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ASP: Verfallen Folge 1:Astoria

Intensiv inszenierter Gothic-Novel
Wertung: 9/10
Genre: Gothic Rock
Spielzeit: 65
Release: 16.10.2015
Label: Trisol

Schon 2008 wählten sich ASP als Grundlage für ihr Album eine Geschichte aus, damals wurde die Krabat-Sage vertont und dies mit ausreichend Lob bedacht. Nun inspirierte die Frankfurter die Kurzgeschichte „Das Fleisch der Vielen“ von Kai Meyer zu einer neuen musikalischen Erzählung. Bei „Verfallen Folge 1: Astoria“ handelt es sich um ein Konzeptalbum, welches in zwei Folgen geplant ist.

Erzählt wird die Reise von Paul, die eigentlich mit einem Kinderspiel beginnt und den gleichnamigen Namen „Himmel und Hölle (Kreuzweg)“ trägt. Dies ist zugleich eine gut gewählte Einleitung in die kommende Stunde, die nicht nur mit viel Dynamik überzeugen kann, sondern auch durch den eingebauten Scheideweg der Erzählung eine gute Grundsubstanz bietet.

In „Mach‘s gut Berlin“ beginnt der Weg in ein neues Leben und zugleich der Abschied aus dem Bisherigen, welches mit einer melancholischen bis trostlosen Grundstimmung einhergeht, die zu großen Teilen akustisch untermalt wird. Auch hier lassen sich schon Anflüge von Aufbruchsstimmung wahrnehmen, die sich in „Zwischentöne-Paul“ weiter steigern. Musikalisch gut gestaltet, bräuchte doch dieser Titel eigentlich keine Worte, um ihn zu verstehen. Ruhig und ebenso überzeugend gearbeitet, stellt sich das nachfolgende „Zwischentöne-Baukörper“ dar, bei welchem man förmlich die Unsicherheit, Aufregung und die ersten Anzeichen zur Liebe zum Hotel Astoria spüren kann.

Mit „Begeistert“ ziehen ASP die Geschwindigkeitsschraube wieder deutlich an, wohl einer der Songs die man als am typischsten für die Band einordnen möchte. Überraschende und neue Töne gibt es hingegen in „Zwischentöne-Lift“ zu hören, denn Tangorhythmen würde man einem ASP-Album spontan wohl eher nicht zuordnen. Umso schöner genau diese zu hören, zumal sie den Text deutlich unterstreichen und Alexander Spreng gar stimmlich in den für die 20-er Jahre typischen Gesang hinübergleitet. Wobei an dieser Stelle angemerkt sei, dass sich der Frontmann auf dem Album in den Gesangsparts generell sehr variabel zeigt.

Im Laufe des Werks lässt sich eine steigernde Obsession der Figur erkennen, die zu „Zwischentöne-Blank“ ihren imaginären Höhe-und Wendepunkt findet. Der Monolog erklärt die Gedankenwelt Pauls und lässt das erste Schaudern aufkommen. Übergangslos geht es in „Dro(eh)nen aus dem rostigen Kellerherzen“ hinein, bei dem die sich ständig wiederholenden Gitarrenriffs diesen Eindruck weiter verstärken. Auch musikalisch gibt es an dieser Stelle einen Bruch, weg von gängigen kurzen Stücken und hin zu langen Titeln, die eine intensive Stimmung erzeugen können. So machen drei Titel knapp die Hälfte der Scheibe aus, aber alle Ängste, man könne hier den Hörer erschöpfen oder gar verlieren, lassen sich schnell von der Hand weißen. Ganz im Gegenteil, jeder Ton scheint so exakt gewählt und alles so vollkommen zusammengesetzt, dass diese Songs zu einem echten Höhepunkt des Albums werden und mitten in die Erzählung hinein ziehen. So mag es nicht wundern, dass man das abschließende „Fortsetzung folgt“ eigentlich nur verdammen kann, denn nur zu gerne, würde man noch eine weitere Stunde der Geschichte lauschen.

ASP schaffen mit ihrem Konzeptalbum ein Werk, welches mit mitreißen kann und die volle Aufmerksamkeit des Hörers erfordert. Eine sich ständig aufbauende Spannung und die nahezu perfekte musikalische Untermalung der Texte, lassen „Verfallen Folge 1: Astoria“ zu einem intensiven und wohl einem der besten Alben der Formation avancieren, bei dem eigentlich nur eine Frage übrigbleibt: Wann gibt es die Fortsetzung?

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