, mit Strophe, Refrain und wiederholender Zweitstimme. Na ja, fast, im Ende finden sind die Jungs noch nicht so geübt und ziehen das ganze Lied wieder mit dröhnendem Bass, der klingt, wie das Cover aussieht: Orange, Violet, wabernd und verschwommen.

„Doctor Smoke“ vertieft dieses Bild noch einmal, hier ist der Titel Programm und selbst ohne das verzerrte Keyboard, der schiefen Mundharmonika und den summenden Bass vermittelt der hohe Gesang von Hirse und Nilson ein eindeutiges Bild, wer oder was „Doctor Smoke“ ist.

Fazit: Asteroid sind nichts für romantische Momente. Nichts zum Tanzen, Nichts zum drauf-abgehen und Nichts zum Mitsingen. Wer trotzdem offen für ein etwas anderes Klangbild ist, mit oder ohne bewusstseinserweiternden Mitteln einfach abgammeln will oder generell an andersartiger Musik interessiert ist, wem 08/15-Metal und Klischeegothic aus den Ohren hängt und wer verzweifelt eine Alternative sucht, ist bei Asteroid goldrichtig. Denn genauso, wie man dieser Band Einfallslosigkeit unterstellen kann, kann man ihre Musik für schlecht halten - das wäre Verallgemeinerung und ein Vergleich mit der „normalen“ Musik und das klappt erst dann, wenn wir auch Britney Spears und Black Sabbath in eine Kiste werfen. Und solange die Jungs weiterhin so abgedreht klingen - warum nicht?!

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