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Artillery: When Death Comes

So wird man gerne unter Beschuss genommen
Wertung: 9/10
Genre: Thrash Metal
Spielzeit: 53:13
Release: 15.06.2009
Label: Metal Mind Records

Da sind sie wieder, die dänischen Thrash Metal-Fanatiker von Artillery. In den Achtzigern waren sie eine relativ große Nummer, verschwanden dann aber von 1991 bis 1999 in der Versenkung, um mit „B.A.C.K.“ zurück zu kehren. Dies was aber eher ein kurzer Zwischenruf aus dem Grab, denn erst 2008 gab es ein weiteres Lebenszeichen in Form einer DVD. Das Ganze lief unter dem eigentlich treffenden Namen „One Foot In The Grave, Another One In The Thrash“. Nun hat man sich wohl entschieden, auf welchen Beinchen man stehen will. Der Thrash hat gesiegt.

Die Band gibt sich dem eigenen Ursprung hin. Man zockt den typischen Artillery-Thrash Metal, der technisch hochwertig ist und einige Speed Metal-Gene besitzt, die zwangsläufig auch ein wenig Metallica (aus der guten alten Zeit) oder Megadeth-Einflüsse aufzeigt. Das Ganze ist aber eher als Beschreibung gedacht, denn das Abkupfern haben die Dänen nicht nötig, zu sehr haben sie in den Achtzigern die Szene mitgeprägt, auch wenn sie nicht den Superstar-Status für sich beanspruchen konnten.

„When Death Comes“ eröffnet das Album Artillery-typisch. Schnelle Thrashsalven donnern durch das Trommelfell, der Schädel schleudert im Takt vor und zurück. Die Dänen sind alles andere als tot oder altersschwach. Der neue Sänger Søren Adamsen fügt sich perfekt ins musikalische Gesamtbild ein und sein Organ hat irgendwie einen leicht amerikanischen Einschlag. Das Dargebotene klingt frisch und trotzdem mit den Vibes der Achtziger ausgestattet, welche die aufkommende neue Musikrichtung versprühte.

„Upon My Cross I Crawl“ lässt dann durch die Gesangsmelodien gerade dieses magische Metallica-Feeling auferstehen, als die Band noch ihren Siegeszug aufnahm. Der Nacken wird auf Höchsttemperatur angeheizt, kommt nicht zur Ruhe und ein sehr breites Grinsen von Ohr zu Ohr zeichnet sich im Gesicht ab. Der Sound ist gelungen, auch wenn hier und da das Drumkit ein wenig mehr Wärme versprühen könnte. Aber was die Stützer-Brüder Michael und Morten hier abliefern, ist allererste Sahne.

„10.000 Devils“ rifft sich dann die Seele aus dem Leib. Eher langsam für die Stützer-Flitzefinger wird hier trotzdem das Headbangen kräftig angeregt. Carsten Nielsen am Schlagzeug und Peter Thorslund sorgen für den perfekten Takt, aber das Herausstechende ist der Refrain, der sich hier deutlich abhebt und gerade in einer headbangenden, verschwitzen Meute für einige Live-Mitgröhler sorgen dürfte. 

„Rise Above It All“ tritt dann wieder das Gaspedal deutlich stärker durch und wird nur im Mittelteil einmal richtig ausgebremst. Sehr starke Nummer, aber nach der Albumeröffnung kein weiteres Highlight. Das Gitarrensolo dürfte auch mal wieder so einigen Nachwuchsmusikern die Schuhe ausziehen.

Das grandiose „Sandbox Philosophy“ galoppiert ebenso schnell durch die Lautsprecher, dass
man fast meint, ein Sturm würde aufziehen. Schade, dass die Texte nicht beiliegen, der Song könnte hier einiges bieten. Dieses Stück würde ich gerne mal live hören, mal schauen, ob er es in die Setlist der Band schafft.

Die absolut größte Überraschung des Albums ist dann „Delusions Of Grandeur“. Mit akustischen Gitarren wird dieser dementsprechend melodischere Song begonnen, das Ganze aber trotzdem in einem recht dürftigen Tempo, bevor dann doch die gewohnten Streitäxte zum Einsatz kommen. Der Gesang ist schön variabel und so finden sich die akustischen Elemente auch immer wieder einmal ein. Wow, einfach genial, was sich die Dänen hier ausgedacht haben.

„Not A Nightmare“ gerät dann wieder zu einem kleinen Riffmonster. Im Gesang kommt ein wenig vom urtypischen Bruce Dickinson-Stil durch. Stark und absolut gelungen, wenn auch zu wenig aus der hochwertigen Masse hervorstechend. Aber selbst dieser Song ist besser als vieles, was heute in Sachen Thrash Metal abgeliefert wird.
„Damned Religion“ stampft ebenso kräftig daher und sorgt für Freude. Der Schädel fliegt vor und zurück und die Schweißdrüsen werden angeregt. Der Midtempo-Riffer walzt alles nieder, was sich ihm in den Weg stellt. 

„Uniform“ brettert dann wieder zügiger durch die Lautsprechermembranen und bietet wieder einmal ein mehr als gelungenes Solo. Wie auf der ganzen CD ist neben dem Gesang die technisch hochwertige und abwechslungsreiche Gitarrenfraktion das gewisse Etwas, welches ein gutes Album zu einem Highlight verändert. 

Das Ende der Scheibe markiert dann treffsicher ein Song namens „The End“: Recht schwerfällig beginnt dieses Stück und treibt erste Sorgenfalten auf die Stirn, aber das ändert sich in dem Moment, wo die Geschwindigkeit angezogen wird und richtig losgethrasht wird. Trotzdem ist dies kein guter Abschluss, denn es handelt sich hier ziemlich offensichtlich um den schwächsten Song des Albums. Auch wenn er sich im Verlauf immer weiter steigert, so kann er gegen die anderen Granaten nicht anstinken.

Fazit: Eine zeitlose, absolut geniale Scheibe haben die fünf Dänen um die Stützer-Brüder hier abgeliefert. Besser kann man wohl der heutigen Jugend das Gefühl der 80er nicht vermitteln, ohne dass es altbacken klingt. Das grandiose „Delusions Of Grandeur“ sorgt für zusätzliche Belebung. Da kann man sich nur verneigen und auf eine ausgedehnte Deutschlandtour hoffen.

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