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ASP: Requiembryo

Die eine oder andere Schattenseite
Wertung: 7/10
Genre: Gothic Rock / Electro Rock
Spielzeit: 104:59
Release: 23.03.2007
Label: Trisol Music Group GmbH

Und wieder sind knapp zwei Jahre ins Land gezogen, bevor uns das Alexander Spreng Projekt (kurz: ASP) seinen Nachfolger zum großartigen “Aus Der Tiefe“ - Album präsentierte. Die Rede ist hierbei natürlich vom mittlerweile fünften Kapitel um die Geschichte des schwarzen Schmetterlings und jenes mysteriösen dunklen Turms, dessen vom Nebel verhangene Zinnen zugleich Faszination, wie aber auch mulmiges Unbehagen beim Betrachter auslösen.

“Requiembryo“ nennt sich hierbei das aktuelle Doppel-Album, welches nach Aussage von ASP definitiv den letzten Akt dieser mannigfaltigen Sagenwelt darstellen wird ... Ob und wie es danach für ASP weitergehen wird, steht erst einmal auf einem ganz anderen Blatt geschrieben. Denn letztendlich gilt es erst einmal einzutauchen in die konspirativen Erzählungen von “Requiembryo“, die - wie der Titel schon richtig andeutet - eine Zusammenkunft aus Anfang (= Geburt) und Ende (= Tod) darstellt.

Entsprechend beklommen und dezent-verhalten beginnen die ersten Takte der “Offährte“ = „Komm zu mir - ein allerletztes Mal...“ untermalt von sinnlichen wie träumerischen Akustikgitarren und natürlich Alexander Sprengs beruhigend warmer (und zugleich dennoch so intensiver) Stimme. Nach knapp 2 1/2 Minuten verstummt allerdings dessen Sangesorgan und lässt stattdessen ein ebenso langes Instrumental-Fundament aus betörenden Pianoklängen, eleganten Rockgitarren und druckvollen Basslinien für sich sprechen. Auch bekommt die “Offährte“ durch die gezielten Einsätze von kurzen Choral- und Dudelsackpassagen einen ganz eigenen und individuellen Stempel aufgedrückt, der so noch nie aus dem Repertoire ASP´s zu hören war...

Eingeführt durch diesen genialen und atmosphärisch absolut einmaligen Opener ist man als Hörer natürlich nun mehr denn je auf die Reise durch die tiefen Gewölbe des dunklen Turmes gespannt ... Und wie auch bisher immer von der Frankfurter Combo gewohnt, mündet das elegische Einführungsstück direkt in einen rockigen und dynamischen Vertreter: “Coming Home“ ist nicht nur neben “How Far Would You Go? (The 6th Of September)“ der einzig englischsprachige Song auf dem Album, sondern reflektiert auch ziemlich gut die weitere musikalische Marschrichtung auf “Requiembryo“ = Krachender Electro-Rock mit dem so typischen, tiefen und dominierenden Stimmvolumen Alexander Sprengs.

Doch mit dem nachfolgenden “De Profundis“ schleicht sich bereits die erste Überraschung das neusten Outputs in die Ohren seiner Zuhörer: ungewohnt percussionslastig und rhythmisch stampfend erklingt der Song, der sich durch nichts von seinem eingeschlagenen Wege abbringen lässt. Ebenso beim Symphonie-starken “Duett (Das Minnelied der Incubi)“ ging die Truppe um Alexander Spreng bis dato ungewohnte Experimente ein: So wird hier beispielsweise der bisher zu hörende Rhythmus und Druck durch epische Melodiebögen und eingängige Refrain-Passagen ausgetauscht... Zweifelsohne einer der besten Songs aus der Feder ASP´s, der jemals das Licht der Welt erblicken durfte (und zugleich durch seinen geschickten Einsatz an mittelalterlichen Instrumenten völlig neue und harmonische Klangwelten im ASP - Kosmos eröffnet).

So weit, so gewohnt hochwertig... Doch was sich ASP bei dem stinklangweiligen “Frostbrand“ gedacht haben (der weder inhaltlich noch musikalisch überzeugen kann), bleibt mir allerdings ein Rätsel. Selbst stimmungsmässig hinkt dieses unausgegorene Stück Musik weit hinter der hohen Produktionskunst bisheriger Publikationen zurück: “Frostbrand“ ist einfach nur uninspiriert und wen letztendlich solche Sätze wie „Ich erbreche mich in dich“ ansprechen soll, bleibt mir ebenso verborgen.

Aber auch der ersten Single-Auskopplung “Ich bin ein wahrer Satan“ kann ich nur geteilte Euphorie entgegen bringen. Gut, natürlich kommt hier die zynische und satirische Seite von Alexander Spreng mal wieder voll zum Tragen, wenn er sich über die klischeehaften Vorurteile von „Normalbürgern“ gegenüber der Gothic-Szene ausläßt (also frei nach dem dümmlichen Motto: „Alle Gruftis sind Satanisten!“ usw.).

