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Ars Irae: Unter der Erde

Abwechslung im Detail
Wertung: 7.5/10
Genre: Black Metal
Spielzeit: 47:31
Release: 16.01.2010
Label: Eigenproduktion

Selten fängt ein Cover so gut die Stimmung der Musik ein, wie es bei Ars Iraes Full-Length-Debut der Fall ist – in diesen Klangwelten regiert Verfall und Dunkelheit, Platz für Leben gibt es in „Unter der Erde“ nur selten. Mit diesem Stil konnten die Rosenheimer auch schon auf ihren vorherigen Veröffentlichungen „Ignis Fatuus“ und „Verwelkt“ gute Wertungen in der Presse einheimsen, doch kann die raue Mischung aus Black und Death Metal auch auf voller Länge überzeugen? Ihren Weg verlässt die Band jedenfalls um keinen Zentimeter, doch das schließt Weiterentwicklung ja bekanntlich nicht aus.

Ars Irae bleiben ihrer Linie also treu und vertrauen weiterhin auf klassischen Black Metal mit gelegentlichem Death-Einschlag, der sich vor allem in den tiefen Growls äußert, die gleichberechtigt neben dem sonstigen Gekrächze stehen. Wenn man sich in einem so eng abgesteckten Genre bewegt ist es natürlich unverzichtbar, ein Gespür für gute Riffs und mitreißende Tempowechsel besitzen – auf „Unter der Erde“ findet sich zum Glück beides und macht das Album interessant genug, um nicht in der breiten Masse unterzugehen. Obwohl man sich stark auf die Wurzeln des Genres besinnt, ist man bei der Produktion glücklicherweise nicht auf den in dieser Richtung so beliebten Proberaumsound-Zug aufgesprungen und begeistert mit einem modernen, aber doch erdigen Klangbild; altbacken oder aufgesetzt klingen Ars Irae zu keiner Zeit. Umso mehr verwundert es, dass Ars Irae noch keinen Plattenvertrag haben, bewegt man sich doch in allen Belangen deutlich über dem Durchschnitt und auf Augenhöhe mit vielen Bands, die schon wesentlich länger im Geschäft sind.

Das Songwriting ist dabei zu keiner Zeit innovativ, aber sehr ausgereift und durchdacht; nahezu jedes Riff zündet und jede Doublebass-Attacke sitzt. Zwar herrscht stilistisch Abwechslungsarmut vor, durch die Variabilität innerhalb der Songs kann dieser Mangel jedoch wieder ausgeglichen werden – nach dem cineastischen „Intro“, bei dem René Berthiaume von Equilibrium mitgewirkt hat, deutet sich dies schon in dem Titeltrack „Unter der Erde“ an: Zahlreiche Tempowechsel zwischen Geschredder mit donnernder Doublebassunterstützung und gemäßigteren Passagen samt mächtigen Riffs gestalten diesen Song und auch die folgenden dynamisch und mitreißend. Vorrangig wird dennoch auf eine sehr ruppige Ausrichtung gesetzt, ohne dass die Musik aber in reines Geknüppel ausartet; Ars Irae befinden sich gewissermaßen zwischen den Stühlen mit Tendenz zur härteren Seite.

Aufmerken lassen insbesondere einige gute Riff-Ideen, die der Band die nötige Eigenständigkeit verleihen – mal klingen die Gitarren passend zum Titel „Felsengrab“ malmend und heavy, an anderer Stelle wie in „Der Mahr“ präzise und vernichtend. Besonders hellhörig lässt das vertrackte Riffing in „Göttersterben“ werden, das dem Song einen unwiderstehlichen Groove verleiht und zeigt, dass Ars Irae auch ein niedrigeres Tempo durchaus gut zu Gesicht steht. Mit von der Partie ist bei diesem Song auch Max Marquandt von Helfahrt, der zwar eine solide Gesangsleistung auffährt, der Musik aber nicht wirklich seinen eigenen Stempel aufdrückt. Wesentlich auffälliger ist da schon Gaby Koss (ex-Haggard, Equilibrium), die mit ihrem hohen Organ die Neuaufnahme von „Ignis Fatuus“ um einen interessanten Kontrast bereichert, ist der Song ansonsten doch sehr finster und hoffnungslos gehalten. Erwähnenswert sind übrigens auch die gelungenen Texte, die der Musik einen leichten Pagan-Einschlag geben – neuartig sind diese ebenso wenig wie der Rest des Albums, aber die kleinen Geschichten sind ansprechend geschrieben und weisen gelegentlich sogar einen guten Spannungsbogen auf.

Ars Irae machen auf ihrem ersten richtigen Album fast alles richtig und stellen eine willkommene Abwechslung zu den unzähligen Oldschool-besessenen Truppen dar – angebiedert wird sich nirgends, vielmehr zieht die Band ihr eigenes Ding durch, ohne ihr Konzept aus den Augen zu verlieren. Natürlich mag man dem Quartett dafür Ideenlosigkeit vorwerfen und hat damit vielleicht gar nicht so Unrecht, im engeren Sinne gesehen jedoch finden sich speziell bei der Gitarrenarbeit sehr eigenständige Ansätze, die dem Werk eine Identität bescheren - Freunde klassischen Schwarzmetalls zwischen düsterer Atmosphäre, Death-Metal-Einflüssen und melodischen Momenten sollten „Unter der Erde“ ruhig einmal ein Ohr leihen.

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