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Arundo: Coram Publico

Durchgehend bodenständige und naturverbundene Musik
Wertung: 6.5/10
Genre: Folk, Mittelalter
Spielzeit: 29:39
Release: 21.11.2006
Label: Swamp Room

Frage: Ist es jetzt ein Vorteil oder ein allgemeiner Nachteil, wenn man das Erstlingswerk der Band eines Redaktionskollegen rezensiert? Die Antwort: Nein, es ist im Grunde wirklich weder das Eine noch das Andere... Zumal sich die 7köpfige Folk- und Mittelalterformation Arundo mit ihrem Debüt “Coram Publico“ ganz sicher nicht verstecken müssen!

Dreh- und Angelpunkt der jungen Multiinstrumentalisten von Arundo ist das schöne Städtchen Hannover. Hier wurde nämlich die selbsternannte „mittelalternative Weltfolklore mit Herz und Hirn“ im Jahre 2004 von Bandmitglied Alexander Kreit ins Leben gerufen.

Stilistisch präsentieren sich Arundo weit gefächert. Auch scheuen sie sich ebenso wenig davor, orientalische Akzente - wie auch Gesangvariationen in insgesamt fünf unterschiedlichen Landessprachen - in ihre Klangdarbietungen mit einfließen zu lassen. Betrefflich der dargebotenen Stilepochen gibt man sich ebenso weltoffen wie freizügig.

“Coram Publico“ vollzieht geschickt einen breiten Spagat zwischen Mittelalter, Renaissance und Moderne. Entsprechend vielseitig liest sich auch das beeindruckende Arsenal an verwendeten (Akustik-)Instrumenten auf “Coram Publico“. Ob nun Sitar, Gitarre, Bouzouki, Shrutibox, Chalumeau, Drehleier, Harfe oder Dudelsack: Arundo setzen sich selbst keine musikalischen Grenzen und nehmen sich die berechtigte Freiheit des freizügigen Experimentierens heraus.

Passend zu der durchgehend bodenständigen und naturverbundenen Musik gesellen sich auch die vertonten Texte auf dem Album. Hier hat man nämlich teilweise sehr tief in den heimischen Archivaren suchen müssen, um die letztendliche Vielfalt an Gedichten, Sagen und Prosatexten auf “Corman Publico“ präsentieren zu können.

So stammt beispielsweise das musikalisch mit indischen Einflüssen versehene “A Poison Tree“ aus der Feder des großen Lyrikers William Blake. Marry Freye´s traditioneller Totentanz “Grieve Not“ aus dem 18. Jahrhundert mutet ebenso tanzbar an wie Percy Bysshe Shelley´s viktorianisches Drama “Misery“. Traditionellen Sagen widmet man sich in dies bei den Stücken “Herr Holger“ (Schweden) und “Reven Og Bjornen“ (Norwegen). Auch hier abermals zwei sehr imposante und mannigfaltige Darbietungen, die insbesondere durch die stimmgewaltige Frontfrau Sabrina Reiser bestechen.

Etwas weniger gelungen sind aber meiner Meinung nach die deutschsprachigen Darbietungen auf “Autonym Argentum“ (übrigens die einzige textliche Eigenkomposition des Albums) und “Meine Din“. Denn hier trifft man leider doch oftmals - und vor allen Dingen sprichwörtlich - nicht immer den richtigen und (sehr) hohen Ton. Aber auch so manches Instrument schmerzt hier eher in den Gehörgängen, als das sie vom selbigen zart umschmeichelt und verwöhnt werden.

Nichtsdestotrotz aber ist “Coram Publico“ ein wirklich ansehnliches und gut vorzeigbares Debütwerk geworden, auf dass die jungen Niedersachsen berechtigterweise sehr stolz sein können. Es bietet viele ausgefallene Ideen (wie z.B. die indische Meditationsmusik beim Eröffnungsgut “A Poison Tree“) und auch die lyrischen Exponate sind mitunter sehr gut und gezielt ausgewählt worden. “Coram Pubilco“ bietet Innovation auf einem interessanten Terrain und ist von daher insbesondere allen Freunden von Gruppen wie Faun, Estampie, Impressions of Winter und Ali Akbar Khan empfohlen.

Anmerkung: Das atmosphärisch schlicht gehaltene Booklet enthält zusätzlich noch interessante Inhalte, Hintergründe und Details des vertonten Liedgutes bereit. Übrigens stammt der Bandname Arundo von der gleichnamigen Pflanze Arundo Donax, aus deren Rohr die Rohrblätter für Holzblasinstrumente gefertigt werden.

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