Aber: Nach so einem facettenreichen und vielversprechenden Beginn des Albums - und dem eben erwähnten, katastrophalen “Frostbrand“ - lässt so eine „Spaßnummer“ wie diese dennoch einen fahlen Nachgeschmack zurück und wirkt vor allen Dingen komplett deplaziert (...und dabei ist dieser „Grufti-Rocksong“ eigentlich gar nicht mal so schlecht).

Das zu Beginn Synthie-lastige “Raserei“ macht indes zum Glück wieder Boden gut. Allerdings vermisse ich auch hier ein wenig den inhaltlichen Bezug zur Geschichte des schwarzen Schmetterlings... Diesen gibt es erst wieder bei der nachfolgenden Ballade “Das Erwachen“. Aber auch jene mag mich nicht wirklich zu berühren: teilweise viel zu introvertiert wirkt diese Darstellung eines schmerzverzehrten Ichs. Demzufolge kann “Das Erwachen“ leider nicht als Nachfolger der kongenialen “Ballade von der Erweckung“ genannt werden.

Finales “Finger weg! Finger!“ ist wie auch schon seinerzeit das hymnenhafte “Werben“ als „Gute-Laune-Pogo-Partysong“ zu verstehen. Inhaltlich geht es um die Kritik an den meinungsmachenden (Fernseh-)Medien und „Gehirnwäscheakrobaten“... Insgesamt eine sehr brauchbare Mischung aus Gothic- und Punkrock. Nur eben leider thematisch auch wieder ein bisschen Fehl am Platze.

Nach diesen 54 Minuten Spielzeit gibt es auf CD Nr. 2 nochmals knapp 51 Minuten um die Ohren gehauen: Allerdings diese teilweise fast besser als auf der ersten CD, wohlgemerkt! So startet der zweite Teil von “Requiembryo“ mit dem sage und schreibe 27 Minuten(!) langen Mammutwerk “Requiem“: Unterteilt in sieben aufeinander aufbauende Kapitel stellt “Requiem“ sicherlich eine kompositorische Meisterleistung dar. Dieses nun in alle Einzelteile zerpflücken zu wollen, würde allerdings hier den Rahmen sprengen. Weswegen an dieser Stelle erst mal nur gesagt sei, dass wirklich vom EBM-, Dark Wave-, Mittelalter-, Kirchenchoräle- bis hin zum verwöhnten Gothic Metal - Hörer bei diesen Meisterwerk voll auf ihre Kosten kommen werden! (Hierbei würde mich allerdings einmal interessieren, ob es in der Praxis auch möglich ist, diesen komplexen Song je live vor Publikum spielen zu können?)

Als eine mehr als gelungene Neueinspielung stellt sich indes der anschließende “Schwarzer Schmetterling: Nekrolog“ heraus, der neben einigen neuen Textpassagen auch ein viel rockigeres (und passenderes) Gewand erhalten hat. “Biotopia“ ist ein ebenfalls gänzlich neuer Song aus dem Hause ASP. Eine im Midtempo verfasste (und gelungene) Ode an die Freiheit und Individualität des Menschseins...

Zu dem bereits aus dem “Saw II“ - Soundtrackalbum bekannten Titel “How far would you go?“ bedarf es im Grunde keine weiteren Worte mehr: Eben ein guter Rhythmuskracher im Electro-Punk Outfit, der sofort in die Beine geht und zum Tanzen verleitet. Neben den bereits erwähnten Titeln “Duett“ und “Requiem“ darf die nächste Single-Auskopplung “Nie mehr“ zweifelsohne als weiteres Highlight auf “Requiembryo“ genannt werden: Wenig Pathos, und noch weniger Kitsch = aber dafür umso mehr organische Seelentherapie auf höchster Emotionsebene und kunstvoller Bildersprache! Eben eine Gothic Rock - Ballade, wie man sie sich nicht schöner und intensiver hätte vorstellen können...

Fazit: Gäbe es auf “Requiembryo“ nicht die eine oder andere Schattenseite, wäre sicherlich locker eine Wertung im 9 Punkte Bereich drin gewesen. Aber auf Grund des einen oder anderen „Aussetzers“ (zumal auch die ganzen eingestreuten Hörspielsequenzen wie “Schmetterflug“ oder “Fremde Träume I & II“ doch mittlerweile deutliche Abnutzungserscheinungen offenbaren), bleibt dem Album diese Ehre leider erspart.

Dennoch ist “Requiembryo“ alles andere als eine Enttäuschung und sollte insbesondere bei den treuen Fans wieder großen Anklang finden. Zumal auch der sehr faire Preisspiegel (2 CD´s zum Preis von einer) mehr als positiv hervorgehoben werden sollte. Für das ungemein intensive und schmackhafte Cover- und Bookletartwork zeichnete sich hier einmal mehr der äußerst begabte Ingo Römling mit Team aus.

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